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Blutgerinnsel sehr selten Cichutek bricht Lanze für Astrazeneca und J&J

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In den USA lag die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Blutgerinnsel nach einer Impfung mit Johnson & Johnson in etwa bei 1:1.000.000.

(Foto: dpa)

Viele Menschen sind verunsichert: Sollen sie sich nach den Berichten über schwere Nebenwirkungen mit den Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson impfen lassen? Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut verdeutlicht bei ntv, wie unwahrscheinlich es ist, davon betroffen zu sein.

ntv: Was wissen wir seit der Wiederzulassung in Deutschland über die Sicherheit von Astrazeneca?

Klaus Cichutek: Der Covid-Impfstoff von Astrazeneca hat weiterhin ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis. Das heißt, er kann auch in Deutschland weiter verwendet werden und es gibt ja die entsprechenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission, die das nochmal präzisieren.

Was ist mit den bekannten Nebenwirkungen?

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Klaus Chichutek ist Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts. Das Bundesinstitut bewertet Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen und Arzneimitteln.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wir bekommen weiterhin nur in sehr seltenen Fällen Verdachtsfallmeldungen zu thrombolischen Ereignissen im Zusammenhang mit Thrombozytopenien, speziell im Zeitraum von etwa 4 bis 14 oder 20 Tagen nach Impfung, berichtet. Wir haben, nach dem Stand vom 15. April, etwa 59 Fälle gemeldet bekommen. Bei einer Impfquote von etwa vier Millionen Personen haben wir es immer noch mit sehr seltenen Fällen im Bereich von etwa 1:100.000 zu tun. Ich glaube, da sind unsere entsprechenden Empfehlungen von der Ständigen Impfkommission, die Tatsache, dass hier auch weiter geimpft werden kann, völlig adäquat.

Auch Johnson & Johnson kann Blutgerinnsel auslösen, ist aber für den europäischen Markt freigegeben. Wie geht es hier weiter?

Bei Johnson & Johnson ist es tatsächlich so, dass wir bisher lediglich eine Datenlage haben aus den Erhebungen in den USA, wo ja bereits mit diesem Impfstoff geimpft wurde. Wir haben seitens des Paul-Ehrlich-Instituts im entsprechenden Ausschuss für Risikobewertung bei der europäischen Arzneimittelagentur diese Datenlage angesehen. Auch hier ist das Ergebnis, dass der Nutzen das Risiko überwiegt. Wir haben hier auch noch aus den USA eine sehr viel geringere Melderate, die beträgt vielleicht etwa einen Fall in einer Million Impfungen. Wir werden das weiter untersuchen. Im Moment ist das unproblematisch und auch die Ständige Impfkommission wird die Datenlage nochmals sichten und gucken, ob da besondere Maßnahmen und entsprechende Empfehlungen zu geben sind.

Wie wichtig ist der Biontech-Impfstoff für die deutsche Impfkampagne?

Zum einen ist es sehr, sehr erfreulich, dass es sich hier um einen Impfstoff aus der eigenen Entwicklung handelt, der übrigens auch mit starker akademischer Grundlagenforschung entwickelt werden konnte. Es ist ein großes Kontingent, das auch Deutschland, zusammen mit der Europäischen Kommission, verfügbar gemacht hat, das ist sehr erfreulich. Insofern ist dieser Impfstoff, genauso wie die anderen Impfstoffe, ein wichtiges Instrument, um die Pandemie im Laufe des Jahres wirksam zu bekämpfen.

Was ist in der Pipeline an weiteren Impfstoffen, mittelfristig und langfristig?

Im Moment ist der mRNA-Impfstoff von Curevac im sogenannten Rolling-Review-Verfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur, weiterhin der auf virusähnlichen Partikeln beruhende Impfstoff der Firma Novavax. Und wir hoffen ja auch, dass die entsprechende Lage bei der sogenannten russischen Impfstoffentwicklung Sputnik V sich verbessert, sodass es auch hier zu einem regulären Zulassungsantrag kommen kann.

Bei Sputnik ist die Datenlage das Problem, was ist das Problem bei Curevac?

Wenn Impfstoffe angekündigt sind und bereits im Rolling Review, dann werden ja von den Firmen Teildatenpakete eingereicht und dann sukzessive bewertet. Es werden dazu Rückfragen gestellt, die Fragen können schon beantwortet werden. Die Geschwindigkeit, das heißt, die Kürze der Zeitperiode von einer Einreichung des ersten Datenpaketes bis zur Vollständigkeit der Datenpakete und Zulassungsantrag hängt alleine von der Lieferung der entsprechenden Daten der Firmen ab. Und hier kann es aber unterschiedliche Gründe dafür geben, dass dieser Prozess sich manchmal in die Länge zieht. Kann sein, dass man noch wartet auf Phase-3-Ergebnisse, das ist beispielsweise ja auch bekannt von der Firma Curevac, die laufende Phase-3-Prüfung hat und hier darauf hofft, dass die ersten Datenauswertungen schon sehr gute Ergebnisse in Bezug auf die Wirksamkeit liefern. Es kann aber auch sein, dass gewisse klinischen Prüfungen noch nicht geleistet wurden oder Inspektionen noch nicht durchgeführt wurden.

Wenn Impfstoffe zugelassen werden, geht die Arbeit der Forschungsabteilungen weiter. Was ist in den kommenden Monaten noch zu erwarten?

Wirklich spannend ist, dass einige Hersteller schon begonnen haben auch ihre Covid-Impfstoffe zu entwickeln für Kinder und Jugendliche, dazu gehören beispielsweise Biontech, Moderna und andere. Zudem werden aber auch immer mehr variante Impfstoffprodukte angedacht. Das heißt, es könnte ja sein, dass aufgrund der etwas reduzierten Wirksamkeit der jetzigen Impfstoffe eines Tages Varianten hier dominieren, die mit diesen Impfstoffen nicht effektiv bekämpft werden können. Hierfür wird jetzt schon geplant.

Mit Klaus Cichutek sprach Katrin Neumann

Quelle: ntv.de

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