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Forscher unter Druck Ebola-Mittel: ein Wettlauf gegen die Zeit

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In der Ebolaforschung sind höchste biologische Schutzmaßnahmen erforderlich.

(Foto: picture alliance / dpa)

Tausende Opfer hat das Ebola-Virus bereits gefordert, doch zugelassene Medikamente gibt es noch immer nicht. Einige vielversprechende Mittel stehen bereit. Die klinischen Tests aber dauern. Und schnell herstellbar wäre nur ein einziger Stoff.

Fast 3500 Menschen sind in Westafrika bereits an Ebola gestorben, fast 7500 Krankheitsfälle sind gemeldet - soweit die offiziellen Angaben. Die tatsächlichen Zahlen dürften noch weitaus höher liegen. Viele Kranke werden von ihren Familien gepflegt und kommen nicht in Krankenhäuser. Zugelassene Medikamente oder Impfstoffe gegen die gefährliche Krankheit gibt es noch immer nicht. Wissenschaftler arbeiten unter Hochdruck an Mitteln, die das Virus eindämmen sollen. Für einzelne Stoffe läuft inzwischen die Testphase an Menschen. Doch bis zu einem möglichen Einsatz werden noch Monate vergehen. Und er wäre nicht flächendeckend möglich.

Es sind insbesondere zwei Impfstoffe, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "vielversprechend" bewertet. Einer davon ist cAd3-ZEBOV des britischen Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline. Der Impfstoff ist mit einem Träger ausgestattet, in den ein Ebola-Gen eingefügt wurde, um eine Immunreaktion auszulösen. Die ersten Tests an Menschen begannen im September in den USA und in Großbritannien. Weitere Tests sind in Mali und Gambia vorgesehen. Sollten diese Tests, mit denen die Unbedenklichkeit des Stoffes geprüft wird, erfolgreich verlaufen, könnten einige wenige medizinische Helfer im Ebola-Gebiet ab November geimpft werden.

10.000 Dosen ab Anfang 2015

Tests der Phase zwei, mit der die Wirksamkeit des Impfstoffs sichergestellt wird, könnten dann Anfang 2015 beginnen. Zu diesem Zeitpunkt, davon geht die WHO aus, würden von cAd3-ZEBOV etwa 10.000 Dosen zur Verfügung stehen.

Der zweite Impfstoff, der nun in der Testphase ist, heißt rVSV-ZEBOV und wird über die US-Firma NewLink Genetics vermarktet. Das Mittel soll über ein geschwächtes Virus für eine Viehkrankheit wirken, dem ein Ebola-Gen eingefügt wurde. 800 Dosen von rVSV-ZEBOV stehen der WHO bereits zur Verfügung; sie wurden von der kanadischen Regierung kostenlos gestellt. Nach den ersten Tests können nochmal gut 1000 Dosen hinzukommen.

Vorräte an ZMapp bereits erschöpft

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ZMapp basiert auf Antikörpern, die aus verschiedenen Tabakpflanzen gewonnen werden.

(Foto: AP)

Impfstoffe brauchen also, so nah man dem Durchbruch auch schon sein mag, noch einige Monate Zeit. Etwas anders sieht es mit Medikamenten auch. Anfang September schlug die WHO acht Wirkstoffe vor, die möglichst schnell entwickelt werden sollen. Das aus drei Antikörpern bestehende Serum ZMapp wird bereits als eine große Hoffnung präsentiert. Entwickelt in US-amerikanischen und kanadischen Laboren, wurde das Medikament bereits mehreren Ebola-Kranken verabreicht. Klinische Tests allerdings hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Bei den Patienten, die ZMapp bekamen und überlebten, ist unklar, welchen Anteil das Medikament an der Heilung hatte. Doch selbst, wenn es helfen sollte: Der Vorrat an ZMapp ist nach Herstellerangaben derzeit erschöpft. Erst Ende des Jahres stehen wieder einige hundert Dosen zur Verfügung.

Das einzige Mittel, das rasch herstellbar wäre und von dem es laut Hersteller ausreichende Vorräte für mehr als 20.000 Menschen gibt, ist das Grippemittel T-705 oder Avigan von Toyama Chemical. Noch allerdings weiß man nicht, ob es wirklich gegen Ebola hilft. Ein von Frankreich geleiteter Test soll im November in Guinea starten. Das Mittel wird in Tablettenform gegeben. Ein Vorteil, denn so könnte es in schwer zugänglichen Gebieten einfacher eingesetzt werden.

Ein weiteres Mittel ist in der Entwicklung: Für TKM-Ebola erhält die kanadische Firma Tekmira 140 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium. Die Produktion braucht ihre Zeit: Die WHO rechnet mit 900 Dosen bis Ende 2015. Aktuell möglich sind Therapien auf Blutbasis. Die WHO gab dafür im September grünes Licht. Dabei wird bei Ebola-Infizierten das Serum von Menschen eingesetzt, die die Krankheit überstanden.

Quelle: n-tv.de, asc/AFP/dpa

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