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Neu entdeckter Planet Kepler-452b Reise zur "zweiten Erde" wäre machbar

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Der Exoplanet Kepler-452b liegt 1400 Lichtjahren entfernt von der Erde - zu weit, um dorthin zu reisen?

Die Entdeckung des Exoplaneten Kepler-452b begeistert nicht nur Forscher. Astronomie-Fans träumen bereits von Reisen zu dem "Erd-Cousin". Allerdings ist dieser 1400 Lichtjahre weit von der Erde entfernt. Doch: Das ist kein Hindernis.

Das Weltraumfieber greift um sich: Nach den spektakulären Entdeckungen auf dem weit entfernten Pluto und dem Zwergplaneten Ceres sorgt die Nasa mit einer neuen Meldung für Furore: Sie will mit dem Kepler-Teleskop einen erdähnlichen Planeten gefunden haben. Sein Name: Kepler-452b. Nicht nur Forscher, auch Astronomie-Fans sind von dieser Nachricht elektrisiert. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde gleich die Frage gestellt: Kann man da hinfliegen?

Man mag diese Frage als etwas naiv belächeln. Denn der neu entdeckte "Erd-Cousin" Kepler-452b kreist um einen Stern, der 1400 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Zum Vergleich: Der aus unserer Sicht schon weit entfernte Zwergplanet Pluto ist gerade mal etwa 4,5 Lichtstunden entfernt. Die Nasa-Sonde "New Horizons" hat dennoch mehr als neun Jahre benötigt, um dort hinzugelangen. Mit den bisher in der Raumfahrt verwendeten Antrieben kann man zwar beachtliche Geschwindigkeiten erreichen - "New Horizons" entfernt sich mittlerweile mit 52.000 Stundenkilometern von unserem Zentralgestirn, der Sonne. Damit wäre ein Raumschiff aber immer noch - halten Sie sich fest - rund 30 Millionen Erdenjahre zu dem neu entdeckten Planeten Kepler-452b unterwegs. Und sogar mit einem Raumschiff, das mit 99,9 Prozent Lichtgeschwindigkeit fliegt - was theoretisch möglich ist - würde die Reise immer noch mindestens 1400 Erdenjahre dauern.

"Viel zu lange für einen Astronauten", mag man jetzt denken. Aber weit gefehlt: Bei einer Reise nahe der Lichtgeschwindigkeit würde ein menschlicher Astronaut nur rund acht Jahre in seinem Raumschiff sitzen müssen, um schließlich auf Kepler-452b anzukommen. Flöge ein Mensch also im Alter von 25 Jahren von der Erde los, wäre er bei seiner Ankunft auf dem Exoplaneten gerade mal Anfang 30. Ein gutes Alter, um voller Tatendrang eine zweite Erde auszukundschaften.

Einsteins Relativitätstheorie macht es möglich

Ist das wirklich möglich? Ja. Und das ist keine Verschwörungstheorie - es ist Physik. Um genauer zu sein: Albert Einsteins Relativitätstheorie macht es möglich. Denn diese besagt, dass bei steigender Geschwindigkeit eines Objekts auch die Zeit für dieses Objekt immer langsamer vergeht. Je schneller also ein Raumschiff fliegt, desto langsamer würden die Uhren an Bord ticken - jedenfalls aus Sicht der Erde. Erreicht der Astronaut annähernd Lichtgeschwindigkeit, würde aus unserer Sicht die Zeit an Bord seines Raumschiffs fast stehenbleiben. Der Astronaut selbst würde davon aber nichts mitbekommen.

Ein Gedankenspiel verdeutlicht, wie die Reise zu Kepler-452b möglich wäre: Zunächst müsste man die technischen und physikalischen Hürden überwinden, um ein Raumschiff zu bauen, das mit etwa 1g beschleunigt. Das entspricht der Beschleunigung durch die Erdanziehung - der Astronaut in dem Raumschiff würde also eine Art künstliche Schwerkraft in dem Raumschiff spüren. Was auch eine Reihe andere Vorteile mit sich brächte.

Mit dieser Beschleunigung ließen sich fantastische Reisen unternehmen, da die Zeit an Bord - wie gesagt - nach und nach immer langsamer vergehen würde. Nach etwa zwei Jahren an Bord würde der Astronaut den mit 4,3 Lichtjahren sonnennächsten Stern Proxima Centauri erreichen und nach weiteren zwei Jahren Bordzeit bereits den Stern Wega, der etwa 25 Lichtjahre entfernt liegt. Auf der Erde wären dann allerdings schon rund 27 Jahre vergangen. Danach würde der Astronaut in immer kürzen Zeitabständen immer längere Strecken zurücklegen. Für einen Flug zu dem möglicherweise erdähnlichen Planeten Kepler-452b benötigte das Raumschiff schließlich nur rund acht Jahre.

Menschheit würden erst nach 2800 Jahren von Erfolg erfahren

Theoretisch ist eine Reise zur "Erde 2.0" möglich. Doch es ergeben sich dadurch - wer hätte es anders erwartet - einige andere Schwierigkeiten. Wenn unser Astronaut bei dem Planeten ankommt, sind für ihn zwar nur rund acht Jahre vergangenen - auf der Erde sind es aber bereits mehr als 1400 Jahre. Das bedeutet, alle seine Verwandten und Freunde sind lange tot, genau so wie die Forscher, die ihn auf die Reise geschickt habe. Und sollte er eine Botschaft über seine geglückte Ankunft zur Erde zurücksenden, würde diese weitere 1400 Jahre unterwegs sein. Die Menschheit würden also frühestens nach etwa 2800 Jahren von der geglückten Mission erfahren.

Zudem ist der Bau eines Raumschiffs, das konstant mit 1g oder bis zu einer Endgeschwindigkeit von 99,9 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, technisch (noch nicht) möglich. Es ist jedoch denkbar: Ein Raketenantrieb, der mit Antimaterie betrieben wird, könnte ein Raumschiff der Lichtgeschwindigkeit nahe bringen. Allerdings ist die Herstellung der dafür benötigten Masse an Antimaterie (noch) nicht möglich. Forschern ist es gerade mal gelungen, ein paar hundert Antimaterie-Atome zu produzieren. Für so eine Reise würden aber hunderte, wenn nicht tausende Tonnen davon benötigt.

Ein anderes Problem: Aufgrund des Doppler-Effekts würde das annähernd lichtschnelle Raumschiff von tödlicher Gammastrahlung aus dem Weltraum bombardiert - was weitere technische Komplikationen nach sich ziehen würde. Wie der einer breiten Masse aus dem Fernsehen bekannte Astronom Harald Lesch kommentiert: "Es scheint fast unmöglich zu sein."

Quelle: n-tv.de

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