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Sonde von Gasausstoß getroffen? Forscher bangen um "Philae"

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Sorgenkind Philae: Nicht nur beim DLR hofft man, die Kommunikationsprobleme mit dem Minilabor lösen zu können.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist ein Auf und Ab mit diesem Minilabor "Philae" auf dem Kometen Tschuri: Holprige Landung, monatelanger Winterschlaf, dann endlich ein Lebenszeichen. Nun aber herrscht wieder Funkstille. Mögliche Erklärungen dafür gibt es mehrere.

Der Landeroboter "Philae" bereitet in Köln derzeit ordentlich Kopfzerbrechen. Was ist mit dem Minilabor nur los? Wie das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mitteilt, herrscht seit der jüngsten Kontaktaufnahme am 9. Juli Funkstille. "Auf unser gesendetes Kommando, das Instrument Romap einzuschalten, hat er noch nicht geantwortet", sagte Stephan Ulamec, der Leiter des "Philae"-Projekts. Romap dient unter anderem dazu, ein Magnetfeld auf dem Kometen aufzuspüren und zu messen.

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Die verantwortlichen Wissenschaftler versuchen derzeit alles, um wieder in Kontakt mit "Philae" zu treten. Nach Angaben des DLR wird an einem baugleichen Modell auf der Erde ausprobiert, mit welchen Kommandos "Philae" wieder zum Leben erweckt werden könnte.

Nach der holprigen Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko (Tschuri) im November 2014 schlief "Philae" erst einmal für sieben Monate. Erst am 13. Juni schickte die Sonde erneut Lebenszeichen zur Erde. Ende Juni war dann wieder Schluss - auf dem Kometen herrschte Funkstelle. Am 9. Juli jubelte das Kontrollzentrum dann wieder: "Philae" meldete sich. Doch nur, um dann zu schweigen - seitdem besteht kein Kontakt zu dem Kometenlander.

Antenne verdeckt, Sender kaputt?

Eine Frage, die die Forscher umtreibt: Warum ist die Kommunikation mit der Sonde so schwierig? Klar ist: Die Landung im November lief nicht nach Plan. "Philae" landete an einem Kraterrand auf unebenem Gelände. Nun könnte schon eine geringe weitere Positionsveränderung dafür gesorgt haben, dass die Antenne verdeckt oder anders ausgerichtet ist. Hinweise darauf gibt es tatsächlich: "Wir haben in den bisher empfangenen Daten auch Anzeichen dafür, dass 'Philae' sich bewegt haben könnte", sagt Ulamec. Die Forscher können durch die bisher gesendeten Daten nachvollziehen, wie viel Sonne auf das Solarmodul von "Philae" trifft. Dieses Profil habe sich von Juni auf Juli deutlich verändert. "Dies lässt sich nicht nur mit dem Verlauf der Jahreszeiten auf dem Kometen erklären", so Ulamec.

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Tschuri am 7. Juli 2015 - fotografiert von Rosetta, dem "Mutterschiff" von Philae aus einer Entfernung von 154 Kilometern.

(Foto: Esa)

Was also ist passiert? Möglichkeiten gibt es mehrere. Zum einen könnte der kleine Lander durch Gausausstöße auf Tschuri in der Nähe bewegt worden sein. Die Aktivität des Kometen nimmt immer weiter zu, je näher er der Sonne kommt und sich erhitzt. Hat ein solcher Ausstoß "Philae" erwischt und in eine noch ungünstigere Position bewegt oder gar beschädigt?

Zum anderen befürchten die Wissenschaftler, dass womöglich nicht nur eine der beiden Empfangseinheiten am Lander beschädigt ist, sondern auch eine der beiden Sende-Einheiten, die mit dem Kontrollzentrum in Köln kommunizieren. "Philae" ist nach Angaben des DLR darauf programmiert, regelmäßig zwischen den beiden Sendemodulen hin- und herzuschalten. Dennoch hat man an dem Duplikat auf der Erde gerade ein Kommando getestet, das "Philae" befiehlt, nur mit dem funktionierenden Sender zu arbeiten. Der Befehl wurde auch bereits ins All gesendet - in der Hoffnung, das "Philae" darauf reagiert, sobald das Minilabor wieder genug Sonnenenergie abbekommen hat.

"Rosetta" hat auch noch andere Aufgaben

Das alles klingt nicht besonders ermutigend. Doch aufgeben will das "Philae"-Team auf keinen Fall. "Es gab bereits mehrmals die Befürchtung, der Lander bleibe ausgeschaltet - aber er hat uns immer wieder eines Besseren belehrt", sagt Projektleiter Ulamec.

Der Orbiter "Rosetta", der um den Kometen Tschuri kreist, wird sich noch bis Ende der Woche auf einer Bahn bewegen, die für die Kommunikation mit "Philae" günstig ist. Danach werden sich die Bemühungen um Kommunikation mit eigenen Beobachtungen des Orbiters abwechseln, die dann im Fokus stehen. Mit elf Instrumenten an Bord fliegt Rosetta dann über die südliche Hemisphäre des Kometen, um sich genau anzuschauen, was dort aufgrund der erhöhten Sonneneinstrahlung passiert.

Am 13. August erreicht Tschuri den sonnennächsten Punkt (Perihel) seiner Umlaufbahn - ein für die Wissenschaftler besonders interessanter Zeitpunkt. Noch nie hat eine Raumsonde aus der Nähe die Aktivität eines Kometen vor und nach dem Perihel so genau unter die Lupe nehmen können wie nun Rosetta.

Quelle: n-tv.de