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"Schwerer als im letzten Jahr" Grippe plagt die ganze Republik

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In Karlsruhe liegen so viele Straßenbahnfahrer mit Grippe flach, dass manche Linien nur noch alle 20 Minuten fahren können.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ob Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen oder Schleswig-Holstein: Die Influenza greift um sich, und zwar heftig. Kaum ein Unternehmen, das nicht mit diversen Krankmeldungen zu kämpfen hat. Ist es in diesem Winter besonders schlimm mit der Grippe? n-tv.de fragt nach. Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut in Berlin erklärt, wie es um die Grippe steht, ob eine Impfung jetzt noch etwas bringt und wie man sich sonst vor einer Ansteckung schützen kann.

n-tv.de: Frau Glasmacher, grassiert die Grippe in diesem Winter schlimmer als in den vergangenen Jahren?

Susanne Glasmacher: Einzelne Daten zeigen, dass die Grippe in diesem Jahr auf jeden Fall schwerer ist als im letzten Jahr. Das ist aber auch nicht überraschend, denn da hatten wir eine sehr milde Grippewelle. Die Grippewelle vor zwei Jahren war sehr schwer, da liegen die Daten bislang noch drunter. Diesmal hat es auch nicht so früh begonnen. Vor zwei Jahren ging die Grippewelle von Dezember bis April, insgesamt unübliche 19 Wochen lang. Jetzt sind wir gerade in Woche 9.

Ist denn der Höhepunkt der aktuellen Grippewelle bereits erreicht? Oder wird es noch schlimmer?

Bislang steigen die Zahlen noch.

Ist Süddeutschland stärker von der Grippe betroffen?

Wir haben die Grippewelle überall. Der Süden Deutschlands ist stark betroffen, Sachsen aber auch. Und auch im Norden nehmen akute Erkrankungen der Atemwege gerade stark zu.

Bringt es etwas, sich jetzt noch impfen zu lassen?

Ja, das kann noch was bringen. Denn die Grippewelle werden wir auch in zwei Wochen noch haben und zwei Wochen dauert es, bis das Immunsystem den Impfschutz voll aufgebaut hat. Menschen mit Grundkrankheiten sowie Ältere und Schwangere sollten mit ihrem Arzt über eine Impfung sprechen. Allerdings hängt es auch mit der Situation vor Ort ab: Wer den Eindruck hat, dass in seinem Umfeld das Schlimmste bereits überstanden ist, muss abwägen, ob die Impfung noch etwas bringen kann.

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Die Karte zeigt, wo akute Atemwegserkrankungen, dazu zählt insbesondere Grippe, letzte Woche besonders aktiv waren.

(Foto: https://influenza.rki.de/)

Wie steht es in diesem Jahr um die Wirksamkeit der Impfung? Ein Grippevirus ist mutiert, der Impfstoff ist daher nicht optimal zusammengesetzt.

Dadurch ist die Impfwirksamkeit etwas verringert. Man muss sich aber bewusst machen, dass auch sonst nach der Impfung kein hundertprozentiger Schutz besteht. Bei älteren Menschen etwa sind nur 40 bis 60 Prozent der Geimpften geschützt. Diese Quote allerdings wird nicht erreicht, wenn eine Komponente des Impfstoffs nicht gut passt. Aber trotzdem kann die Impfung sinnvoll sein.

Ist der nicht optimale Impfstoff schuld an der Ausbreitung der Grippe in diesem Jahr?

Nein. Wir haben in Deutschland ohnehin nur eine Grippe-Impfquote von etwa einem Viertel, bezogen auf die gesamte Bevölkerung. Drei Viertel der Menschen sind also nicht gegen Grippe geimpft. Hätte man – sehr hypothetisch – einen Impfstoff, der alle Geimpften schützt und würde sich die gesamte Bevölkerung impfen lassen, dann fiele es auf, wenn der Stoff nicht gut passt. Dann sähe man sofort einen Effekt. Bei der tatsächlichen Impfquote und dem tatsächlichen Impfschutz aber ist das nicht so.

Und wie geht der Körper mit mutierten Viren um?

Verändert sich ein Virus, unterläuft er das Immunsystem; man steckt sich also leichter an, wird leichter krank. Aber es spielen auch diverse andere Faktoren eine Rolle für die Grippewelle: Wann sind Ferien? Werden die Viren über Schüler leichter oder weniger leicht verbreitet? Wie kalt ist es? Viren lieben es kalt und trocken. Da spielen viele Faktoren zusammen. Auch die Bevölkerung insgesamt hat eine Immunität, die stark schwanken kann und sich auch von Land zu Land unterscheidet.

Mal abgesehen von der Impfung: Wie schützt man sich am besten vor Grippe?

Den Kontakt zu Erkrankten sollte man vermeiden oder reduzieren. Wenn jemand sichtbar an einer Atemwegsinfektion erkrankt ist, sollte man ihn nicht herzen und umarmen. Und man sollte sich regelmäßig die Hände waschen.

Wie kann man sichergehen, dass es nur eine schnöde Erkältung ist, mit der man zur Arbeit kriecht, und keine Grippe?

Wenn es einem wirklich elend geht, sollte man ahnen, dass es keine gute Idee ist, arbeiten zu gehen. Bei einer Virus-Grippe hat man ziemlich plötzlich ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl und schwere Kopf- und Gliederschmerzen. Und ein weiteres Zeichen: Oft geht sie mit Fieber einher.

Mit Susanne Glasmacher sprach Andrea Schorsch

Quelle: ntv.de