Wissen

760 Millionen Küstenbewohner in Gefahr Meeresspiegelanstieg bedroht Menschheit

Erde.jpg

Steigende Wassertemperaturen und schmelzende Pole führen zum Anstieg des Meeresspiegels.

imago/Science Photo Library

Was geschieht, sollte die Temperatur durch den Klimawandel global um vier Grad Celsius steigen? Die Entwicklungen wären fatal, sagen Forscher. Allein in Deutschland wären 3,5 Millionen Menschen gefährdet - weil Städte verschwinden.

Eine Klimaerwärmung um 4 Grad Celsius würde einer neuen Studie zufolge weltweit 470 bis 760 Millionen Menschen in Küstenregionen gefährden. Bei einem Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius wären immer noch 130 Millionen Menschen vom höheren Meeresspiegel betroffen, heißt es in dem Report der US-Forschungsorganisation Climate Central.

e8f0a34a319b66a4ba8595218ea48e13.jpg

Die chinesische Küstenstadt Yueqing steht am 20. Juli 2005 nach einem Taifun komplett unter Wasser.

(Foto: STR/dpa)

Aufbauend auf einer im Oktober veröffentlichten Studie mit Daten für die USA legen die Forscher vor dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris nun interaktives Kartenmaterial für die gesamte Welt vor: In Deutschland würden demnach bei einem Anstieg um 4 Grad 3,5 Millionen Menschen gefährdet sein, bei einem 2-Grad-Plus 1,3 Millionen. Am stärksten trifft es demnach China, wo 145 Millionen Menschen in überflutungsbedrohten Regionen leben.

Dort wäre auch der Effekt einer Erwärmung um nur 2 Grad am höchsten: Dann wären nur noch 64 Millionen Menschen gefährdet. In zwölf weiteren Nationen - darunter Indien, Bangladesch und Vietnam - müssten jeweils mehr als zehn Millionen Menschen dem Wasser weichen. Zu den zehn am meisten gefährdeten Megastädten zählen Shanghai, Hongkong, Kalkutta und Mumbai. Auf interaktiven Karten können die verschiedenen Szenarien für alle Regionen der Welt betrachtet werden.

"Land verschwindet, inklusive der Städte"

"Ein Anstieg des Meeresspiegels ist nichts, wovor man Angst haben müsste, weil er sehr langsam verläuft. Aber er ist etwas, um das man sich sorgen muss, weil er unser Land verschwinden lässt, inklusive der Städte", sagte Co-Autor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

3cb058fd82071068d5315f2eb851d2f1.jpg

Den New Yorkern stand nach Hurrikan "Sandy" das Wasser bis zum Hals.

(Foto: dpa)

Die Forscher legen bei ihren Karten einen Meeresspiegelanstieg von 7,4 bzw. 4,5 Metern zugrunde. Je nach Schadstoffausstoß werden diese Höhen in 200 bis 2000 Jahren erreicht, hieß es. Schon jetzt habe der Meeresspiegelanstieg von global rund 20 Zentimetern seit 1901 drastische Auswirkungen selbst in Industrieländern, sagte Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Der Hurrikan "Sandy" führte 2012 zu einer riesigen Sturmflut in New York, die große Teile der Stadt überschwemmte. Durch den höheren Meeresspiegel seien einer Studie zufolge gut ein Zehntel mehr Menschen sowie Wohneinheiten betroffen gewesen als ohne diesen Anstieg, so Frieler. Die Kosten der Schäden von 11,9 Milliarden Dollar (rund 11 Milliarden Euro) wären ohne den Meeresspiegel um 2,3 Milliarden Dollar niedriger gewesen.

Meeresspiegelanstieg beschleunigt sich

Der Meeresspiegel steigt nach Angaben des Weltklimarates mit zunehmender Geschwindigkeit. Sie liegt derzeit bei mehr als drei Millimetern pro Jahr. Hauptgründe seien die Erwärmung des Meereswassers, das sich dadurch ausdehnt, sowie das Schmelzen des Eises von Gletschern, Grönland und der Antarktis. Die Klimaschutzziele, die auf dem Gipfel in Paris in einen internationalen Vertrag gegossen werden sollen, werden die gefährlichen Folgen des Klimawandels erst einmal nicht verhindern. Denn selbst wenn alle Länder ihre angekündigten Ziele vollständig umsetzen sollten, würde die Erdtemperatur immer noch um 2,7 Grad Celsius steigen, rechnete das unabhängige Projekt Climate Action Tracker aus.

Das UN-Umweltprogramm (Unep) geht im besten Fall sogar von rund drei Grad Erwärmung aus, wenn alle Länder ihre gesamten Klimaschutzziele erfüllen. Zudem habe etwa ein Viertel der 146 Staaten, die bisher nationale Klimaschutzpläne angekündigt haben, diese von finanzieller oder technischer Unterstützung durch die Industrienationen abhängig gemacht, berichtete die Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christina Figueres, vor Kurzem in Berlin.

Quelle: n-tv.de, lsc/dpa

Mehr zum Thema