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Das meisterforschte Insekt Mensch nutzt Biene schon viel länger

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Bienen führen in ihrem Stock ein differenziertes Sozialleben.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die Biene gilt als wichtiges Haustier des Menschen. Honig und Wachs des Tieres werden bereits seit 9000 Jahren genutzt. Das finden Forscher anhand von Tonscherben nun heraus.

Der Mensch nutzt Honigbienen schon weit länger als bisher bekannt. Forscher schließen aus der Analyse Tausender Tonscherben, dass die frühen Bauern der Jungsteinzeit in Anatolien schon vor fast 9000 Jahren Bienenwachs verwendeten. In Österreich und Deutschland reicht die Nutzung demnach etwa 7500 Jahre zurück – also anderthalb Jahrtausende weiter als bisher vermutet.

Nördlich des 57. Breitengrades – das entspricht Norddänemark – fand das Team um Mélanie Roffet-Salque von der englischen University of Bristol dagegen keine Hinweise mehr auf Bienenwachs, wie es im Fachblatt "Nature" berichtet.

Ausdehnung des Lebensraumes

Die Honigbiene (Apis mellifera) nehme in der Kultur des Menschen einen einzigartigen Platz ein, schreiben die Forscher. Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als Bestäuber von Blütenpflanzen und ihrer komplexen sozialen Organisation sei sie das meisterforschte Insekt. Dennoch lagen die Anfänge der Nutzung von Bienen durch den Menschen bisher im Dunkeln. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren dehnten die Bienen ihren Lebensraum nach Norden aus. In den folgenden Jahrtausenden profitierten die Menschen vor allem vom Honig, nutzten aber auch das Bienenwachs – etwa als Heilmittel, Kosmetikum, Brennstoff oder zum Abdichten von Gefäßen.

Dies deute auf eine ökologische Grenze der damaligen Verbreitung von Honigbienen hin, folgern sie. Auch in Irland und Schottland wurden sie nicht fündig – in England dagegen schon. Dies widerlege eindeutig die Meinung, dass die Tiere erst später auf die britischen Inseln gelangt seien. In dem Großprojekt untersuchten nun Dutzende Forscher rund 6400 Tongefäße aus Vorderasien, Nordafrika und Europa auf eindeutige Rückstände von Bienenwachs – etwa bestimmte Alkane. Die ältesten Belege fanden sie an Scherben aus Anatolien, die aus dem 7. Jahrtausend vor Christus stammen. Rückstände von Bienenwachs entdeckten sie in Çatalhöyük und im weiter östlich gelegenen Çayönü Tepesi. Dies sei der älteste eindeutige Beleg für die Nutzung von Honigbienen bei Bauern der Jungsteinzeit, betonen sie.

Scherben aus Niederhummel analysiert

In Mitteleuropa wiesen die Wissenschaftler reines Bienenwachs an Scherben aus Brunn am Gebirge in Niederösterreich nach, die etwa 7500 Jahre alt sind. Der älteste deutsche Beleg stammt demnach mit einem Alter von etwa 7300 Jahren aus Niederhummel nördlich von München. Damit reiche die Bienen-Nutzung in Mitteleuropa etwa 1500 Jahre weiter zurück als bisher bekannt, schreiben die Autoren.

Die meisten Funde machten sie auf der Balkanhalbinsel – in Griechenland, Rumänien und Serbien. In 5,5 Prozent der gut 1900 analysierten Scherben aus dieser Region wurden die Wissenschaftler fündig. Im Norden des Kontinents hatten sie dagegen keinen Erfolg: "Die nördliche Grenze der Bienen-Nutzung in Europa war anscheinend Dänemark", schreiben die Wissenschaftler. Jenseits des 57. Grads nördlicher Breiten – das entspricht etwa der Lage von Aalborg – entdeckten sie keine Hinweise mehr auf Bienenwachs.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa