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Schwund der Atmosphäre Nasa findet Hinweise auf Mars-Tod

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Die Grafik zeigt den Mars, wie er früher einmal ausgesehen haben könnte (links) - und wie er heute aussieht.

(Foto: Nasa)

Einst soll unser roter Nachbar im All ein ähnlich blauer Planet wie die Erde gewesen sein - mit Ozeanen und einer dichten Atmosphäre. Doch Letztere ist heute stark verdünnt und eiskalt. Die US-Sonde Maven hat nun Hinweise geliefert, warum das so ist.

Die Indizien auf der Marsoberfläche sind zahlreich: Forscher sind sich fast sicher, dass in der fernen Vergangenheit einmal Flüsse, Seen und sogar Meere den Roten Planeten bedeckt haben. Ermöglicht haben soll dies eine Atmosphäre, die um ein Vielfaches dichter war als die heutige. Doch eine Frage blieb ungeklärt: Wohin sind Wasser und Luft verschwunden?

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Die Sonde "Maven" umkreist seit 2014 den Mars.

(Foto: picture alliance / dpa)

Spekulationen dazu gibt es schon lange - Sonnenwinde sollen nach Meinung von Forschern die einst dichte Atmosphäre unseres Nachbarn förmlich weggeblasen haben. Nun liefern Messungen der US-Raumsonde "Maven" möglicherweise den Beweis, dass die Theorie zutrifft.

"Maven" umkreist seit 2014 den Nachbarplaneten der Erde und hat dabei festgestellt, dass der Mars durch heftige Sonnenausbrüche nach und nach Gas aus seiner Atmosphäre verliert. Diese Sonnenausbrüche sind gewaltige Eruptionen an der Oberfläche unseres Zentralgestirns - bei ihnen wird oft eine große Menge geladener Teilchen ins All geschleudert - mit Geschwindigkeiten von bis zu einer Millionen Kilometern pro Stunde. Treffen diese nach einigen Tagen auf den Mars, reißen sie nach Messungen von "Maven" besonders viel Material aus dessen Atmosphäre ins All, wie Forscher um Bruce Jakosky von der Universität von Colorado in Boulder im US-Fachblatt "Science" berichten.

Magnetische Schläuche "saugen" Atmosphäre ab

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Die Marssonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa untersucht seit rund einem Jahr kontinuierlich die Lufthülle des Roten Planeten. Dabei konnte sie im März dieses Jahres die Auswirkungen eines Sonnensturms auf die Marsatmosphäre beobachten. Bei dem Ausbruch registrierte "Maven" magnetische Schläuche in der Marsatmosphäre, die bis zu 5000 Kilometer weit ins All rankten. Diese magnetischen Schläuche erleichtern es elektrisch geladenen Molekülen aus der Marsatmosphäre, ins All zu entkommen. Darunter sind etwa Kohlendioxid- und Sauerstoffionen.

Was hat dies nun mit dem Verschwinden des Wassers auf dem Mars zu tun? Da Sonnenausbrüche im jungen Sonnensystem vermutlich häufig waren, könnten sie eine wichtige Rolle bei der angenommenen Ausdünnung der Marsatmosphäre gespielt haben, argumentieren die Forscher. Das könnte zu Klimaveränderungen auf dem Mars beigetragen haben - denn nur mit einer dichten Atmosphäre sind milde Temperaturen möglich, bei denen flüssiges Wasser Seen und Meere bilden kann. Heute hingegen herrschen auf dem Mars eisige Temperaturen von im Durchschnitt minus 63 Grad Celsius. Zwar wurde jüngst die Existenz flüssigen Wassers auf der Oberfläche von der Nasa nachgewiesen - allerdings soll dies nur temporär unter speziellen Bedingungen der Fall sein.

Mysteriöse Staubwolke in größer Höhe entdeckt

Weitere Untersuchungen von "Maven", die mehrfach durch die obere Marsatmosphäre getaucht ist, zeigen, dass die Kruste des Roten Planeten vermutlich einen wesentlichen Anteil zum Mars-Magnetfeld beiträgt. Außerdem beschreiben Planetenforscher in "Science" die überraschende Entdeckung von ausgedehnten Polarlichtern auf dem Mars, die von der Nasa bereits früher im Jahr bekanntgegeben worden war. Die Aurorae reichen bis zu 60 Kilometer an die Marsoberfläche heran - so dicht wie dies bisher bei keinem anderen Planeten beobachtet wurde.

Darüber hinaus hat die US-Raumsonde eine unerwartete globale Staubwolke um den Roten Planeten in 150 bis 1000 Kilometern Höhe entdeckt. Da es keinen bekannten Prozess gibt, der Staub von einem Planeten in diese Höhen hieven kann, nehmen die Forscher an, dass es sich um Staub handelt, der nicht von der Marsoberfläche stammt, sondern von einer bislang unbestimmten interplanetaren Quelle aus unserem Sonnensystem.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

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