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Durch Pandemie-Maßnahmen RSV-Infektionen zeigen sich anders als sonst

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Die Kinder, die wegen RSV-Infektionen in Dänemark stationär behandelt werden mussten, waren oftmals älter im Vergleich zur RSV-Saison im Vorjahr.

(Foto: imago images/Shotshop)

Massenhafte Atemwegsinfektionen sind nach der Pandemie ein Problem. Fachleute wollen wissen, warum die Zahlen so in die Höhe geschossen sind. Eine Untersuchung liefert nun erste Antworten zu ungewöhnlichen RSV-Infektionen bei Kindern in Dänemark 2021.

Forscherinnen und Forscher haben festgestellt, dass es 2021 zu einer ungewöhnlich hohen Zahl sowie ungewöhnlichen Komplikationen durch RSV-Erkrankungen bei Kindern in Dänemark gekommen ist. Das Team um Ulrikka Nygaard vom Universitätskrankenhaus Kopenhagen wollte wissen, wie es zu diesen Besonderheiten kommen konnte. Die Kinder- und Jugendmedizinerinnen und -mediziner untersuchten zunächst, wie sich die Fallzahlen und die Schwere von Infektionen mit dem Respiratorischen-Synzytial-Virus, kurz RSV, vor und während der Covid-19-Pandemie entwickelten.

Sie sahen, dass 2021 in Dänemark 3000 Kinder mit RSV-Erkrankungen und damit doppelt so viele im Vergleich zum Durchschnitt (1477) in den Jahren zuvor, in Krankenhäusern behandelt werden mussten. Die Epidemie kam außerdem zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nämlich im Sommer und Herbst 2021 und nicht, wie sonst in der Wintersaison. Als wahrscheinliche Gründe bringen die Fachleute die Aufhebung der Corona-Maßnahmen sowie den Ausfall der RSV-Epidemie 2020 zur Sprache.

Die weitreichenden Kontaktbeschränkungen wegen der Pandemie hatten dazu geführt, dass die RSV-Epidemie in Dänemark 2020/2021 ausgefallen ist. Das machen auch die Zahlen deutlich. Wegen schwerer RSV-Infektionen mussten damals lediglich zehn Kinder in Krankenhäusern im Land behandelt werden. Doch die Epidemie zeigte sich sieben Monate später umso heftiger. Das war die Zeit kurz nach der Aufhebung der ersten Corona-Maßnahmen in Dänemark.

Fehlender Immunschutz

Viele Säuglinge bis zum dritten Monat mussten im Sommer bis Herbst 2021 wegen RSV-Erkrankungen stationär behandelt werden. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass diesen Kindern der Immunschutz fehlte, der normalerweise über die werdende Mutter, die sich mit RS-Viren während der Schwangerschaft infiziert, weitergegeben werden kann. Ein noch größerer Anteil von Kindern, die wegen RSV-Infektionen in dänischen Krankenhäusern behandelt werden mussten, stellten die Gruppen älterer Kinder dar. Den höchsten Anteil berechneten die Forschenden für die Gruppe der Vierjährigen. Denkbar ist, dass diese Kinder wegen der Corona-Maßnahmen keine ausreichende Immunität durch regelmäßige RSV-Kontakte aufbauen konnten.

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Obwohl der Anteil der Intubationen bei allen Kindern in Krankenhäusern im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie gleichgeblieben ist, sahen die Fachleute einige Veränderungen im Krankheitsspektrum. Galten vor der Pandemie Frühgeburten, angeborene Herzfehler und Immunschwäche als typische Risikofaktoren für Komplikationen bei einer RSV-Erkrankung, kam es auch bei einer Reihe von Kindern, die zuvor keine dieser Risikofaktoren aufwiesen, zu Komplikationen, die eine Intubation nötig machten. Dazu gehörten beispielsweise Herzversagen, Lungenentzündung durch Bakterien oder Komplikationen im neurologischen Bereich.

Solche eher ungewöhnlichen Komplikationen bei älteren Kindern ohne Risikofaktoren könnten in Zukunft auch ohne die Covid-19-Maßnahmen auftreten, resümiert das Team. Die Ergebnisse der Untersuchung wurde im Fachjournal "The Lancet - Child & Adolescent Health" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz

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