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Auf die Wirkung kommt es an Wie wichtig ist die Maskenpflicht noch?

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Es muss keine FFP2-Maske sein, aber sie sollte besser sitzen.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Niedersachsens Regierung hat das Vorhaben, die Maskenpflicht im Einzelhandel bei Inzidenzen unter 35 abzuschaffen, erstmal ad acta gelegt. Das ist gut so, denn die vergleichsweise geringe Einschränkung hat eine große Wirkung, wie eine neue Studie belegt - selbst wenn nur OP-Masken getragen werden.

Mit seiner Ankündigung, nach Pfingsten bei 7-Tage-Inzidenzen unter 35 das Einkaufen im Einzelhandel ohne Masken zu erlauben, hat Niedersachsen gestern großen Wirbel verursacht. Nachdem die Regierung in Hannover aber nochmal ernsthaft nachgedacht hat, hat sie das Vorhaben vorerst fallen lassen. Wissenschaftler begrüßen das, denn mit einer Abschaffung der Maskenpflicht wäre zum falschen Zeitpunkt das vielleicht effizienteste Mittel zur Eindämmung der Pandemie weggefallen.

Inzidenzen können täuschen

Zunächst einmal ist ein Blick auf die Gesamtinzidenz nicht nur in diesem Fall kurzsichtig. Denn sie ist vor allem deshalb so niedrig, weil die Fallzahlen bei den älteren Menschen über 75 Jahren so stark gefallen sind. Bundesweit lag bereits vergangenen Dienstag die Inzidenz der 60- bis 64-Jährigen bei 65.

Umso jünger die Menschen sind, desto höher sind die Fallzahlen. Bei den 40- bis 44-Jährigen überstiegen sie die 100er-Marke, bei den 20- bis 24-Jährigen lag der Wert bei 120. Niedersachsen hat zwar insgesamt niedrigere Inzidenzen, aber im Großen und Ganzen sind sie vermutlich auch dort bei den Jüngeren oft noch deutlich über 35.

Dass dies so ist, liegt zu einem großen Teil am Impffortschritt, der bisher vor allem den alten Menschen zugutekam. Das heißt, in den jungen Altersgruppen kann sich Sars-CoV-2 noch weitgehend ungehindert verbreiten. Insgesamt haben in Deutschland bisher nur rund 40 Prozent die Erstimpfung erhalten, etwa 13 Prozent sind vollständig geimpft, in Niedersachsen nicht einmal 12 Prozent.

Noch viel zu wenige Menschen geimpft

Daher mahnte der Marburger Bund die Regierung in Hannover davor, die Maskenpflicht voreilig zu lockern. "Über so einen Schritt können wir nachdenken, wenn wir einen Anteil von etwa 80 Prozent vollständig Geimpfter in Niedersachsen erreicht haben, beziehungsweise zumindest alle Impfwilligen sich impfen lassen konnten", sagt der Landesvorsitzende Hans Martin Wollenberg. "Wir dürfen das Erreichte nicht aufs Spiel setzen. Wer jetzt die Maskenpflicht lockert, gefährdet diejenigen, die noch keine Impfung erhalten haben. Darunter auch die Beschäftigten des Einzelhandels und kleine Kinder, aber auch viele andere, die noch nicht geimpft werden konnten."

Wollenbergs Vize Andreas Hammerschmidt ergänzte: "Die AHAL-Regeln müssen bis zum Ende der Pandemie eingehalten werden, sonst droht die nächste Welle. Mutanten, wie die aktuelle indische Variante, können wir nur mit einer hohen Durchimpfungsrate in Schach halten. Solange wir diese nicht erreicht haben, führt am Maskentragen kein Weg vorbei."

Neue Studie belegt hohe Wirksamkeit von Masken

Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die sehr alten Menschen und andere vulnerable Gruppen durch Impfungen geschützt und Post-Covid-Erkrankungen bei Jüngeren eine vernachlässigbare Größe wären, sollte eine Abschaffung der Maskenpflicht trotzdem die letzte Lockerung sein. Denn sie ist eine vergleichsweise sehr geringe Einschränkung mit großem Effekt. Das belegt unter anderem eine aktuelle internationale Studie zur Wirksamkeit von medizinischen Masken unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts, der Berliner Charité und der Mainzer Uniklinik.

Die Forscher gingen unter anderem der Frage nach, warum sich ein Mund-Nasen-Schutz in einigen klinischen Studien als nicht oder nur wenig wirksam erwiesen hat, obwohl man gleichzeitig beobachten konnte, dass Länder die Pandemie besser unter Kontrolle haben, in denen ein Großteil der Bevölkerung Masken trägt.

Viruskonzentration in der Raumluft entscheidend

Sie stellten fest, dass die Wirksamkeit von Masken stark von der Viruskonzentration in der Luft abhängt. Durchschnittlich stoße ein Mensch so viele Partikel aus, dass OP-Masken, die nur 50 Prozent davon zurückhalten, eine Infektion in Innenräumen eigentlich nicht vermeiden könnten, schreiben sie.

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Die Grafik zeigt, dass bei einer sehr hohen Viruskonzentration in der Luft, die eingeatmete Viruslast (Nv) auch mit Maske zu einer Infektion führt. Bei niedrigeren (alltäglichen) Konzentrationen sind Masken aber der entscheidende Unterschied.

(Foto: Science)

Atemproben und Raumluft-Messungen ergaben allerdings, dass nur ein geringer Teil der ausgestoßenen Partikel tatsächlich mit Viren belastet ist. Die Forscher verglichen daraufhin die Anzahl der ausgeatmeten Erreger mit der Virenlast, die als hoch genug für eine Infektion gilt. Es stellte sich heraus, dass ab einer gewissen Virenmenge in der Luft einfache medizinische Masken Ansteckungen nicht verhindern können. Unter diesem hohen Level nimmt ihre Wirksamkeit aber stetig zu.

Im Alltag schützen auch OP-Masken effektiv

Die Wissenschaftler ermittelten, dass in den meisten Alltagssituationen in Innenräumen auch chirurgische Masken so viele Viren zurückhalten können, dass sich ihre Träger nicht infizieren. Daraus ergibt sich wiederum, dass eine Kombination von Lüften, Abstandsregeln und Maskenpflicht in Innenräumen Infektionen sehr effektiv unterbinden kann.

Selbst wenn eine Ansteckung nicht verhindert werde, könnten Masken trotzdem hilfreich sein, schreiben die Autoren der Studie. Denn wie man in der Wissenschaft derzeit diskutiere, könnte die Schwere einer Covid-19-Erkrankung von der aufgenommenen Viruslast abhängen.

Korrekte Anwendung wichtig

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Bei FFP2-Masken, die bei korrektem Sitz nur 5 Prozent der Viren durchlassen, ist die Wirkung entsprechend höher. Die Forscher empfehlen sie für Situationen mit einer hohen Virenkonzentration in der Luft, beispielsweise für Covid-19-Stationen in Krankenhäusern.

Die Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass es für eine effektive Eindämmung der Pandemie nicht nur darauf ankommt, dass sich eine große Mehrheit der Bevölkerung an die Maskenpflicht hält. Es sei auch wichtig, dass ein Mund-Nasen-Schutz korrekt getragen und angewandt wird, schreiben sie.

Quelle: ntv.de

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