Frage & Antwort

Karies richtig vorbeugen Ist Fluorid gesundheitsschädlich?

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Zahnpasten ohne Fluorid werden beliebter.

(Foto: imago images/Imaginechina-Tuchong)

Fluorid wird heute den allermeisten Zahnpasten zugesetzt. Es soll vor Karies schützen. Doch immer wieder kursiert die Aussage, dass Fluorid gesundheitsgefährdend sei. Insbesondere Kinder sollten darauf verzichten. Was ist dran?

Schon seit Jahrzehnten wird Natrium-, Amin- oder Zinnfluorid in der Zahnhygiene verwendet. Das verstärkte Zähneputzen mit fluoridhaltigen Pasten hat dafür gesorgt, dass Deutschland mittlerweile das geringste Kariesaufkommen weltweit hat.

Karies entsteht, wenn Säuren den Zahnschmelz demineralisieren. "Fluorid bildet an der Zahnschmelzoberfläche eine Calciumfluoridschicht, fördert die Remineralisierung und baut sich in die oberflächlichen Zahnschmelzstrukturen ein. So macht es den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säureangriffe", sagt der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Professor Dietmar Oesterreich, im Gespräch mit ntv.de. Weiterhin sei Fluorid dazu in der Lage, das Bakterienwachstum in den vorhandenen Bakterienbelägen zu hemmen.

Überdosierung ist kaum möglich

Kritiker bemerken, dass verschiedene Fluoride Gesundheitsschäden wie Knochenschwund oder Nierenschäden zur Folge haben können. Oesterreich kann hier jedoch beruhigen: "Toxische Effekte von Fluoriden in Zahnpasten würde man erst erreichen, wenn man sich Unmengen an Zahnpastatuben zuführte. Man muss regelrecht Zahnpasta essen", sagt er. Das tägliche Putzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta sei daher vollkommen unbedenklich. Zudem würden viele Menschen Fluorid mit Fluor verwechseln. Letzteres ist ein giftiges Gas, das sich durch sämtliche Materialien frisst. Fluoride hingegen sind Salze (wie beispielsweise Kalziumfluorid oder Natriumfluorid), die auch in Lebensmitteln wie Schwarzem Tee, Fisch oder Mineralwasser vorkommen, aber auch manches Kochsalz enthält Fluorid.

Die europäische Lebensmittelbehörde empfiehlt eine maximale Zufuhr von 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht. Zahnpasten für Erwachsene haben einen Fluoridanteil von höchstens 0,15 Prozent und jene für Kinder 0,10 Prozent. Oesterreich zufolge ist eine Überdosierung deshalb extrem selten: "Es bedarf einer kontinuierlich erhöhten Zufuhr über einen Zeitraum von mehreren Jahren, bis es zu milchweißen Flecken auf der Zahnschmelzoberfläche kommt. Diese sind aber völlig harmlos und zeigen keinen toxischen Effekt", erklärt der Experte. Fluoride sollten altersentsprechend eingesetzt werden und Kinder sollten auf fluoridreduzierte Kinderzahnpasta zurückgreifen. Kinder bis zum zweiten Lebensjahr sollten eine reiskorngroße und danach bis zum sechsten Lebensjahr eine erbsengroße Menge Zahnpasta zum Putzen nehmen.

Zusätzliche Fluorid-Behandlungen wie Lacke, Gele oder Mundspülungen sollten bei einem erhöhten Kariesrisiko unter zahnärztlicher Kontrolle Anwendung finden.

Ist Hydroxylapatit eine Alternative?

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Derzeit gibt es Zahnpasten mit Hydroxylapatit, die damit werben, mindestens genauso effektiv vor Karies zu schützen wie fluoridhaltige. Stiftung Warentest bewertet nicht zuletzt wegen der mangelnden Studienlage alle Zahnpasten ohne Fluorid so schlecht, dass sie sofort durchfallen. "Wenn wir andere Möglichkeiten hätten, Karies zu reduzieren, hätten wir diese genutzt", betont Oesterreich.

Wer nun trotz des erhöhten Kariesrisikos auf fluoridhaltige Zahnpasten verzichten möchte, sollte besonders auf eine säure- und zuckerarme Ernährung achten. Beides sind Risikofaktoren für das Entstehen von Karies, die nicht zu unterschätzen sind.

Quelle: ntv.de