Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 546 Kann man bei Hitze schlechter denken?

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Bei großer Hitze fühlt sich mancher "matschig in der Birne".

(Foto: picture alliance / Sebastian Kah)

Hitze ist bei körperlicher Arbeit überaus störend. Sommerliche Temperaturen laden eher dazu ein, einen Gang runterzuschalten. Doch wie verhält es sich beim Denken?

Schwitzen, trinken, stöhnen: Hohe Temperaturen verlangen dem menschlichen Körper einiges ab. Wenn auch noch intellektuelle Höchstleistungen abgefragt werden, dann fühlt man sich schnell matt und müde. Bereits nach ein paar Stunden Hitze hat man das Gefühl, keinen klaren Gedanken mehr hinzubekommen. "Schuld daran sind die Kühlprozesse im Körper", sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck n-tv.de. Auch wenn es für Nervenzellen an sich nicht so entscheidend ist, ob es 25 oder 28 Grad Celsius sind, reagiert das Gehirn dennoch spürbar ab einer gefühlte Temperatur von circa 27 Grad Celsius.

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Der Neurowissenschaftler Henning Beck.

(Foto: imago/Eibner)

Ab dieser Temperatur nämlich muss der Körper, der selbst ständig Wärme an die Umgebung abgibt, auf Kühlung umstellen. Durch die Bildung von Schweiß entsteht Verdunstungskälte und gleichzeitig ein Flüssigkeitsverlust im Körper. "Das Gehirn ist ein überaus wichtiges und sensibles Organ, dessen Versorgung in der körperlichen Prioritätenliste weit oben steht. Wenn man Flüssigkeit und Elektrolyte verliert, ist das schnell wahrnehmbar", erklärt Beck, der auch Autor ist. "Schon ein Flüssigkeitsverlust von wenigen Prozent des Gesamtkörpergewichts führt zu Einschränkungen und Verlangsamung beim Denken", so der Experte weiter.

Verlangsamtes Aufnahmevermögen

Schweißbildung und eine höhere Durchblutung der Haut unterstützen die Kühlung des Körpers. Mit diesen Maßnahmen kann die Kerntemperatur des Körpers über einen längeren Zeitraum konstant bei rund 37 Grad Celsius gehalten werden. Das Herz muss bei Hitze allerdings schneller pumpen, die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt und das Gehirn wird etwas weniger als sonst durchblutet. Auch das ist durch Konzentrationsverlust und ein verlangsamtes Aufnahmevermögen für viele Menschen relativ schnell spürbar.

Alle wirkungsvollen Kühlmechanismen werden vom Gehirn aus gesteuert. In ihm befindet sich eine Art Messstation zur Thermoregulierung. Hält man sich über mehrere Stunden hinweg in der Wärme auf, dann kosten den Körper das Steuern der Kühlung und die Kühlung selbst viel Energie und Flüssigkeit. So entstehen Müdigkeit und das Gefühl, etwas "matschig in der Birne" zu sein. Hält dieser Zustand länger an, dann wird man zudem leichter reizbar und übellaunig. Ausreichend Wasser zu trinken und einen Gang runterzuschalten sind gute Gegenmaßnahmen. Auch die Runterkühlen von Schlafräumen wirkt sich positiv auf das Denkvermögen bei Jung und Alt aus, wie Forscher erst kürzlich beweisen konnten.

Zudem kann man sich selbst durch einige Tricks unterstützen und das Gehirn trotz innerem Temperaturmesser beeinflussen. "Betrachten Sie entweder die Farbe Blau, denn die wird mit Kälte assoziiert, oder Bilder von Eisbergen, Schnee und Gletscher", erläutert Beck. "Das sogenannte Framing hilft zumindest kurzzeitig, um eine bestimmte Sache zu Ende zu bringen und dabei weniger zu schwitzen." 

Übrigens: Die optimale Temperatur liegt für viele Menschen bei 23 bis 25 Grad Celsius. In diesem Bereich muss der Körper weder kühlen noch wärmen und hat deshalb genug Energie zum Denken.

Quelle: n-tv.de

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