Frage & Antwort

So laut wie eine Kreissäge Was bringt Stöhnen beim Tennisspielen?

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Die russische Tennisspielerin Maria Sharapova ist auch bekannt als "Queen of Screams". Sie gehört auch zu den Profis, für die das Stöhnen zum Match gehört.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Was gehört zur den typischen Geräuschen eines Tennis-Matchs? Das Aufprallen des Balls auf dem Schläger und dem Platz. Und manchmal eben auch das laute Stöhnen einiger Spielerinnen und Spieler. Doch hat dieser körperliche Ausdruck auch einen Nutzen?

Rafael Nadal macht es, Maria Sharapova auch: Jeder Aufschlag der beiden Profi-Tennisspieler wird von einem lautstarken Stöhnen begleitet. Die Geräusche können Lautstärken von mehr als einhundert Dezibel erreichen und konkurrieren so problemlos mit dem Lärmpegel von Motorrädern oder Kreissägen.

Die Konkurrenz hat unterschiedliche Meinungen zu dem Krach, der vom Gegenüber produziert wird. Tennislegende Roger Federer sagte, er könne das Stöhnen bei seinem Gegner bis zu einem gewissen Grad tolerieren. Aber: "Es gefällt mir nicht, wenn es zu laut wird oder in Schlüsselmomenten vorkommt. Das ist unsportlich." Profi-Spielerin Serena Williams erklärte indes, dass sie das "Grunting", so der Fachbegriff für die laute Ausatmung, ihrer Konkurrentinnen nicht störe. Währenddessen beschwerte sich Martina Navratilova im Wimbledon-Halbfinale 1992 sogar bei der Schiedsrichterin über ihre laut stöhnende Gegnerin Monica Seles. Navratilovas Argument: Die Laute würden das Schlaggeräusch übertönen und damit auf unfaire Weise die Voraussage des Ballflugs erschweren. Ob das tatsächlich stimmt, haben nun Sportpsychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena um Florian Müller und Rouwen Cañal-Bruland in einer Studie untersucht.

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Für ihre Erhebung spielten die Wissenschaftler erfahrenen Tennisspielern Videos vor, die ein Spiel von Tennis-Profis zeigten. Die Testpersonen sollten sich die Tennisschläge genau ansehen, dann auf die Flugbahn des Balls schließen und dessen Auftreffpunkt bestimmen. Was die Probanden nicht wussten: Die Forscher manipulierten die Lautstärke der Stöhn-Geräusche, die die Schläge begleiteten.

Stöhnen bringt mehrere Vorteile

Die Auswertung ergab: Je lauter das Stöhnen war, desto länger stuften die Testpersonen die Flugbahn des Balls ein. Diese Reaktion konnte selbst dann noch beobachtet werden, wenn die Laute - wie in vielen Profi-Spielen üblich - erst nach dem Ballkontakt ausgestoßen wurden. Die Studie zeigte auch: Die Spieler ließen sich durch das Gestöhne der Konkurrenz kaum ablenken. Der vermeintlichen Irritation zum Trotz sagten sie den tatsächlichen Ankunftsort des Balls im Schnitt treffsicher voraus.

Für die Spieler ergeben sich überdies mehrere Vorteile, wenn sie stöhnen. Zum einen hat das Schreien einen psychologischen Nutzen, denn es stärkt das Selbstbewusstsein und soll laut Sportpsychologie die Konzentration bündeln. Zum anderen werden durch das Stöhnen Kräfte freigesetzt, die zu härteren Schlägen und höheren Ballgeschwindigkeiten führen. Nicht umsonst nutzte Profi-Spielerin Monica Seles als eine der ersten das Geschrei auf dem Platz. Ihr Sportpsychologe hatte ihr geraten, bei jedem Schlag kraftvoll über den Bauch auszuatmen. Allerdings würde dieses Ausatmen auch leise funktionieren. Es ist also nicht auszuschließen, dass bei dem einen oder anderen Spieler die Show auf dem Court eine tragende Rolle spielt und sie deswegen fast ohrenbetäubend aufstöhnen.

Quelle: n-tv.de

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