Frage & Antwort

Wenn Kinder im Essen rumpicken Wie sollen Eltern auf Mäkelei reagieren?

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Wenn Kinder lustlos im Essen stochern, kann das Eltern rasend machen.

(Foto: imago images/photothek)

Iiih, Gemüse! Manche Eltern macht die Mäkelei ihrer Kinder rasend. Andere sorgen sich, ob die Kleinen genug Nährstoffe bekommen. Wie man mit wählerischen Kindern am Tisch umgeht, erzählt ein zehnfacher Vater. Er rät zu Gelassenheit und Sensibilität.

Gemeinsame Mahlzeiten sind vor allem für Familien mit Kindern viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Da geht es auch um Austausch, Aufmerksamkeit und sogar um Macht. Dennoch sind viele Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder verunsichert. Vor allem bei mäkelnden Kindern ist die Angst groß, dass die Heranwachsenden einen Nährstoffmangel bekommen, sich zu untergewichtigen oder sogar essgestörten Kindern entwickeln könnten. Wie man mit solchen Herausforderungen am Tisch umgeht, erzählt Oliver Hauschke ntv.de. Der ehemalige ehemalige Schulleiter ist Autor und Vater von zehn Kindern.

"Bei uns gilt der Grundsatz: Alles wird erst einmal gekostet, bevor darüber entschieden wird, ob es gegessen wird oder nicht", erzählt Hauschke aus seinen Familienalltag. Etwas abzulehnen, weil es komisch aussieht oder weil es die ältere Schwester nicht mag, reiche in der Großfamilie nicht aus, so Hauschke. Dennoch hoffen die Eltern, genug Sensibilität für die kulinarischen Vorlieben und Wünsche ihrer Kinder zu haben. Auch Mäkeln ist durchaus erlaubt. "Eine meiner Töchter sucht aus jeder Speise die sauren Gürkchen heraus", berichtet Hauschke. Eine andere mag keinen überbackenen Käse. Dann achten die Eltern darauf, dass sie die anderen Dinge eines überbackenen Gerichts bekommt. "Ansonsten schiebt sie den Käse einfach beiseite." Jedes Kind hat Vorlieben und jedes Kind mäkelt irgendwann. Zur täglichen gemeinsamen Mahlzeit werde dennoch nur ein Gericht gekocht. Und da ist eigentlich immer etwas für jeden dabei. Dass ein Kind die komplette Mahlzeit ablehnt, kommt selten vor. Sollte das aber doch einmal der Fall sein, darf es auch ein geschmiertes Brot essen.

Balanceakt für Eltern

Wovon der Vater von zehn Kindern spricht, ist das tägliche Spannungsfeld, in dem sich alle Eltern befinden. Es geht darum, die Balance zu finden, zwischen einem guten Kontakt zum Kind und der inneren Gelassenheit zum unerwarteten Verhalten von Kindern - auch beim Rummäkeln. Gerade wenn die frisch gekochte Mahlzeit oder der aufwendig dekorierte Abendbrotteller von den eigenen Kindern abgelehnt wird, sollte man das als Eltern und Großeltern nicht persönlich nehmen oder sogar gekränkt sein. Manche Kinder testen nämlich hin und wieder aus, wie weit sie mit Mäkeln oder strikter Ablehnung von Essen bei ihren Eltern kommen. Nur wer solchen Machtkämpfen mit Gelassenheit entgegentritt, kann seine Kinder entwaffnen. Gleichzeitig kommt man nicht in die Verlegenheit, doch noch mal den guten alten Satz "Was auf dem Teller liegt, wird auch gegessen" zu bemühen. Aufessen war als Maßgabe zu allen Zeiten kontraproduktiv. Es ist nicht schlimm, wenn ein Kind mal eine Mahlzeit ganz ausfallen lässt oder mehrere Tage lang nur Gurke isst. Der Körper reguliert das.

Da sich auch der Geschmack im Laufe eines Lebens und vor allem häufig in Kinderjahren ändert, sollten Mütter und Väter auch bei der Wahl der Nahrung für ihren Nachwuchs kreativ bleiben. Es geht darum, immer wieder neue, auch unbekannte Dinge anzubieten. Kinder können zudem beim Einkauf, bei der Wahl der Speisen und bei der Zubereitung einbezogen werden. Vor allem für mäkelnde Mädchen und Jungen lohnt es sich, einen wöchentlichen Lieblings- oder Wunschessenstag zu etablieren.

Eltern sind Vorbilder

Und wie in anderen Bereichen sind Kinder auch beim Essen Nachahmer. Eltern können also durch ihr eigenes Essverhalten Vorbilder sein. Am besten ist es, wenn sie ohne Druck vermitteln können, wie man genießt. Der Zwang zum Essen erzeugt jedoch die gegensätzliche Wirkung. Das bestätigen Wissenschaftler mit der aktuellen Veröffentlichung zu einer Untersuchung. Je mehr Eltern versuchten, das Essverhalten ihrer Kinder zu kontrollieren, desto wählerischer könnten diese werden, sagte die Verhaltenswissenschaftlerin und Studienleiterin Megan Pesch von der University of Michigan zu ihren Ergebnissen.

Die pingeligsten Esser in der Studie seien dem größten Druck der Eltern ausgesetzt gewesen. "Wir haben herausgefunden, dass die Kinder, die sehr mäkelig essen, Mütter haben, die selbst von häufigen Restriktionen in Hinblick auf ungesundes Essen und Süßigkeiten berichtet haben. Diese Mütter versuchen, die Vorlieben ihrer Kinder zu gesünderer Ernährung zu verschieben. Aber das erzeugt nicht immer den gewünschten Effekt", schlussfolgert Pesch, die das Essverhalten von Kindern im Alter von vier bis neun Jahren über vier Jahre hinweg erforscht hat.

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Eltern, die dennoch immer wieder in die Reglementierungsfalle tappen, können sich beruhigen. Durch das Mäkeln werden auch eigene Entscheidungen getroffen, das wiederum ist ein wichtiger Bestandteil zur Persönlichkeitsentwicklung. Mäkelnde Kinder haben im Vergleich zu Kindern, die weniger wählerisch bei ihren Speisen sind, zudem ein geringeres Risiko, im Erwachsenenalter Übergewicht zu bekommen.

Übrigens: Ob ein Kind zu dünn ist oder ein Mangel an Nährstoffen vorliegt, können besorgte Eltern zusammen mit dem Kinderarzt klären. Bei allen Früherkennungsuntersuchungen, den sogenannten U1 bis U9 und der J1, werden die Körpergröße, das Gewicht und der allgemeine Entwicklungszustand kontrolliert, dokumentiert und mit einer standardisierten Tabelle abgeglichen. Eine Messung ist aber jederzeit möglich.

Quelle: ntv.de