Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 556 Wie tief kann Plastik in Ozeanen sinken?

1-s2.0-S0308597X17305195-gr2_lrg.jpg

Das Bild vom 20. Mai 1998 zeigt im Marianengraben in 10898 Metern tiefe die Plastiktüte.

(Foto: JAMSTEC Deep-sea Debris Database)

Plastikmüll findet man mittlerweile in fast allen Regionen auf der Welt. Vor allem auf Meeren bilden sich riesige Inseln daraus. Aber wie sieht es auf dem Meeresboden aus?

Riesige Inseln von Plastikmüll treiben auf den Ozeanen. Solche Bilder könnten schnell zu der Meinung führen, dass Tüten, Flaschen und andere Einwegartikel im Salzwasser gar nicht untergehen. Doch das ist falsch. Plastikmüll als Ganzes oder als Mikroteilchen lässt sich mittlerweile überall in den Meeren nachweisen. Sogar am tiefsten Punkt der Weltmeere, dem Marianengraben im Pazifischen Ozean haben japanische Forscher die Hinterlassenschaften der Menschen nachgewiesen.

Knapp 11.000 Meter tief, dort wohin bisher nur drei Menschen in Tauchbooten vorstießen, entdeckten Forscher auf eine Plastiktüte. Die Entdeckung machten die Wissenschaftler nicht selbst in der Tiefsee, sondern bei der Auswertung von Bildmaterial. Das Bild mit der Tüte auf dem Meeresgrund stammt bereits von 1998. Es handelt sich dabei um eine Einwegverpackung, wie man sie in jedem Laden bekommt.

Die Bilder, die zur Erhebung der Daten herangezogen worden, stammen aus der sogenannten Deep-Sea Debris Database der Japanischen Agentur für Meereswissenschaften und –technologie, kurz JAMSTEC. Es wurden Fotos und Videos zusammengetragen, die bei mehr als 5000 Tauchgängen mit Robotern und U-Booten im Zeitraum von 30 Jahren vom Boden der Tiefsee aufgenommen worden sind. Die Bildersammlung wurde erst vor kurzem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Tatsächlich hat Einwegplastik im Wasser einen relativ hohen Auftrieb, so dass es zunächst relativ weit oben schwimmt. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass dieser Müll von Küstenregionen aus über Meeresströmungen und andere physikalische Mechanismen große Strecken zurücklegt. Irgendwann sinkt er doch ab und legt sich schließlich am Tiefseeboden ab. Dort sammelt sich dann immer mehr davon an.

Große Plastikteile sinken tief

Die Entdeckung der Plastiktüte in genau 10.898 Metern Tiefe stellt einen traurigen Rekord dar. Die Herkunft der Tüte ist unbekannt. Sie hat dennoch einen langen Weg zurückgelegt, um schließlich am tiefsten Punkt der Weltmeere zu stranden. Doch es handelt sich hierbei um kein verirrtes Einzelstück. Die Einwegtüte ist vielmehr der Beweis dafür, dass Plastikmüll mittlerweile überall im Meer nachweisbar ist. Das bestätigt auch die Meeresbiologin Melanie Bergmann im Gespräch mit n-tv.de: "Wenn wir Regionen haben, die vermeintlich frei von Müll sind, heißt das einfach nur, dass dort noch nicht gemessen wurde."

Bei der Analyse der Bilder stellten die Wissenschaftler fest, dass der Großteil des Mülls am Meeresboden aus Plastik besteht. Anderer Müll war aus Gummi, Metall, Holz und Stoff. Vom gesamten Plastikmüll konnten ganze 89 Prozent als Einwegplastik, also Wasserflaschen oder Einmalgeschirr, identifiziert werden. Die Forscher sahen zudem, dass auf 17 Prozent der Bilder Plastikmüll auf Lebewesen in der Tiefsee trifft. Sie konnten unter anderem Tiere sehen, die sich im Müll verfangen hatten.

Die Bilder belegen, dass unterhalb von 6000 Metern vor allem große Plastikteile, wie komplette Flaschen, Einkaufstüten und andere Gebrauchsgegenstände sinken. Rund 50 Prozent der fotografierten Plastikteile in der Tiefsee können dem Makroplastik zugeordnet werden. In flacheren Meeren macht dieses aber nur ein Drittel des gesamten Mülls aus.

Tiefseegräben sind wie Auffangbecken

Tiefseegräben, wie beispielsweise der Marianengraben scheinen für die Ansammlung menschlicher Müllreste und Gifte besonders geeignet zu sein. Britische Forscher, die von einem U-Boot-Roboter aus Krebse im Marianengraben einfingen und untersuchten, stellten fest, dass diese 50-mal mehr mit giftigen Chemikalien kontaminiert waren, als Krebse, die in stark verschmutzen Flüssen in China überlebten.

Es könnte sein, dass der Abbau von Chemikalien und der Zerfall von Plastikresten aufgrund von absoluter Dunkelheit, niedrigen Temperaturen und fehlenden Wellenbewegungen noch langsamer erfolgt, als in anderen Meeresregionen. Die Vorstellung von einem vom Menschen unberührtem dunklen, geheimnisvollem Bereich in den Tiefen der Meere muss mit diesen Forschungsergebnissen ad acta gelegt werden. Es handelt sich vielmehr um eine dunkle und quasi unsichtbare Müllkippe im Meer, wie die Bilder von Deep-Sea Debris Database sichtbar zu machen.

Übrigens: Ob die "Rekordplastiktüte" beziehungsweise wie viel von ihr noch immer in 10.898 Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegt, können die Forscher nicht sagen. Wahrscheinlich gibt es schon neuen, noch tiefer liegende Plastikmüll, den nur noch kein Tauchroboter aufgespürt hat.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema