Riekes Rückspiegel

Was war am 25. Oktober? Als Udo Lindenberg die DDR-Spitze düpierte

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Hallolöchen, Hallo: Udo Lindenberg trällert am 25. Oktober 1983 in der DDR.

(Foto: imago/Ulli Winkler)

Mehrmals bemüht sich Udo Lindenberg vergeblich um eine Auftrittsgenehmigung in der DDR. Der Sänger rächt sich mit dem Hit "Sonderzug nach Pankow" und darf dann doch in Ost-Berlin auftreten. Dabei entsetzt der Panikrocker die DDR-Führung abermals.

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Wussten Sie, dass … ein damals 39-jähriger Musiker heute vor 36 Jahren seinen wohl größten Coup gelandet hat? Am 25. Oktober 1983 tritt Udo Lindenberg im Ost-Berliner Palast der Republik auf - und tanzt der DDR-Führung um Erich Honecker auf der Nase herum.

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Auch wenn Lindenbergs Show in dem prestigeträchtigen Kulturbau nur 15 Minuten dauert, ist sie historisch nicht minder bedeutsam. Nachdem der Panikrocker sich mehrmals vergeblich um eine Auftrittsgenehmigung in der DDR bemüht hatte, rächte sich der Sänger öffentlichkeitswirksam mit dem Hit "Sonderzug nach Pankow". In dem Lied bekräftigt "der kleine Udo" sein Anliegen und trällert dem DDR-"Oberindianer" Erich Honecker entgegen: "Ey, Honey, ich sing' für wenig Money im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst". Mehr noch: Dem Staatsratsvorsitzenden unterstellt er unter anderem, heimlich auf dem Klo Westradio zu hören. Ein Affront gegen Honecker und die DDR-Spitze.

Doch auch auf offiziellem Weg bemühte sich Lindenberg weiter um Konzerte in der DDR. In einem an Honecker adressierten Brief, den die Stasi archiviert und der heute im Internet einsehbar ist, betont Lindenberg: "Mein Wunsch in diesem Lied, im Palast der Republik auftreten zu wollen, ist ernst gemeint."Dann erweist sich Honecker in der Causa Lindenberg doch nicht als "so ein sturer Schrat", wie es in "Sonderzug nach Pankow" heißt, und lädt den frechen Sänger und sein "Panik-Orchester" mutmaßlich zähneknirschend nach Ost-Berlin ein.

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Tanzte wieder mal aus der Reihe: Lindenberg bei seinem Auftritt im Palast der Republik.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vor handverlesenem FDJ-Publikum und SED-Funktionären rockt Lindenberg am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik - den "Sonderzug" gibt er wie abgesprochen nicht zum Besten. Doch als er vor den 4200 Zuschauern die geplante Stationierung sowjetischer Raketen in der DDR moniert, wird der persönliche Kalte Krieg wieder aufgenommen: "Infolge dessen wurden mit Lindenberg begonnene Gespräche seitens der FDJ über spätere weitere Auftrittsmöglichkeiten des Lindenberg in der DDR storniert", heißt es in Lindenbergs Stasi-Akte. Dass der Sänger bei dem Auftritt auch die Stationierung von Atomraketen im Westen anprangert - schließlich heißt die Veranstaltung "Für den Frieden der Welt" und richtet sich gegen den Raketenbeschluss der Nato -, ignoriert der Bericht geflissentlich.

Die versprochene Tournee ist futsch und Lindenberg darf erst im Januar 1990 seine Konzerte in der dann ausgeknockten DDR geben. Zu diesem Zeitpunkt ist Honecker längst nicht mehr an der Macht und die Mauer gefallen.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de