Aktien, Anleihen, GoldWohin mit 25.000 Euro im September?

Die USA feiern eine regelrechte Schuldenorgie. Im August stiegen die Staatsschulden erstmals in der Geschichte auf mehr als 40 Billionen Dollar - das entspricht einer 4 mit 13 Nullen. Was dies für Anleger bedeutet, lesen Sie hier.
Als der Schuldenberg Washingtons Mitte August einen neuen Rekordwert erreichte, reagierten die Rentenmärkte unmittelbar. Die Zinsen langlaufender US-Staatsanleihen stiegen ebenfalls und erreichten den höchsten Stand seit der Finanzkrise der Jahre 2007/08. Die Amerikaner häufen nicht nur immer mehr Schulden an, sie tun dies auch noch bei einem deutlich höheren Zinsniveau.
Während der Niedrigzinsphase stellte der wachsende Schuldenberg der USA kein Problem dar. Der Staat konnte sich praktisch kostenlos von Investoren Geld leihen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. US-Finanzminister Scott Bessent muss inzwischen 4,8 Prozent Zinsen für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zahlen, damit sie überhaupt jemand abnimmt. Bessent gibt mittlerweile mehr Geld für Zinszahlungen aus als für das Pentagon - und die Amerikaner haben das mit Abstand höchste Militärbudget der Welt.
Und ein Ende der Schuldenorgie ist nicht in Sicht. Rund 10 der insgesamt 40 Billionen Dollar Verbindlichkeiten gehen auf das Konto von US-Präsident Donald Trump. Und er hat noch fast zweieinhalb Jahre Amtszeit vor sich. Ein Weg aus der Schuldenfalle wäre, weniger auszugeben als einzunehmen, also zu sparen. Doch dazu ist Trump nicht bereit.
Noch mehr Geld fürs Pentagon
Vielmehr plant er, den Rüstungsetat im kommenden Jahr um 250 Milliarden Dollar auf dann 1,15 Billionen Dollar zu erhöhen. Das entspricht einem Plus von rund 25 Prozent. Kein Wunder, denn der Krieg gegen den Iran hat die Depots der U.S. Army umfangreich geleert. Und Waffen wie die Flugabwehrraketen Patriot sind teuer. Das US-Repräsentantenhaus hat den erhöhten Verteidigungsausgaben bereits zugestimmt.
Eine andere Möglichkeit, den Schuldenberg abzubauen, wäre es, die Einnahmen, also die Steuern, zu erhöhen. Doch auch das ist mit Trump nicht zu machen. Vielmehr hat er im vergangenen Jahr mit dem "One Big Beautiful Bill" umfangreiche Steuersenkungen beschlossen. Die Folge war, dass sich die Schulden Washingtons im Jahr 2025 um circa drei Billionen Dollar erhöht haben.
Angesichts der anhaltend hohen Inflation müsste die amerikanische Notenbank Fed eigentlich die Zinsen erhöhen. Zuletzt sind die Verbraucherpreise in den USA um 3,4 Prozent gestiegen, was vor allem auf die höheren Kosten für Energie zurückzuführen ist. Seit rund fünf Jahren liegt die Teuerungsrate nun schon über dem von der Fed angepeilten Ziel von zwei Prozent. Auf dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole kündigte Fed-Chef Kevin Warsh denn auch an, die Inflation entschieden zu bekämpfen.
Notenbank in der Zwickmühle
Der robuste Arbeitsmarkt würde es der Fed ermöglichen, eine restriktivere Geldpolitik zu verfolgen. Im August sind außerhalb der Landwirtschaft 162.000 neue Stellen entstanden. Die regelmäßig befragten Volkswirte hatten lediglich mit 56.000 neuen Jobs gerechnet. Im Gegensatz zur EZB ist die amerikanische Notenbank nicht nur der Preisstabilität, sondern auch der Vollbeschäftigung verpflichtet. Trump wird sie jedoch dazu drängen, die Zinsen nicht zu erhöhen, sondern zu senken. Da sich dies allerdings nur auf die kurzfristigen Zinsen auswirken würde, wird Trump vermutlich auch Druck ausüben, damit die Fed langlaufende Staatsanleihen kauft, um auch hier für ein niedrigeres Zinsniveau zu sorgen. Es ist also damit zu rechnen, dass sich die Finanzmärkte in einem Umfeld mit einer vergleichsweise hohen Inflation und niedrigen realen Zinsen bewegen.
Das bedeutet, dass die Zinsen nur wenig höher als die Inflation liegen. Vorausgesetzt, die Wirtschaft wächst spürbar weiter, könnten die USA über die Zeit tatsächlich ihre reale Schuldenlast abtragen. Angesichts dieser Rahmenbedingungen sind Sachwerte, insbesondere Aktien, für Anleger nach wie vor die beste Wahl, um die Kaufkraft ihres Vermögens zu erhalten. Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen können inflationsbedingt gestiegene Kosten ganz oder zumindest teilweise über höhere Preise an ihre Kundenweiterreichen. Auch Gold gilt traditionell als wirksamer Schutz gegen Inflation, da das weltweite Angebot nur sehr langsam wächst.
Die 25.000-Euro-Frage
Bei einer geplanten Investition von beispielsweise 25.000 Euro ist folgende Aufteilung auf die verschiedenen Vermögensklassen empfehlenswert: Rund 45 Prozent sollten auf Aktien entfallen. Sie bieten den geschilderten Schutz vor dem Verlust der Kaufkraft. Außerdem sprechen die zuletzt stark gestiegenen Unternehmensgewinne für Aktien. Vor allem in den USA haben die börsennotierten Gesellschaften im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als noch vor einem Jahr. Deshalb sollte gut die Hälfte der Aktienquote auf amerikanische Unternehmen entfallen. Der übrige Teil sollte weltweit über die Aktienbörsen in Europa, Japan und den Schwellenländern gestreut werden.
Auch Gold ist als stabiler Sachwert ein wichtiger Bestandteil des Depots. Die hohe Nachfrage von Investoren und Notenbanken sorgt hier für Kurspotenzial. Ein Anteil von fünf Prozent des Edelmetalls scheint in jedem Fall angemessen. Staats- und Unternehmensanleihen sollten ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Diese bieten wieder substanzielle Zinsen und stabilisieren ein Portfolio. Sie sollten ähnlich hoch gewichtet werden wie Aktien, also mit rund 45 Prozent. Zudem ist es ratsam, einen Teil des Kapitals in Barmittel anzulegen, um bei möglicherweise niedrigeren Kursen preiswerter nachkaufen zu können.
Reinhard Pfingsten arbeitet seit September 2023 als Chief Investment Officer bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Diese Funktion übte der studierte Mathematiker bereits zuvor bei der Bethmann Bank und Hauck & Aufhäuser Privatbankiers aus.
Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Deutschen Apotheker- und Ärztebank dar.