Fußball

So läuft der 14. Spieltag FC Bayern jagt, Ismaël gibt auf, BVB glänzt

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So, und jetzt Leipzig überholen: Arjen Robben und Robert Lewandowski.

(Foto: imago/Michael Weber)

In Leipzig wollen sie vor dem 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga nicht über Schwalben reden, der FC Bayern lädt zum Schützenfest ein, die Dortmunder sind "ein Geschenk für die Augen". Und die Hertha, klar, ist super.

Was macht RB Leipzig?

Ralph Hasenhüttl freut sich auf das Date mit dem Ex, einerseits: "Ich habe viel Gutes zum Abschied gehört." Andererseits "wird es auch Leute geben, die meinen Schritt nach wie vor nicht verstehen können", sagte der Trainer der Rasenballsportler der "Sport-Bild". Seit dem Sommer ist er in Leipzig und hat die Mannschaft als Aufsteiger an die Spitze der Fußball-Bundesliga geführt. Zuvor hatte er drei Jahre lang den FC Ingolstadt trainiert, hatte den Klub in seinem zweiten Jahr in die erste Liga geführt und im dritten dafür gesorgt, dass er dort bleibt. An diesem Samstag nun (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), am 14. Spieltag, steht im Audi-Sportpark das Wiedersehen an.

Hasenhüttl sagt: Es wird etwas Besonderes sein, in die Gästekabine zu gehen. Einfach, weil es so viele schöne Erinnerungen an meine Zeit dort gibt." Ansonsten sei es so: Bei seinem Ex-Klub zu gewinnen, sei "ein dickes Brett, das man da bohren muss". Aber natürlich treten die bisher ungeschlagenen Leipziger an, um auch diese Partie zu gewinnen. Es wäre der elfte Erfolg in dieser Saison. Der jüngste, das 2:1 gegen den FC Schalke 04 stand allerdings im Schatten der Debatte darüber, dass sich Timo Werner kurz nach dem Anpfiff einen Elfmeter ergaunert hatte, nach dem Spiel verbal herumeierte, erst am Tag danach zugab, dass es eine Schwalbe war - und Sportdirektor Ralf Rangnick dennoch darauf bestand, dass es keine gewesen sei, bevor er es am Dienstag dann doch eingestand. Der DFB jedenfalls sperrte Werner nachträglich nicht, und Hasenhüttl meint, dass Thema sei doch jetzt bitteschön durch: "Es ist alles dazu gesagt. Das war die ganze Woche über kein Thema bei uns. Timo Werner ist bestimmt kein Spieler, der Schwalben mit Absicht produziert. Vielleicht schaut man jetzt genauer bei ihm hin. Aber er muss fokussiert bleiben." Und eins wollte der Trainer noch klarstellen: "Die Punkte, die wir bislang erreicht haben, haben wir nicht durch Fehlentscheidungen erreicht." Womit er nicht völlig Unrecht hat - auch wenn das nicht den Kern der Debatte trifft.

Was ist denn bloß mit dem FC Bayern los?

Nach dem Sieg in der Champions League gegen ein nicht gerade überambitioniertes Atlético Madrid am Mittwoch haben sie in München nahezu unisono davon gesprochen, dass dieser sportlich bedeutungslose Sieg ganz prima fürs Selbstbewusstsein sei. Allen voran Trainer Carlo Ancelotti. Nun will sich der FC Bayern ganz darauf konzentrieren, in den drei Partien bis Weihnachten den Spitzenreiter aus Leipzig zu überholen, der drei Tage vor Heiligabend in München gastiert. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, zu erahnen, dass der VfL Wolfsburg das am Samstag zu spüren bekommt. Und es spricht viel dafür, dass es ein ähnliches Debakel gibt wie vor gut einem Jahr. Am 22. September 2015 gingen die Wolfsburger in München zwar in Führung, doch dann brauchte Robert Lewandowski nach der Pause acht Minuten und fünf Sekunden, um fünf Tore zu erzielen, ein Ereignis von historischer Dimension.

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Trifft, wie er will: Robert Lewandowski.

(Foto: imago/Michael Weber)

Damals galt der VfL als Bundesligazweiter des Vorjahres und Pokalsieger noch als Konkurrent des FC Bayern - tempora mutantur. Und dieser Lewandowski ist ja nicht schlechter geworden, neuerdings schießt er auch die Freistöße - und traf gegen Mainz und Madrid. Man stelle sich nur vor, was geschieht, wann Thomas Müller auch einmal wieder trifft. Bisher läuft es nicht ganz so rund. 25 Mal hat er in dieser Bundesligasaison den Ball auf das Tor des Gegners geschossen oder geköpft - und doch kein einziges Tor erzielt. Ähnlich glücklos ist da nur sein Mitweltmeister Julian Draxler, der 24 Versuche benötigte, um nicht zu treffen. Überhaupt sieht es nicht gut für ihn aus, Wolfsburger Zeitungen spekulierten schon, Draxler würde nie wieder für den Klub spielen. "Ich möchte auf die Diskussion nicht eingehen. Es geht um den Verein, der steht über allem", sagte Trainer Valérien Ismaël. Der hatte erst Mitte Oktober Dieter Hecking abgelöst, aus sechs Partien vier Punkte geholt – und steht nun selbst zur Disposition. Angeblich steht der Verein in Kontakt mit Bruno Labbadia und dem Portugiesen Paulo Sousa. Und was Ismaël vor dem Gastspiel in München sagte, klang dann fast wie eine bedingungslose Kapitulation: "Keiner erwartet etwas von uns. Die Messlatte ist unten. Das kann auch ein Vorteil sein."

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Wer sich nach einem 0:2-Rückstand gegen Real Madrid in der Champions League noch ein Remis verdient, der kann nicht auf zwei faulen Füßen stehen. Tun sie beim BVB auch nicht und taten sie ja auch nie. Zumindest nicht in der jüngeren Vergangenheit. Es sei doch reichlich dick aufgetragen gewesen, diese niederschmetternde Kritik nach einer (!) Niederlage in Frankfurt in der vorvergangenen Woche, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Nun, vielleicht. Aber losgetreten haben die schwarzgelbe Vernichtungswelle ja nicht die Medien, sondern der Trainer der Borussia, Thomas Tuchel.

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Ein Augenschmaus: der BVB in Madrid.

(Foto: imago/MIS)

Der hingegen dürfe das, befand Watzke. Als Einziger. Gut, erledigt. Diese Woche gibt's ja auch wirklich nichts zu meckern: Erst die Namenscousine aus Gladbach weggebügelt (4:0), dann Madrid beeindruckt. Und dort, ganz anders als in Deutschland, auch die Journalisten. "Diese Borussia ist ein Geschenk für die Augen", schwärmte die "AS". Nach so viel Verbal-Wellness richtet sich der Blick wieder auf die Bundesliga, auf den Samstag (ab 15.30 im Liveticker bei n-tv.de), dann geht's nach Köln, zum Effzeh. Der hatte sich von seinen Fans am 16. September nach einem 3:0-Erfolg über den SC Freiburg nach 7329 entbehrungsreichen Tagen für eine Nacht nach der Blitztabellenlogik als Spitzenreiter feiern lassen. Wiederum 84 Tage später hat sich die Meistereuphorie gelegt, elf Punkte Rückstand auf Leipzig, eine 0:4-Klatsche in Hoffenheim zuletzt und Platz sieben taugen nicht mehr für Wolke sieben. Aber: Allet jot! Denn: Der Effzeh" kann ja immer und überall alles schaffen. So sieht's zumindest Trainer Peter Stöger. Selbst gegen den wiedererstarkten, Pardon, konstant starken BVB. "Wir können immer wieder retour kommen, können immer etwas Besonderes machen." So wie gegen die TSG? Ach ne, das war ja nur ein (!) Spiel. Haben wir ja gerade erst vom BVB gelernt, dass das nichts bedeutet.

Wo wird's brisant?

Treffen sich zwei Mannschaften, die das Publikum bisher überrascht haben. Sagt der eine Trainer: "Wir haben uns dieses Spitzenspiel erarbeitet." Und der andere sagt: "Das Potenzial ist groß, und wir werden mit vollem Engagement daran arbeiten, dass sich der Klub entwickeln kann." Es sprachen: Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim und Niko Kovac von der Frankfurter Eintracht. Wir sehen: Beide sind mit sich, ihren Mannschaften und der Welt zufrieden. Und ein Spitzenspiel ist es in der Tat, schließlich treffen an diesem Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Waldstadion der Tabellenfünfte und der immer noch ungeschlagene Tabellenvierte aus Hoffenheim aufeinander. In Frankfurt sind sie sogar so zufrieden, dass sie den bis zum Saisonende laufenden Vertrag mit Kovac flugs um zwei Jahre verlängert haben, nachdem der die Mannschaft in der vergangenen Saison erfolgreich in die Abstiegsrelegation und ebenso erfolgreich durch sie hindurch geführt hatte. Und in Hoffenheim träumen sie jetzt gar vom Europapokal, wenn auch nur heimlich. "Mit dieser Serie habe ich natürlich nicht geplant. Dass wir guten Fußball spielen, überrascht mich aber weniger", sagte Nagelsmann: "Das war mein Anspruch. Da steckt viel harte Arbeit drin - von der Mannschaft, mir und meinem Team." Fakt ist: In der Historie der Liga haben es alle Klubs, die nach 13 Spieltagen unbesiegt waren, nach Europa geschafft.

Wo wird's kuschelig?

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"Beschissene Bundesligasaison": Max Eberl.

(Foto: imago/MIS)

In Mönchengladbach. Kleiner Scherz. Zwar kuschelten sich die Fohlen nach der 0:4-Pleite beim FC Barcelona und dem Abschied aus der Königsklasse ganz eng aneinander, aber wohl auch nur, weil der FC Barcelona daheim ja eh eigentlich nicht zu schlagen ist und es deswegen ja auch kein Druck gibt, jetzt das Krisen-Fass zu öffnen. Dabei hatten sie vermutlich ganz vergessen, dass der Fassdeckel schon seit ein paar Wochen ein kleines bisschen zur Seite geschoben war. Nur einer nicht: Sportdirektor Max Eberl, der fordert endlich Schluss mit dem Gewurscht'l: "Wir haben eine beschissene Bundesligasaison gespielt, und trotzdem spielen wir am Sonntag gegen Mainz. Da versuchen wir, es besser zu machen. Die Qualität muss jetzt sein, die Leistung wieder abzurufen." Dass mit der Qualität, der Leistung und dem Abrufen kennen sie auch in Mainz. Ganz anders als Konstanz. In der Liga als Zehnter so lala unterwegs, in der Europaliga und im DFB-Pokal raus. Das macht in der Gesamtbetrachtung der Saison ein tüchtiges "Puuuuh" mit viel Luft nach oben. Also machen Sie es sich kuschelig, wird spannend!

Was ist sonst noch so los?

In Hamburg haben sie nun dementiert, dass Investor Klaus-Michael Kühne mit Heribert Bruchhagen gesprochen habe, um ihn als Nachfolger des Klubchefs Dietmar Beiersdorfer anzuheuern. "Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu Personalien, aber diese Information ist völlig falsch", sagte Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt. Wir behalten das im Auge, ebenso die Partie des HSV am Samstagnachmittag gegen den FC Augsburg. Derweil hat Freiburgs Trainer Christian Streich vor dem Spiel gegen den SV Darmstadt 98 sich sehr eindrücklich für mehr Zivilcourage im Umgang mit Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen. "Jetzt kommt es darauf an, wie diese Gemeinschaft in diesem Land auftreten wird. Was auch gesellschaftlich toleriert wird." Es gehe nun darum, "ob die Mehrzahl der Bevölkerung sich dem widersetzt und auch aktiv dagegen vorgeht", sagte er. "Wer das nicht tut und sich da nicht klar bekennt, der trägt eine Mitverantwortung, wenn es in die andere Richtung geht. Das ist klar, da gibt es keine Ausflucht. Das ist so." Nach diesem klugen Worten fällt uns keine passende Überleitung zur Begegnung des FC Schalke 04 gegen Bayer 04 Leverkusen ein. Sie findet zum Abschluss dieses 14. Spieltags am Sonntag ab 17.30 Uhr in Gelsenkirchen statt.

Der n-tv.de-Geheimtipp des Spieltags

Die Hertha ist super unterwegs, Bremen nicht. Die Hertha träumt von der Champions League, die Bremer vom Klassenerhalt. Prima Voraussetzungen für ein tolles Fußballspiel. Das sieht auch Berlins Trainer Pal Dardai so. Er sagt: "Man darf sich von der Tabellensituation nicht blenden lassen. Werder hat sehr starke und schnelle Stürmer. Es wird schwierig." Weil's sich lohnt, nehmen wir die Sätze des Ungarn etwas genauer unter die Lupe. Also:

  • "Man darf sich von der Tabellensituation nicht blenden lassen." Unterschreiben wir so, denn die Hertha spielt vielleicht ein bisschen über ihren Möglichkeiten (was schön ist) und Bremen deutlich darunter (was nicht so schön ist).
  • "Werder hat sehr starke und schnelle Stürmer." Nun, hier müssen wir einschreiten. Beim SVW stürmt Claudia Pizarro, der ist stark aber nicht schnell. Außerdem läuft in der Spitze noch Max Kruse rum. Der ist mittlerweile zwar auch stark, das aber vor allem am Bauch. So zumindest wirkte es zuletzt. Alles Quatsch, sagt allerdings Geschäftsführer Frank Baumann, der "Bild"-Zeitung, den Kollegen war das nämlich auch aufgefallen: "Es gab oder gibt kein Gewichtsproblem. Max hat sein normales Gewicht."
  • Nun ja, dann halten wir fest: "Es wird schwierig." Wird wohl stimmen. Schauen wir's uns an.

Quelle: ntv.de