Fußball

So läuft der 7. Bundesliga-Spieltag Reus scherzt, Hertha stichelt, Kroos kassiert

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"Bro, ich hab noch n paar Bücher für dein Regal!": Marco Reus.

(Foto: imago/DeFodi)

Beim FC Bayern dürften sie sich fragen, ob es eine so grandiose Idee war, Toni Kroos ziehen zu lassen. Beim BVB foppt Marco Reus den Kollegen André Schürrle. Und in Leipzig planen sie Großes. Der siebte Spieltag der Fußball-Bundesliga.

Was macht der FC Bayern?

Wie war das noch mal? Nach den ansprechenden Siegen der deutschen Fußball-Nationalelf, also nach dem 3:0 gegen Tschechien und dem 2:0 gegen Nordirland, haben wir ein wenig aus den Augen verloren, wie es dem FC Bayern geht. Ach ja, die Münchner sind ja in der Krise. Vor der Länderspielpause hatten sie ihre Partie in der Champions League bei Atlético Madrid verloren und in der Bundesliga daheim gegen den 1. FC Köln nur unentschieden gespielt. Nun, am siebten Spieltag, geht's am Samstagnachmittag nach Frankfurt zur Eintracht; und am Mittwoch drauf dann in der Champions League gegen den PSV Eindhoven. Wie ist also die Stimmung?

Trainer Carlo Ancelotti hat in dieser Woche mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" gesprochen und seine Spieler ermahnt, sich doch bitte ein wenig anzustrengen. "Ich bin nicht besorgt", sagte er, "doch wir müssen auf den Neustart achten." Ansonsten hat er sich in München gut eingelebt. Auf die Frage der Zeitung, was denn das Klubmotto "Mia san mia" bedeute, antwortete der Trainer einigermaßen sicher: "Ich bin, wer ich bin ... nein, einen Moment: Wir sind wir." Ob Franck Ribéry weiß, wer er ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Dem französischen Flügelflitzer jedenfalls fällt es bisweilen schwer, auf dem Rasen die Contenance zu wahren. Sei aber nicht seine Schuld, argumentierte er nun im Gespräch mit der "Sportbild". Schließlich werde er in dieser Saison "so viel getreten, gefoult und attackiert wie noch nie". Er verliere manchmal "vielleicht kurzzeitig" die Fassung, wenn er das Gefühl habe, "dass die Gegner mich absichtlich verletzen wollen".

Bleibt nach dieser Woche nur noch die Frage, ob die Verantwortlichen des FC Bayern wussten, was sie taten, als sie vor zwei Jahren Toni Kroos für vergleichsweis läppische 30 Millionen Euro gen Madrid ziehen ließen. Bei Real dürften sie sich köstlich über dieses Schnäppchen amüsiert haben und heute noch darüber feixen. Und sie schätzen die extrem zuverlässigen Dienste der lebenden Passmaschine so sehr, dass sie Kroos in den kommenden sechs Jahren kolportierte 120 Millionen Euro überweisen. Trainer Zinedine Zidane konstatiert: "Es ist ein Glück, einen Spieler wie ihn zu haben." Das hatte auch Ancelotti gesagt - 2014, als er noch Trainer bei Real Madrid war.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Marco Reus ist wieder gut drauf und schlagfertig zudem. Sein Klubkollege André Schürrle ließ seine 2,8 Millionen Abonnenten auf Instagram wissen, dass es ihm gut geht und er sich auf die Partie des BVB gegen die Berliner Hertha an diesem Freitagabend freut. Dazu stellte Schürrle ein Foto, auf dem Schürrle zu sehen ist, wie er in seinem Wohnzimmer sitzt. Im Hintergrund: ein ziemlich leeres Regal. Was wiederum Reus auf den Plan rief. Er schrieb: "Bro, ich hab noch n paar Bücher für dein Regal!" Sie können sich das aber auch selbst ansehen, einfach nur nach rechts schauen - oder nach oben, bei der mobilen Version.

Lustig ist das Fußballerleben. Apropos: Nach fünf Monaten Verletzungspause trainiert Reus wieder. Für das Spiel heute reicht's aber noch lange nicht, auch nicht für den Auftritt in der europäischen Königsklasse am Dienstag in Lissabon gegen Sporting. Die Verantwortlichen halten sich zurück, spekuliert wird über ein Comeback nach der nächsten Länderspielpause Mitte November. Aber Trainer Thomas Tuchel hat vor diesem Spitzenspiel noch andere Sorgen: Raphaël Guerreiro, Lukasz Piszczek und Sokratis haben sich bei ihren Länderspieleinsätzen in dieser Woche verletzt. Haben wir eben Spitzenspiel geschrieben? Absolut. Es ist sogar so, dass die Hertha auf Platz zwei der Tabelle und damit einen Rang vor den Dortmundern steht. Nur Berlins Trainer Pal Dardai mag diese Bezeichnung nicht: "Nein. Dortmund ist eine Spitzenmannschaft, wir sind eine gute Mannschaft. Dortmund hält in der Champions League mit Real Madrid mit, das ist nicht unsere Etage", sagte er dem "Kicker". Allerdings hätte er nichts dagegen, bleibe seine Hertha auch nach der Partie vor dem BVB. "Das heißt: Punkt Minimum." Und Manager Michael Preetz assistiert: "Dass wir Dortmund nicht auf Augenhöhe begegnen, das weiß jeder. Aber es weiß auch jeder, dass wir gegen Dortmund auch schon mal überraschen konnten."

Erste Nadelstiche setzten die Berliner vorab verbal. Die mit Foulstatistiken garnierte Klage von BVB-Coach Tuchel über allzu rustikal agierende Gegner nannte Hertha-Trainer Dardai "grenzwertig", er fürchtet eine Beeinflussung der Schiedsrichter, "für die Referees ist das schwierig". Deshalb versuchte er ganz pragmatisch, seinerseits Einfluss zu nehmen, denn: Wenn wir für unseren ersten Zweikampf Gelb kriegen, dann kann ich mich jetzt beschweren, dass es wegen Herrn Tuchels Aussagen ist."

Wo wird's brisant?

Eigentlich hatten wir ja an die Partie der Mönchengladbacher Borussia gedacht, die vor ihrem Champions-League-Auftritt am Mittwoch bei Celtic Glasgow erst einmal Samstagnachmittag gegen den Hamburger SV spielt. Schließlich geht es für die Gastgeber darum, nach dem 0:4 auf Schalke am sechsten Spieltag nun dafür zu sorgen, den Anschluss an die Spitzengruppe der Liga nicht ganz zu verlieren. Und die Hamburger wollen mit ihrem neuen Trainer Markus Gisdol mutmaßlich irgendwann in dieser Saison auch einmal ein Spiel gewinnen. Eine gewisse Spannung verspricht zur gleichen Zeit auch das Spiel das FC Augsburg gegen besagte Schalker. Die wähnen sich zwar jetzt im Aufwind, stehen aber nach den fünf Niederlagen zum Start immer noch auf dem drittletzten Platz der Tabelle. Zudem trifft der Gelsenkirchener Trainer Markus Weinzierl auf seinen Ex-Klub. Er glaubt, das sagte er dem "Kicker", dass "die Augsburger Fans ein feines Gespür haben. Wir hatten viele gute Momente in den letzten vier Jahren. Ich hoffe, dass es vonseiten der Fans ein positiver Empfang wird. Aber man weiß ja nie."

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"Doppelte Zeit, doppeltes Glück": Christian Streich.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Klingt brisant, aber nein: Richtig, richtig brisant wird es am Samstag in Sinsheim. Das glaubt zumindest Alexander Rosen. Der ist Direktor Profifußball bei der in dieser Spielzeit immer noch ungeschlagenen TSG Hoffenheim und glaubt, beim badischen Bundesliga-Derby gegen den SC Freiburg, der als Aufsteiger auch nur einen Zähler weniger auf dem Konto hat, "werden die Funken sprühen." Denn: "Freiburg war schon immer eine Mannschaft, die auf dem Platz gute spielerische Lösungen gefunden hat und in dieser Saison zudem eine Aggressivität an den Tag legt, die sich teilweise im Grenzbereich bewegt. Was von der Emotionalität des Trainers an der Seitenlinie gepuscht wird." Christian Streich hatte sich vor der Länderspielpause allerdings ganz entspannt gegeben und gesagt: "Doppelte Zeit, doppeltes Glück."

Wo wird's kuschelig?

Beim SV Werder haben sie es sich endlich wieder gemütlich eingerichtet: Nach monatelanger Trainerdiskussion haben die Bremer nach der Entlassung Viktor Skripniks nun Alexander Nouri vom Interimscoach zum Cheftrainer befördert. Und der ehemalige Bundesligaprofi Markus Feldhoff, zuletzt in Diensten des Drittligisten SC Paderborn, dient ihm als Assistent. Diese Baustelle ist also geschlossen. Nun kommt am frühen Samstagabend der TSV Bayer 04 Leverkusen an die Weser, bevor er am Dienstag in der Champions League gegen Tottenham Hotspur antritt. Wobei: Ganz so kuschelig wird's vermutlich doch nicht.

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Jung und begehrt: Julian Brandt.

(Foto: imago/Contrast)

Denn es geht ja immer noch um Fußball. Und was das betrifft, haben die Bremer auf dem viertletzten Platz in der Tabelle einiges nachzuholen. Immerhin gab's am sechsten Spieltag, also vor der Pause, ein Remis in Darmstadt. Doch die Leverkusener kommen mit der Empfehlung, jüngst den BVB mit 2:0 geschlagen zu haben. Währenddessen muss sich Sportchef Rudi Völler damit herumschlagen, dass andere Vereine an seinem Nationalspieler Julian Brandt interessiert sind. "Dass er auf dem Wunschzettel vieler Klubs in Europa steht, ist für mich keine Überraschung", sagte Völler dem Bezahlsender Sky. "Aber ich bin überzeugt, dass wir noch viele Jahre mit Julian hier spielen werden." Brandt hatte zuletzt erklärt, Leverkusen nicht als Zwischenstation zu sehen, grundsätzlich aber sei "das Ausland schon interessant, der FC Bayern ist es natürlich auch". Das überrascht jetzt tatsächlich nicht.

Der n-tv.de Geheimtipp des Spieltags

Was ebenfalls wenig überrascht: In Leipzig planen sie Großes und planen für die Champions League. Das haben sie zwar so nicht gesagt, aber darauf läuft es hinaus. Jetzt kündigte Geschäftsführer und Red-Bull-Fußballchef Oliver Mintzlaff in einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" an, dass am Stadtrand ein neues Stadion mit Platz für 70.000 statt wie bisher im Zentralstadion für 40.000 Menschen her soll. Noch in diesem Jahr soll die Entscheidung fallen. "Wir müssen - wie jeder andere Klub - möglichst viele Einnahmen generieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Bereich der Vermarktung sind wir da auf einem guten Weg. Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kennziffern ist in diesem Zusammenhang das Stadion." Ansonsten gelte: "Red Bull ist das Beste, was der Bundesliga passieren konnte!" Ob sie das bei VW auch so sehen? Am frühen Sonntagabend sind die Rasenballsportler zu Gast beim VfL Wolfsburg. Was macht eigentlich Mario Gomez? Der bisher nach seiner Rückkehr in die Bundesliga torlose Nationalspieler hat nach einer Verhärtung in der Gesäßmuskulatur wieder mit der Mannschaft trainiert - und hofft darauf, gegen Leipzig spielen zu können. Wir sind gespannt.

Was ist sonst noch so los?

In Köln waren sie am Dienstag ein wenig aufgeregt, war ihr Nationalspieler Jonas Hector doch beim Länderspiel der DFB-Elf neun Minuten vor dem Ende der Partie ausgewechselt worden. Verletzungsschock? Der "Express" hat freundlicherweise nachgefragt und zitiert Hector: "Ich habe doch auch gegen Nordirland gespielt, also kann ich auch Samstag auflaufen." Dann nämlich ist der FC Ingolstadt zu Gast in Müngersdorf. Nicht ganz so gut sieht es beim Kollegen Anthony Modeste aus. Der mit fünf Treffern erfolgreichste Angreifer des Effzeh hat sich am linken Sprunggelenk verletzt. Trainer Peter Stöger sagt: "Wir schauen, wie es ihm geht."

Derweil leiden sie in Mainz ein wenig unter dem Europapokalstress. "Das war für fast jeden Spieler von uns eine neue Erfahrung", lautet die Bilanz von Trainer Martin Schmidt in der "Allgemeinen Zeitung" nach den ersten drei englischen Wochen dieser Saison am Stück. So waren er und sein Team arg froh, vor dem Spiel gegen den SV Darmstadt 98 ein wenig durchschnaufen zu können - also vor dem Auftakt einer erneuten Serie von sieben Spielen in 21 Tagen. Denn am Donnerstag nächster Woche kommt der RSC Anderlecht nach Mainz. Und dann geht's weiter, immer weiter. Schmidt setzt darauf, dass seine Spieler nun gewappnet sind: "Jetzt wissen sie, dass keine Zeit für andere Tätigkeiten bleibt. Und ihre Freundinnen wissen, dass sie ihn kaum zu Gesicht bekommen werden."

Quelle: ntv.de