Marktberichte

Verlust bei VW, Daimler enttäuscht Autowerte crashen den Dax

"Die große Aufwärtsbewegung ist erst einmal vorbei", heißt es bei Feingold Research. "Thank God, it's friday", kommentiert n-tv-Börsenexperte Meyer. Der Dax gibt am Freitag nach, entfernt sich deutlich vom Jahreshoch. Die Gründe haben vier Räder.

Am letzten Handelstag der Woche geht dem deutschen Aktienmarkt die Puste aus. Der Dax konnte seine Aufwärtsbewegung nicht fortsetzen. "Nach zwei Wochen und neun Prozent Plus fehlt dem Markt der Schwung", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer: "Thank God, it's friday."

Der Dax schloss 0,6 Prozent im Minus bei 10.373 Punkten. Das Tagestief lag bei 10.325 Zählern, das Tageshoch bei 10.423. Im bisherigen Wochenverlauf hatte der Leitindex Montag und Mittwoch jeweils 0,7 Prozent zulegen, am Dienstag sogar 2,3 Prozent und am Donnerstag immerhin noch 0,1 Prozent. Der MDax verabschiedete sich 0,5 Prozent schwächer mit 20.382 Zählern aus dem Handel. Der TecDax gab 0,6 Prozent auf 1645 Punkte nach.

Seitwärts heißt die Devise

Händler und Marktexperten spürten eine gewisse "Vorsicht der Anleger". "Die nächsten Wochen dürften in einer breiten Seitwärtsspanne verlaufen", prognostizierte dann auch Daniel Saurenz von Feingold Research. "Die große Aufwärtsbewegung ist erst einmal vorbei, selbst wenn der Markt nach technischer Lehre noch Potenzial bis 10.800 hätte. Diese letzten 300 Punkte muss man nicht unbedingt ausquetschen - vielmehr scheint es sinnvoll, erst einmal abzuwarten und bei steigender Volatilität und rücksetzenden Kursen die schwachen Tage zum Einstieg zu nutzen", unterstrich er.

Für Zurückhaltung sorgte auch bereits die in der kommenden Woche anstehende Sitzung der Federal Reserve. Hier rechnen einige Teilnehmer damit, dass sich Fed-Präsidentin Janet Yellen die Tür für eine Zinsanhebung im Juni offen hält. Das belaste tendenziell die Börsen, sagten Marktteilnehmer. Getrost der Börsenregel "Sell in May and go away" dürfte zudem die Abgabebereitschaft der Investoren steigen. Damit werde die Luft für die Börsen dünner, hieß es weiter.

Dax: Autowerte dominieren den Tag

Nachrichtlich übernahmen die Autohersteller das Dax-Zepter zum Wochenausklang. So hatte Daimler Zahlen vorgelegt. "Das Unternehmen hatte nach dem sehr guten Vorjahr bereits die Erwartungen gedämpft", kommentierte ein Aktienhändler. Vor allem das Nettoergebnis wertet er negativ, hier müsse aber noch geschaut werden, wo die Belastungen angefallen seien. Der Umsatz sei wie erwartet schwächer ausgefallen, das Ebit liege dagegen "in line". Daimler-Aktien sackten rund 6 Prozent ab und waren damit größter Verlierer. BMW verbilligten sich rund 1,5 Prozent.

Daneben schauten die Anleger vor allem auf die mittlerweile globalen Abgasskandale. Das US-Justizministerium nimmt nun auch Daimler ins Visier. Das Ministerium habe Daimler unter Hinweis "auf strenge Vertraulichkeit" aufgefordert, den Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA zu überprüfen, so der Autokonzern. In Tokio brachen die Aktien von Mitsubishi Motors weiter ein, nachdem der Hersteller Manipulationen beim Verbrauch eingestanden hatte. Die Aktien haben sich binnen einer Woche fast halbiert. In Frankreich kam es erneut zu Razzien bei PSA Peugeot Citroen wegen Unregelmäßigkeiten bei Abgastests. 

VW in der Kostenfalle

Der Abgasskandal bescherte Volkswagen den ersten Jahresverlust seit 22 Jahren: Der Autokonzern meldete für das Geschäftsjahr 2015 einen Nettofehlbetrag von 1,58 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 10,85 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Affäre um manipulierte Abgaswerte bezifferte der Konzern nun auf 16,2 Milliarden Euro. Das trifft unter anderem Volkswagens Aktionäre: Sie sollen je Stammaktie nur noch eine Dividende von 11 Cent erhalten. Noch im Vorjahr hatte die Gewinnausschüttung 4,80 Euro pro Anteilsschein betragen.  Die VW-Papiere weiteten nach Veröffentlichung ihr Minus deutlich aus, büßen mehr als 5 Prozent ein, fingen sich dann aber wieder und schlossen knapp 1 Prozent schwächer.

Merck standen mit mehr als 4 Prozent Plus an der Spitze der Gewinner im Dax - nach einer Kaufempfehlung durch BofA-Merrill Lynch.

Wenig Kurseuphorie entfachten die Gespräche zwischen der Lufthansa und Thomas Cook über eine Kooperation bei deren Tochter Condor oder gar deren Übernahme durch die Lufthansa. "Für die Lufthansa wäre ein Deal, wie immer der auch aussähe, keine große Nummer", sagte ein Händler mit Blick auf die Größe der Flotten. So verfüge Condor derzeit über etwa 50 Flugzeuge, während es die Lufthansa inklusive Tochtergesellschaften auf rund 700 Maschinen bringe. Lufthansa-Titel gewannen 0,3 Prozent, Thomas Cook 2,7 Prozent. 

MDax: Ströer erholen sich

Ströer kletterten dagegen zeitweise rund 6 Prozent, schlossen dann aber etwa 4 Prozent im Minus. Am Donnerstag mussten die Aktionäre einen Kurseinbruch von rund 20 Prozent verkraften. Das Medienunternehmen hatte unterstrichen, dass die Vorwürfe des US-Hedge-Fonds Muddy Waters "haltlos" seien und die Jahresprognosen bekräftigt. Analysten rechnen sogar damit, dass Ströer auf einer Kapitalmarktkonferenz kommenden Freitag die Prognose erhöhen könnte.

Fraport verloren 0,6 Prozent. Laut Händlern soll die Commerzbank die Aktie auf "Reduzieren" gesenkt haben.

USA: AMD explodieren

Die US-Börsen schlossen die Handelswoche uneinheitlich ab. "Es ist immer noch ein sehr vorsichtiges Umfeld", sagte der Chefökonom des Beratungshauses Raymond James, Scott Brown, angesichts durchwachsen ausgefallener Quartalsbilanzen wichtiger Unternehmen. Der Dow-Jones-Index schaffte es nach zwischenzeitlichen Verlusten zurück ins Plus und auch wieder über die Marke von 18.000 Punkten. Der Index schloss um 0,1 Prozent höher bei 18.004 Punkten. Der S&P-500 beendete den Handel unverändert. Für den Nasdaq-Composite ging es um 0,8 Prozent nach unten.

Zu den Verlierern gehörten die Aktien des weltweit führenden Baumaschinen-Herstellers Caterpillar, die 0,4 Prozent nachgaben. Das Unternehmen spürt die Konjunkturabkühlung in vielen Ländern. Der Überschuss brach im ersten Quartal um mehr als 70 Prozent ein. Papiere des Industriekonzerns General Electric gaben 0,7 Prozent ab. GE hält nach dem ersten Quartal an seinen Zielen für 2016 fest und peilt weiter ein jährliches Umsatzwachstum von zwei bis vier Prozent an.

Auf der Verliererseite standen zudem Microsoft und die Google-Mutter Alphabet. Anleger zeigten sich enttäuscht von den jüngsten Quartalsbilanzen. Microsoft verbilligten sich 7,1 Prozent, Alphabet 5,5 Prozent. Eine Lizenzvereinbarung in China und besser als erwartet ausgefallene Geschäftszahlen halfen dagegen AMD auf die Sprünge. Die Aktien des Chip-Herstellers stiegen 52 Prozent.

Rohstoffe: Brent über 45 Dollar

Die Ölpreise drehten derweil ins Plus. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 1,3 Prozent bzw 0,55 Dollar auf 43,73 US-Dollar, europäisches Referenzöl der Sorte Brent legte um 1,3 Prozent bzw 0,58 Dollar auf 45,11 Dollar je Fass zu.

Vor allem die zuletzt in den USA gesunkene Produktion stabilisierte den Preis. Trotz der am Wochenende gescheiterten Verhandlungen wichtiger Förderländer über eine Fördermengenbegrenzung konnte der Ölpreis die dritte Woche mit Zugewinnen verbuchen.

Devisen: Euro schwächelt

Der Euro rutsche deutlich unter die 1,13er Marke. Am Abend erreichte die europäische Gemeinschaftswährung ihr Tagestief von 1,1230 Dollar. Das waren 0,3 Prozent weniger als noch am Donnerstag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1263 Dollar fest nach 1,1355 Dollar am Donnerstag und 1,1379 Dollar zur Wochenmitte.

Am Vormittag habe eine überraschende Eintrübung der Unternehmensstimmung in der Eurozone den Eurokurs belastet, hieß es aus dem Handel. Die Daten signalisieren nach Einschätzung von Chris Williamson, Chefvolkswirt beim Analysehaus Markit, nur ein «schleppendes Wirtschaftswachstum». Frankreich bleibe die «Hauptwachstumsbremse» für die Eurozone.

Asien: Nikkei punktet

Negative Vorgaben der Wall Street und der wieder etwas gesunkene Ölpreise haben den Handel an den Börsen in Ostasien und Australien überschattet und die Anleger  am Freitag einen Teil der jüngst aufgelaufenen Gewinne mitnehmen lassen. Zudem überwogen bei einer Reihe nachbörslich vorgelegter Quartalsberichte wichtiger US-Unternehmen wie Microsoft und Google die Enttäuschungen. Der Shanghai Composite rettete ein Mini-Plus von 0,2 Prozent auf 2959 Stellen. Der Hongkonger HSI verlor dagegen 0,8 Prozent.

In Tokio stemmte sich der Nikkei-Index gegen das negative Marktumfeld und schloss 1,2 Prozent fester bei 17.572 Punkten. Der S&P/ASX200 in Sydney gab dagegen 0,7 Prozent nach, ebenso der Kospi in Seoul mit 0,3 Prozent. Der S&P/ASX-200 war am Donnerstag auf ein Jahreshoch gestiegen, der Nikkei-Index in Tokio immerhin auf ein Zweieinhalbmonatshoch.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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