Marktberichte

Liefert Apple den Rally-Impuls? Dax zieht über die 12.500

Der Auftakt in die verkürzte Handelswoche kann sich sehen lassen. Am Ende steht ein neuer Dax-Rekord. Er könnte zudem der Auftakt für einen Aufwärtstrend sein, denn in den nächsten Tagen stehen einige richtungsweisende Termine an.

Mit Gewinnen ist der Dax in die verkürzte Handelswoche gestartet. Den Verlaufshöchststand schraubte der Leitindex auf 12.508 Punkte. Die Handelsspanne betrug im Hoch rund 75 Zähler. "Alles ist offen", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer die Situation. "Der Dax muss erst noch in Schwung kommen. Es steht noch eine ganze Menge an", so Meyer weiter, der auf die nachbörslich kommenden Zahlen von Apple verwies und die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Fed) am Mittwoch.

Der Dax schloss 0,6 Prozent fester mit 12.508 Punkten und damit auf Tageshoch. Am Freitag hatte er bei 12.438 Zählern geschlossen. Der MDax zog 0,8 Prozent auf 24.823 Stellen an. Der TecDax verbesserte sich 1,6 Prozent auf 2126 Punkte, ebenfalls ein neues Allzeithhoch.                                               

Konjunktur: USA, Frankreich, China, Deutschland

Neben Fed und Apple spielten auch die Wahlen in Frankreich am Sonntag eine Rolle. Allerdings haben sie den Großteil ihres Schreckens verloren. Am Markt wird davon ausgegangen, dass Emmanuel Macron am kommenden Sonntag als Sieger aus dem zweiten Urnengang zur Präsidentschaftswahl in Frankreich hervorgeht.

Für etwas Gegenwind sorgte Händlern zufolge die wirtschaftliche Entwicklung in China: Dort schwächte sich die Industrie im April überraschend deutlich ab. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Industrie rutschte im April auf 51,2 Punkte von 51,8 Punkten im März ab und notiert damit auf dem niedrigsten Stand seit sechs Monaten.

USA: Warten auf Apple

Ohne echte Impulse hat die Wall Street am weitgehend stagniert. Zwar begann die Sitzung der US-Notenbank, doch werden sich die obersten Geldpolitiker der USA erst am Mittwoch zu Wort melden. Ebenfalls für Zurückhaltung sorgten die im Wochenverlauf anstehenden US-Arbeitsmarktdaten sowie die französische Stichwahl um das Präsidentenamt. "Wird die Fed die Abschwächung des Wachstums zur Kenntnis nehmen und so die Erwartungen an die kommenden Zinserhöhungen 2017 senken? Oder sind die Symptome nur temporärer Natur (...), die sich im zweiten Quartal wieder richten? Die Fed sollte diese Fragen beantworten und darauf basierend werden Händler agieren", sagte Marktstratege Hussein Sayed von FXTM.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,2 Prozent auf 20.950 Punkte, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten jeweils um 0,1 Prozent zu. Doch eigentlich drehte sich das Geschehen in erster Linie um Apple. Nach Handelsende wird der Technologiegigant die heiß ersehnten Quartalszahlen bekannt geben und möglicherweise auch einen Blick auf zukünftige Entwicklungen technischer Natur erlauben. Im Vorfeld stieg die Aktie um 0,6 Prozent und den zweiten Tag in Folge auf Allzeithoch. Im Schlepptau markierte der Nasdaq-Composite, wie bereits am Vortag, einen neuen Rekordstand. 

Apple-Aktien waren in nur sechs Monaten zwar um 30 Prozent gestiegen, doch hoffen Investoren, dass die jüngste Rally gerechtfertigt ist. Der Markt blickte gebannt auf das neue iPhone. Für gewöhnlich aktualisiert Apple ihre Smartphone-Produktpalette einmal im Jahr. Dieses Mal hat das iPhone außerdem zehnjährigen Geburtstag. Daher liefen die Erwartungen zuletzt heiß. Das "Wall Street Journal" hatte bereits über einen gebogenen Bildschirm und ein ziemlich teures Jubiläumsgerät berichtet.

Auch sonst kamen die Impulse von der Unternehmensseite. So verdiente der Pharmakonzern Merck & Co im ersten Quartal mehr als erwartet und hob den Ausblick an. Für die Aktie ging es 0,5 Prozent nach oben. Der Pharmawettbewerber Pfizer strich im ersten Quartal trotz geringerer Erlöse mehr ein als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Auslaufen des Patentschutzes wichtiger Medikamente kostete Pfizer aber erneut Umsätze. Die Aktie reduzierte sich um 0,5 Prozent.

Nach schwachen Absatzzahlen - vor allem bei Nutzfahrzeugen - sanken die Kurse im Automobilsektor. Ford und General Motors gaben um 4,4 bzw. 2,9 Prozent nach. Die Titel des Motorenherstellers Cummins sprangen um 6,1 Prozent nach oben. Nach guten Geschäftszahlen erhöhte das Unternehmen den Ausblick. Advanced Micro Devices verbuchte - wenn auch erwartet - erneut Verluste. Die Titel stürzten um 24,4 Prozent ab.

Dax: Banken gefragt

Im Dax warn vor allem Prosieben gefragt, die mehr als 3 Prozent stiegen und damit Topgewinner im Leitindex waren. Mit Discovery Communications habe der deutsche TV-Sender einen "starken Partner für das Streaming von Inhalten gefunden", sagte ein Händler. Mit zusätzlichen Inhalten von Discovery dürfte die 7TV-App von Prosiebensat.1 an Attraktivität gewinnen. Positiv dürfte sich die Kooperation zum Beispiel beim Sportangebot auswirken, denn die Eurosport-Beteiligung von Discovery halte auch Übertragungsrechte für Bundesligaspiele und die Olympischen Winterspiele 2018.

Unter den Einzelwerten im Dax standen etwa Banken unter Beobachtung. US-Präsident Donald Trump plant, das Bankensystem in den USA zu überarbeiten. Investment- und Privatkundengeschäft sollten dabei wieder getrennte Wege gehen, wie bereits in der Zeit vor Ende der 1990er Jahre. Deutsche Bank und Commerzbank verteuerten sich 0,7 und 1,0 Prozent an.

Allianz gewannen rund 0,8 Prozent, der Konzern investiert in britisches Wasser. Ein Konsortium um Allianz Capital Partners übernimmt den Wasserversorger Affinity Water. Der Versicherungskonzern zahlt nach eigenen Angaben gemeinsam mit den Infrastruktur-Investoren DIF und HICL 687 Millionen Pfund für 100 Prozent der Anteile.

Der von der Deutschen Post für den Eigengebrauch entwickelte Streetscooter fährt nun auch für andere Unternehmen. Die Post liefert beispielsweise an den Fischhändler Deutsche See, wie die Unternehmen mitteilten. Aktien der Deutschen Post verloren rund 2,5 Prozent.

MDax: K+S salzt nach

Als gut für K+S werteten Händler die lange ersehnte Eröffnung der Leqacy-Mine in Kanada. "Das könnte endlich wieder die Aufmerksamkeit auf ein Asset von K+S richten, das von der Börse lange ignoriert worden ist", sagte ein Händler. K+S nahm die Kali-Mine nun in Betrieb, in die rund 3 Milliarden Euro investiert worden waren. Mit der Mine rutscht K+S näher an den wichtigen US-Markt im Mittleren Westen. K+S büßten 1,6 Prozent ein.

Nicht ganz neu ist der Plan, dass der Onlinemodehändler Zalando Flagship-Stores eröffnen will. "In den Metropolen haben wir regelrechte Fans, die viel Zeit bei uns verbringen und viel bestellen. Für die könnte es interessant sein, die Marke auch offline zu erleben", sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter dem "Manager Magazin". Der Kurs der Zalando-Aktien kletterte 0,3 Prozent.

TecDax: Pfeiffer pumpt

Pfeiffer Vacuum schlossen etwa 0,3 Prozent tiefer. Zwar sei das Ebit etwas hinter der Konsensprognose zurückgeblieben. "Der gute Auftragseingang dürfte das aber wettmachen", sagte ein Händler. Die neuen Orders lägen um 9 Prozent über der Markterwartung. Auch der Umsatz sei im ersten Quartal besser ausgefallen als erwartet.

Europa: Lonza sacken ab

Mit einem Kurseinbruch von fast 7 Prozent fielen die Aktien des schweizerischen Biotech- und Pharmaherstellers Lonza auf. Im Handel zeigte man sich jedoch entspannt, am Dienstag hat der Bezugsrechtshandel für die Kapitalerhöhung begonnen. Lonza will rund 2,3 Milliarden Franken durch die Ausgabe von 16,5 Millionen Aktien zu 136 Franken erlösen. Damit wird der größte Teil der Übernahme von Capsugel finanziert.

BP ist im ersten Quartal 2017 dank der höheren Ölpreise wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten, eine Kennzahl die mit dem Nettogewinn bei den US-Wettbewerbern vergleichbar ist, stieg im Zeitraum von Januar bis Ende März auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor schrieb BP einen Verlust von 485 Millionen Dollar. BP-Aktien verbesserten sich rund 2 Prozent.

Devisen: Euro hält 1,09

Auch am Devisenmarkt richteten sich die Blicke auf die Fed-Sitzung. Beobachter sahen keine Gründe dafür, warum die Fed ihre Zinsen nach der erst Mitte März erfolgten Zinserhöhung kurze Zeit später erneut anheben sollte. Der Euro tendierte am Abend bei 1,0926 Dollar und damit etwas über den Wechselkursen des Vorabends knapp unter der Marke 1,09.

Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone hatten dem Euro keinen Schub verliehen. Die Stimmung in den Industrieunternehmen des Euroraums hatte im April den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht. Allerdings verfehlten die endgültigen Daten den Wert der ersten Erhebung leicht. Verbessert hatten sich auch die Indikatoren für Italien und Spanien.

Rohstoffe: Ölpreis bleibt schwach

Am Ölmarkt blieben die Notierungen auf Talfahrt und schlossen auf einen Sechswochentief. Eine zwischenzeitliche leichte Erholung setzte sich nicht durch - ein zuletzt häufiger zu beobachtendes Muster. Die bestehenden Sorgen bezüglich eines Überangebots durch eine steigende US-Förderung belasteten weiter, hieß es.

Die Analysten von JP Morgan glauben, dass selbst das Abkommen des Erdölkartells Opec zur Förderbegrenzung die Überversorgung des Marktes nicht werde verhindern können. Nur eine Verlängerung der Abmachung bis zum Jahresende könne den Preis stützen. Aktuelle Daten zeigten aber, die es die Opec-Staaten mit der Einhaltung der Produktionskürzungen im April nicht mehr so genau nahmen. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI fiel um 2,4 Prozent auf 47,66 Dollar, die europäische Referenzsorte Brent um 2,1 Prozent auf 50,46 Dollar.

Asien: Nikkei im Aufwind

Überzeugende Zahlen von Technologiekonzernen gaben den Börsen in Asien am Dienstag Auftrieb. In Tokio schloss der Nikkei-Index 0,7 Prozent im Plus mit rund 19.446 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 0,4 Prozent fester. Aufwärts ging es auch für den Kospi in Seoul oder die taiwanesische Börse. Leichte Verluste verzeichnete dagegen der Shanghai Composite.

Marktexperten erklärten das überwiegend positive Abschneiden mit starken Zwischenberichten von US-Technologieriesen wie Google, Amazon und Microsoft. In den Hintergrund rückten dadurch der Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel und überraschend schwache Industriedaten aus China. In Seoul legten die Aktien von Samsung Electronics 0,6 Prozent zu. In Taiwan verbesserten sich Taiwan Semiconductor 1 Prozent und Hon Hai Precision Industry 1,2 Prozent.

Der S&P/ASX200 in Sydney verzeichnet ein Minus von 0,4 Prozent, nachdem eine der vier größten Banken des Landes mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen des Marktes verfehlt hat. Die ANZ meldete einen Gewinn von 3,4 Milliarden australischen Dollar, Analysten hatten aber 3,5 Milliarden erwartet. Für die Aktien ging es 2,6 Prozent nach unten. Im Sog von ANZ verloren Westpac 1,8 Prozent, National Australia Bank 1,1 Prozent und Commonwealth Bank 1,4 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa