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WHO-Bericht warnt Elektroschrott gefährdet Millionen Kinder

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Der Schrottplatz von Agbogbloshie in Ghana. Wer hier lebt, kann den giftigen Chemikalien kaum entkommen.

(Foto: dpa)

Ein neues Mobiltelefon oder Tablet, das ist für viele nichts Besonderes mehr. Das alte Gerät ist dann zwar überflüssig, kann jedoch noch verheerende gesundheitliche Auswirkungen entfalten. Betroffen sind vor allem Kinder und Frauen.

Elektroschrott wird zunehmend zu einer Gesundheitsgefahr, vor allem für Kinder. Davor warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem neuen Bericht. Demnach gefährden die Giftstoffe, die in den alten Geräten stecken, besonders die Gesundheit von Frauen und Kindern, die auf Mülldeponien in Asien und Afrika arbeiten.

Der WHO zufolge betrifft die Gefahr allein 18 Millionen Kinder weltweit, manche von ihnen sind nicht älter als fünf Jahre. Die Kinder helfen beim Auseinanderbauen der Geräte, leben oder spielen unmittelbar neben den Deponien und sind so den Schadstoffen vermehrt ausgesetzt. In alten Elektrogeräten sind vor allem Blei, Quecksilber oder Nickel verbaut - etwa 1000 unterschiedliche Schadstoffe sind bekannt. "Ein Kind, das nur ein Hühnerei von Agbogbloshie, einer Mülldeponie in Ghana, isst, wird das 220-Fache des täglichen Grenzwerts der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit für die Aufnahme von chlorierten Dioxinen aufnehmen", wird die leitende WHO-Autorin des Berichts, Marie-Noel Brune Drisse, in der Mitteilung zitiert.

Laut WHO leiden die Betroffenen immer häufiger an chronischen Erkrankungen und Krebs. Auch Veränderungen der DNA und Auswirkungen auf die Atemwege kommen oft vor. Kinder seien wegen ihrer geringeren Größe, der weniger entwickelten Organe und ihrer schnellen Wachstums- und Entwicklungsgeschwindigkeit besonders anfällig für die giftigen Chemikalien. Im Verhältnis zu ihrer Größe nehmen sie zudem mehr Schadstoffe auf und sind weniger in der Lage, Giftstoffe aus ihrem Körper zu verstoffwechseln oder auszuscheiden.

Langfristige Folgen

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Der giftige Elektroschrott kann bereits die Gesundheit und Entwicklung ungeborener Kinder für den Rest ihres Lebens beeinträchtigen. Zu den möglichen negativen Auswirkungen gehören ein höherer Anteil an Tot- und Frühgeburten sowie niedrigeres Geburtsgewicht und -länge. Besonders Blei aus Elektroschrott-Recycling wird mit der schlechteren neurologischen Entwicklung in Verbindung gebracht, das äußert sich in erhöhten Raten von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Verhaltensproblemen, aber auch in geringeren kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten.

Die WHO fordert in ihrem Bericht Exporteure, Importeure und Regierungen dazu auf, nach besseren Lösungen für den wachsenden Berg an Elektroschrott zu suchen und Frauen und Kinder zu schützen. Dazu gehörten die umweltgerechte Entsorgung von Elektroschrott und die Sicherstellung der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer, ihrer Familien und Gemeinden. In der Europäischen Union ist der Export von Elektroschrott zwar verboten - Schätzungen zufolge werden aber bis zu 20 Prozent illegal exportiert.

Quelle: ntv.de, sba

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