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Roboter im Altenheim Ist das die Pflege von morgen?

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Dem Mangel an menschlichen Fachkräften könnten Roboter künftig entgegenwirken - so die Hoffnung.

dpa

Deutschland altert - aber wer kümmert sich um die Pflegebedürftigen? Schon jetzt herrscht massiver Fachkräftemangel in der Altenpflege. Können Roboter oder andere technische Lösungen Fachkräfte entlasten oder gar ersetzen?

Er ist 1,20 Meter groß, hat kugelrunde Augen und bewegt sich auf Rollen freundlich auf die Menschen zu. Roboter "Pepper" könnte bald in deutschen Pflegeheimen zum Einsatz kommen und Bewohner mit Musik und Pantomime unterhalten oder zu Bewegungsübungen anleiten. Das von Informatikern der Universität Siegen programmierte Gerät soll auch eine gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz von Robotern in der Pflege anregen.

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Gestatten: Pepper.

(Foto: dpa)

Von Dienstag an macht "Pepper" auf seiner Deutschland-Tour Station bei der dreitägigen Messe Altenpflege in Hannover, die das Thema Digitalisierung als Schwerpunkt hat.

In Japan ist der menschenähnliche Roboter bereits auf dem Markt und unterhält Senioren zum Beispiel mit Tai-Chi oder Ratespielen. Dort seien die Veränderungen schon viel weiter vorangeschritten, sagt Rainer Wieching, der das gemeinsame Projekt der Universität Siegen, der Computerfirma C&S und der Fachhochschule Kiel koordiniert. Auch weil in Japan die Bevölkerung extrem überaltert ist, sollen dort verstärkt Maschinen Betreuungsaufgaben übernehmen. Schon länger im Einsatz ist etwa eine Roboterrobbe mit kuscheligem Fell, eine Art Haustierersatz für Altenheim-Bewohner.

In Deutschland sind der jüngsten Statistik von 2015 zufolge knapp 2,9 Millionen Menschen auf ambulante und stationäre Pflege angewiesen, die Zahl könnte sich bis zum Jahr 2030 auf etwa 3,6 Millionen erhöhen. Schon jetzt herrscht Fachkräftemangel, Stellenangebote für examinierte Altenpfleger bleiben im Schnitt 171 Tage unbesetzt. "Der Roboter kann den Menschen nicht ersetzen", betont Lukas Sander, Pflegeexperte beim Messeveranstalter Vincentz Network.

"Pepper" kann nicht waschen, kämmen, ankleiden

Bei den digitalen Angeboten auf der Messe überwiegen Hilfen, die den Alltag erleichtern. So gibt es Systeme, die an die Medikamenten-Einnahme erinnern. Ein intelligentes Pflegepflaster erkennt über Sensoren die Gefahr des Wundliegens und benachrichtigt das Personal. "Absolut im Kommen ist auch das sogenannte Smart Home", sagt Sander. Damit gemeint sind Assistenzsysteme, die Senioren unterstützen, um möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben zu können.

Bereits Preise eingeheimst hat der interaktive Therapieball des Start-up-Unternehmens Ichó. Die in verschiedenen Farben leuchtende Kugel unterscheidet, ob sie geworfen, gehalten oder gestreichelt wird. Man kann sie auf die individuellen Bedürfnisse des Nutzers einstellen. Steffen Preuß, Absolvent der Hochschule Düsseldorf, hat Ichó mit zwei Kommilitonen gegründet. Hintergrund war die Demenzerkrankung seiner Großmutter. Mit dem Ball sollen Demenzkranke spielerisch Kontakt untereinander oder zu Angehörigen aufnehmen. Es gebe auch schon Anfragen aus Therapieeinrichtungen für behinderte und psychisch kranke Menschen, sagt Preuß. Ende 2018 soll der Ball auf den Markt kommen.

Wie die Pflege von morgen technisch unterstützt werden kann, ist eine zentrale Frage. Unter wissenschaftlicher Begleitung erprobt wird dies seit Jahresbeginn auch in vier sogenannten Pflegepraxiszentren in Hannover, Freiburg, Nürnberg und Berlin. Das Bundesforschungsministerium stellt für diesen Verbund "Zukunft der Pflege" bis 2022 bundesweit 20 Millionen Euro zur Verfügung. Roboter "Pepper" könne und solle keine echten pflegerischen Tätigkeiten wie Waschen, Kämmen oder Ankleiden ausführen, betont Projektleiter Wieching. Es sei extrem wichtig, jetzt in Gesellschaft und Politik ethische und rechtliche Fragen zu Pflegerobotern zu beantworten. Denn: "Viele Forschungsgruppen arbeiten schon an Nachfolgemodellen."

Quelle: n-tv.de, Christina Sticht, dpa

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