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R müsste viel tiefer sinken Simulation: Kein schneller Shutdown-Erfolg

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Es besteht kaum Hoffnung, dass die Gastronomie Anfang Dezember wieder öffnen kann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wenn man mit dem Covid-19-Simulator in die nahe Zukunft blickt, gibt es kaum Hoffnung, dass der Teil-Shutdown Anfang Dezember beendet werden kann. Selbst wenn die Reproduktionszahl noch deutlich sinkt, wird das Ziel ohne zusätzliche Maßnahmen wohl nicht vor nächstem Jahr erreicht.

Die Zweifel, dass der aktuelle Teil-Shutdown die 7-Tage-Inzidenz tatsächlich bis Anfang Dezember deutschlandweit auf die angepeilten 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner drücken kann, werden immer lauter. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte beispielsweise, beim jetzigen R-Wert würde das Ziel seinen Berechnungen nach erst in sieben Wochen erreicht. Der Wellenbrecher-Shutdown wirke schwächer als erwartet. Das deckt sich ungefähr mit der Entwicklung, die der Covid-19-Simulator der Universität Saarbrücken für die kommenden Wochen errechnet.

Reproduktionszahl sinkt zu langsam

Das frei verfügbare Online-Tool kommt bei einer unveränderte Reproduktionszahl (R) von ungefähr 1 für den 2. Dezember auf rund 24.000 Neuinfektionen und eine bundesweite 7-Tage-Inzidenz von knapp 196. Entsprechend würden zum Stichtag fast 5500 Menschen auf deutschen Intensivstationen liegen, von denen 3460 beatmet werden müssten.

Dieses Szenario ist allerdings eher unwahrscheinlich, da der Teil-Shutdown zwar nicht die erhoffte, aber trotz allem eine Wirkung zeigt und der R-Wert offenbar langsam zurückgeht. Projektleiter Thorsten Lehr und sein Team haben die Entwicklungen simuliert, die sich bei geringeren Reproduktionszahlen ergeben.

Anfang des Shutdowns habe er auf einen Rückgang auf vielleicht 0,7 oder 0,8 gehofft, sagte er ntv.de. Immerhin hätte man ja beim ersten Shutdown im Frühjahr den Wert auf 0,6 drücken können. Zwar sei es jetzt kalt und die Menschen seien nicht mehr so bereitwillig dabei wie im März und April, aber dafür habe es damals die AHA+L-Regeln nicht gegeben, erklärt Lehr den anfänglichen Optimismus.

Im besten Fall Mitte Dezember unter 50

Doch die Simulationen zeigten, dass die 7-Tage-Inzidenz bis Anfang Dezember nicht ansatzweise ausreichend gesenkt werden könne, sagt der Professor für klinische Pharmazie. "Bei einem R-Wert von 0,6 wären wir Mitte Dezember unter 50, bei einem R-Wert von 0,8 würde es bis ins neue Jahr dauern, bis der Großteil der Landkreise unter eine 7-Tagesinzidenz von 50 sinken würde."

Das können natürlich nur Schätzwerte sein, denn wie sich der R-Wert tatsächlich entwickelt, sei "die 1-Million-Dollar-Frage", sagt Lehr. Welche Entwicklungen möglich sind, kann man selbst ausprobieren, indem man im Simulator den "Future R(t)" aktiviert, dann einen Wert einträgt und das Datum bestimmt, ab dem er gültig sein soll.

Und was kommt dann?

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Lehr persönlich geht davon aus, dass das Szenario mit der Reproduktionszahl auf 0,8 am wahrscheinlichsten ist. Das würde bedeuten, dass eine Verlängerung des Shutdowns nötig ist, wie auch Karl Lauterbach schreibt. Das unbelastete Weihnachten wäre dann vom Tisch.

Aber selbst dann weiß man nicht, was passiert, wenn die Gesundheitsämter auch bei einer 50er-Inzidenz nicht in der Lage sind, durch Nachverfolgung ein erneutes exponentielles Wachstum zu verhindern. Wechseln sich dann vielleicht bis zum Frühjahr oder bis zur Verfügbarkeit von Impfstoffen Shutdowns und Lockerungen ab? "Wie soll so ein Jojo-Effekt verhindert werden?", fragt sich auch Lehr. Antworten darauf fehlen bisher.

Quelle: ntv.de

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