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Statistik erlaubt steile These Sind Aliens deutlich größer als Menschen?

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In dem Film "Avatar" werden die Aliens als riesenhafte Wesen dargestellt.

(Foto: imago stock&people)

Wir wissen nichts über Außerirdische - oder doch? Ein Astrophysiker traut sich zu, die Größe durchschnittlicher Aliens bestimmen zu können. Dabei zieht er die Mathematik zurate. Das Ergebnis: Dort draußen dürften wahre Kolosse wohnen.

Seit Jahrzehnten suchen Forscher nach außerirdischem Leben - bisher jedoch erfolglos. Im Fokus haben sie dabei Planeten, die der Erde besonders ähnlich sind. Ganz klar: Die Erde ist der bisher einzige Planeten, von dem bekannt ist, dass er Leben beherbergt. Entdeckungen vermeintlicher "zweiter Erden" in den vergangenen Monaten - möglich aufgrund verbesserter technischer Möglichkeiten - sorgten daher immer wieder für Aufsehen.

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Der Astrophysiker Fergus Simpson von der Universität in Barcelona glaubt jedoch, dass bisher an der falschen Stelle gesucht wurde. Mithilfe einer speziellen statistischen Methode kommt er zu dem Schluss, dass es nicht die erdähnlichen Planeten sind, die wahrscheinlich außerirdisches Leben beherbergen - sondern viel kleinere Himmelskörper.

Auch hat er ausgerechnet, dass intelligente außerirdische Lebewesen wahrscheinlich wesentlich größer und schwerer sind als Menschen. Bei seiner Berechnung stützt sich Simpson auf die sogenannte bayessche Statistik.

Eine kurze Zusammenfassung des Gedankens, der dahinter steckt (die für interessierte Leser danach ausführlicher erläutert wird): Es gibt im All viele bewohnte Planeten, so die Annahme. Manche sind stärker besiedelt, andere weniger stark. Es ist eine statistische Tatsache, dass die Mehrheit aller intelligenten Individuen im All - ob Mensch oder Alien - sich auf eine relativ geringe Zahl bewohnter Planeten verteilt. Wenn man den Menschen betrachtet, ist es statistisch daher eher wahrscheinlich, dass er auf einem der wenigen, stark bevölkerten Planeten lebt. Von dieser Erkenntnis aus zieht Simpson Rückschlüsse auf die Größe der meisten anderen Planeten - und deren Bewohner.

Seine Theorie hat Simpson bereits 2015 in einem Aufsatz veröffentlicht und gleichzeitig in einer etwas verständlicheren Variante in seinem Blog dargestellt. Nun folgt die etwas ausführlichere Erläuterung.

Individuen gehören meist großen Gruppen an

Simpson macht sich bei seiner Methode eine statistische Tatsache zunutze: Untersucht man ein zufällig gewähltes Individuum, gehört es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer der größten Gruppen einer bestimmten Kategorie. Diese Kategorien können Nationen, Religionsgemeinschaften, Fangemeinschaften von Fußballklubs oder Menschen mit derselben Blutgruppe sein.

Zum Beispiel besteht bei einem zufällig ausgewählten Erdbewohner eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent, dass er aus einem der sieben bevölkerungsreichsten Länder stammt. Logisch, denn in diesen sieben Ländern wohnt mehr als die Hälfte aller Menschen. Dabei gibt es insgesamt fast 200 Länder auf der Erde. Allerdings kommt der Rest zusammen auf weniger als die Hälfte aller Menschen.

Anderes Beispiel: Zwei Drittel aller Menschen gehören einer der vier größten Religionsgemeinschaften an: Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Dabei gibt es Hunderte anderer Religionen auf der Erde.

Laut Simpsons muss dies auch zutreffen, wenn die gefragte Kategorie "Bewohner eines Planeten" heißt. In dieser Rechnung ist die Menschheit eine von vielen Gruppen im All. Statistisch gehört der Mensch also mit hoher Wahrscheinlichkeit einer großen Gruppe an. Die meisten anderen Gruppen sind kleiner. Und genau das sind die intelligenten Zivilisationen auf anderen Planeten. Eben die Aliens.

Aliens so schwer wie Eisbären

Davon ausgehend, trifft Simpson noch eine ganze Reihe anderer Aussagen über intelligente Aliens. Oder eben über den Durchschnitts-Alien. So schlussfolgert er, dass die Erde ein vergleichsweise großer bewohnter Planet sein muss. Denn große Populationen - wie die Menschheit - würden eine verhältnismäßig große Fläche benötigen. Länder mit vielen Einwohnern, wie etwa China, Indien und die USA, gehören auch flächenmäßig zu den größten. Die meisten Alien-Planeten hingegen sollten demnach kleiner als die Erde sein.

Aus diesem Grund sollten die Außerirdischen wiederum von der Statur her größer als die Menschen sein, glaubt der Forscher. Denn auch dies ist eine statistische Tatsache: Je kleiner die Population, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um vergleichsweise großen Lebewesen handelt. So gibt es etwa viel weniger Blauwale als Ameisen auf der Erde.

Aber wie groß genau sind sie denn, diese Außerirdischen? Laut Simpsons Berechnungen mindestens so schwer wie ein ausgewachsener Eisbär - etwa 310 Kilogramm. Basierend auf einigen physikalischen Grundannahmen berechnet er auch, dass die meisten außerirdischen Populationen aus weniger als 20 Millionen Individuen bestehen.

Zudem würde der durchschnittliche bewohnte Planet nicht nur kleiner als die Erde sein, sondern auch um einen Stern mit geringerer Leuchtkraft als die der Sonne kreisen. Schließlich benötigten kleinere Zivilisationen weniger Energie als größere.

Bisher an der falschen Stelle gesucht?

Das würde bedeuten, dass wir mit der Suche nach intelligentem Leben mit erdähnlichen Planeten bisher auf die falschen Kandidaten gesetzt haben, wenn man Simpsons Logik folgen möchte. Vielmehr sollten wir uns demnach auf kleine Planeten fokussieren, die um rote Zwerge kreisen. So wie den kürzlich entdeckten, um Proxima Centauri kreisenden Planeten. Der Vorteil: Dieser ist uns relativ nah und damit wären es die Aliens.

Bleibt zum Schluss noch die Frage: Könnte es nicht trotzdem sein, dass die Menschheit eine schlechte Grundlage für eine derartige Berechnung ist? Schließlich könnten wir zufällig eine vergleichsweise kleine Population auf einem vergleichsweise kleinen Planeten sein. Ja, das könnte in der Tat sein, gibt Simpson zu. Nur sei es eben eher unwahrscheinlich.

Quelle: n-tv.de

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