Frage & Antwort

Altersweitsicht und Grauer Star Kann man das Altern der Augen aufhalten?

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Wenn man den Arm weit ausstrecken muss, um lesen zu können, ist es Zeit für eine Sehhilfe.

(Foto: imago/Panthermedia)

Wenn man mit den Jahren nichts mehr ohne Brille lesen kann, ist das für viele Betroffene unangenehm. Vitamine, spezielle Ernährung oder besonderes Licht sollen helfen, das Altern der Augen aufzuhalten. Aber was hilft wirklich? Ein Experte gibt Antworten.

Gleitsicht- oder Lesebrille: Ab einem gewissen Alter kommt man um solche Sehhilfen nicht mehr herum, wenn man auch Kleingedrucktes lesen will. Die nachlassende Sehkraft, vor allem im Nahbereich, gehört als normale Alterserscheinung zu einer Vielzahl körperlicher Veränderungen. Das Altern des Körpers aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, ist ein alter Menschheitstraum und bis heute Antrieb für viele Forscher. Ob das für die Augen bereits möglich ist, weiß Professor Oliver Zeitz, Leitender Oberarzt in der Klinik für Augenheilkunde der Charité.

"Erst einmal muss man herausbekommen, ob und weshalb die Sehkraft nachlässt", sagt Zeitz im Gespräch mit ntv.de. "Was jeden von uns betrifft, ist die sogenannte Altersweitsichtigkeit, die ungefähr ab dem 40. Lebensjahr einsetzt", erklärt er. Betroffene bekommen dann eine passende Lesebrille und können das Kleingedruckte wieder gut erkennen. "Bei dieser ganz normalen Alterserscheinung kann mit Brille eine volle Sehschärfe erreicht werden", klärt Zeitz auf.

Darüber hinaus gibt es bestimmte Erkrankungen der Augen, die im Alter häufiger auftreten. Diese setzen frühestens mit dem 50. bis 60. Lebensjahr ein, bei vielen sogar noch später. "Dabei handelt es sich um die altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, und den Grauen Star, oft auch als Katarakt bezeichnet. Beides sind Erkrankungen, bei denen die Sehschärfe der Augen verloren geht", so Zeitz. Dieser krankheitsbedingte Verlust der Sehkraft kann dann auch nicht mehr durch eine Brille ausgeglichen werden. Der Graue Star erfordert eine Operation, durch die die Sehschärfe wiederhergestellt werden kann. Unter dem Grauen Star leidet laut Berufsverband der Augenärzte Deutschland e.V. (BVA) hierzulande beispielsweise jeder Zweite in der Altersgruppe der 52- bis 64-Jährigen, viele davon, ohne es zu wissen. Die aggressive feuchte Form der AMD kann durch Medikamente behandelt werden; für die trockene Form gibt es bislang keine Therapie.

Viele Angebote, keine nachweisbaren Wirkungen

Nun werden gegen die Altersweitsichtigkeit vor allem im Internet verschiedene Trainings, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel angeboten. "Nichts davon ist so wirksam, dass man es in der augenärztlichen Praxis verschreiben könnte", fasst Zeitz zusammen. Lediglich bei der AMD gibt es die Empfehlung für eine vitamin- und ballaststoffreiche Kost oder die Einnahme von Vitamintabletten. So kann das Fortschreiten der AMD etwas gebremst werden. Das ist in Studien erwiesen, auch wenn der Effekt nur gering ist. AMD ist die häufigste Erblindungsursache bei älteren Menschen in Deutschland. Rund 5000 Menschen erblinden nach Angaben des BVA jedes Jahr wegen dieser Erkrankung der Augen.

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In einer aktuell veröffentlichten Pilotstudie schlagen Forscher vom University College London vor, die Beeinträchtigung der Sehkraft im Alter durch eine Lichtdusche aufzuhalten. Dabei soll das Licht mit 670 bis 1000 Nanometern Wellenlänge besonders wirksam sein. Die Forscher sind der Auffassung, dass schon eine dreiminütige Bestrahlung der Augen ausreicht, um die energiehungrigen Retinazellen neu aufzuladen. Bei ersten Tests mit 24 Probanden im Alter von 28 bis 72 Jahren konnten den Angaben zufolge erste Verbesserungen erzielt werden. "Die Idee, die Energieversorgung der lichtempfindlichen Sinneszellen zu verbessern, ist sicher gut. Ob das auf dem Wege der vorgeschlagenen Lichtstimulation funktioniert, wage ich nicht einzuschätzen", sagt Zeitz dazu.

Übrigens: Raucher können sehr viel für die Gesundheit ihrer Augen tun, denn: "Rauchen ist der einzige Umweltfaktor, der für das Voranschreiten der AMD eine nachweisbare Rolle spielt. Patienten, die unter einer Frühform der AMD leiden, sollten deshalb schnellstmöglich mit dem Rauchen aufhören. Ansonsten treiben sie mit jeder Zigarette den Krankheitsverlauf noch weiter voran", fasst Zeitz abschließend zusammen.

Quelle: ntv.de