Riekes Rückspiegel

Was war am 15. November? Der Tag, als die DDR ihre letzte WM vergeigte

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Ulf Kirsten kann's nicht fassen: Die Fußball-Nationalelf der untergehenden DDR verpasst gegen Österreich den letzten großen Coup.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Die Mauer ist weg, die DDR noch da - und die WM-Teilnahme zum Greifen nahe: Mitte November 1989 bietet sich der ostdeutschen Fußball-Nationalelf eine historisch-kuriose Chance. Doch dann wird sie "beschissen", ist Trainer Ede Geyer überzeugt.

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Wussten Sie, dass … die Fußball-Nationalmannschaft der DDR beinahe zur WM 1990 gefahren wäre? Dass daraus nichts wurde, liegt an einem denkwürdigen Spiel heute vor 30 Jahren: Am 15. November 1989 verliert die ostdeutsche Elf deutlich in der Qualifikation gegen Österreich und vergibt damit die letzte Chance auf einen großen Auftritt.

Die Ausgangslage an jenem Mittwoch mitten im November ist eigentlich prächtig. Das DDR-Team benötigt im anstehenden Auswärtsspiel im Wiener Praterstadion - dem heutigen Ernst-Happel-Stadion - nur einen Punkt, um in Gruppe 3 als Zweiter hinter der Sowjetunion die zweite WM-Teilnahme nach 1974 klarzumachen. Zudem ist die Mannschaft von Trainer Eduard "Ede" Geyer gespickt mit Stars wie Matthias Sammer, Ulf Kirsten und Andreas Thom. Doch das Wort "eigentlich" drängt den Sport in diesen Tagen ins Abseits.

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Das war noch vor der Partie: DDR-Trainer Ede Geyer ist danach gar nicht mehr zum Lächeln zumute.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Das letzte Quali-Spiel der Auswahl des Deutschen Fußball-Verbandes (DFV) findet nur sechs Tage nach der Maueröffnung statt, die DDR taumelt im freien Fall ihrem Untergang entgegen. Dennoch sind die DFV-Spieler in den heute modisch diskutablen himmelblauen Trikots gewillt, ihre möglicherweise größte Chance auf eine WM-Teilnahme zu ergreifen. Allein, die zeitgeschichtlichen Wirren gehen offenbar auch nicht an ihnen spurlos vorbei. Es scheint zur Situation zu passen, dass Rico Steinmann beim Zwischenstand von 0:2 nach 30 Minuten einen Elfmeter gut haltbar für den österreichischen Torwart Klaus Lindenberger verschießt.

"Wir sind schon echt beschissen worden"

Trainer Geyer erinnert sich 2014 bei n-tv.de an den denkwürdigen Spieltag - wenn auch etwas widerwillig: "Natürlich erinnert man sich an viele Szenen und an das Spiel. Und dass ich als Trainer die WM erleben wollte. Damals war eine Woche vorher die Grenze aufgegangen. Man wusste nicht, wo es langgeht, es ging auch los mit dem Ausverkauf", sagt er in dem Interview. Seinen Spielern wirft der als Schleifer berüchtigte Trainer aber keinen mangelnden Einsatz vor. Vielmehr hadert er mit der Spielleitung des Polen Piotr Werner: "Wir hatten großes Pech mit dem Schiedsrichter", sagt er: "Wir sind dort schon echt beschissen worden. Die Situation war für mich als Trainer bedrückend und äußerst schwierig." Dann stellt er klar: "Wir waren besser als die Österreicher, obwohl wir verloren haben."

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Für diese bedeutsame DDR-Niederlage sorgt Österreichs Toni Polster quasi im Alleingang. Beim 3:0 des ÖFB-Teams erzielt die spätere Klubikone des 1. FC Köln alle drei Tore, das erste bereits in der 2. Spielminute. Statt nach Ost-Berlin ging das symbolische WM-Ticket nach Wien, die DDR-Elf hatte ihren letzten großen Auftritt auf der Fußballbühne, die sich Mitte 1990 in Italien bot, verspielt. Dort gewinnt schließlich das BRD-Team den Titel. Für die DDR-Nationalmannschaft gehen dann nach dem 2:0-Sieg gegen Belgien am 12. September 1990 in Brüssel die Lichter aus.

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Redakteur Christoph Rieke wirft in "Riekes Rückspiegel" täglich einen Blick in die Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de