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#ImNoAngel feiert Plus-Size Gerippe und Wuchtbrummen im Kilo-Krieg

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Ein Dessous-Label wirbt mit 90-60-90-Models, eins wählt Plus-Size-Schönheiten. Ihr Ziel verfehlen damit beide.

(Foto: Twitter/lanebryant)

Dralle Ladies statt dürrer Engel - so schießt ein Unterwäschelabel gegen Konkurrent "Victoria's Secret". Der viel umworbenen "echten Frau" ist damit wenig geholfen. Wer nicht unauffällig genug ist, muss sich für jedes Kilo rechtfertigen.

Das typische Model ist groß und schlank - zuweilen knochig, mag sein. Die Engel von Unterwäschehersteller "Victoria's Secret" kommen dem 90-60-90-Ideal jedenfalls verdammt nah. Vielleicht warb die Firma auch deswegen im vergangenen Oktober unter dem Slogan "The Perfect Body" (Der perfekte Körper) für eine neue Linie mit bequemer Unterwäsche.

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Weltweit hagelte es dafür Kritik. Schließlich können die wenigsten Frauen sichtbare Bauchmuskeln und Ananas-große Hohlräume zwischen den Oberschenkeln vorweisen.

Ein US-amerikanischer Modehersteller geht mit seiner Kampagne nun gezielt gängige Schönheitsideale an. Unter dem Hashtag #ImNoAngel (Ich bin kein Engel) kritisiert Lane Bryant die Standards von "Victoria's Secret" und fordert: "Definiere 'sexy' neu".

"Was sexy ist, definiert jede Frau"

Wie zur Gegenüberstellung mit der Engel-Kampagne posieren für Lane Bryant sechs bekannte Plus-Size-Models in lässigen Posen: Ashley Graham, Marquita Pring, Candice Huffine, Victoria Lee, Justine Legault und Elly Mayday. Als Alternative für die Gleichung "dünn ist attraktiv" wird mit Übergrößen eine neue Wahlfreiheit angepriesen: "Was sexy ist, definiert jede Frau, nicht nur ein paar wenige."

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Mal ganz unabhängig davon, dass Models wie Candice Swanepoel, Toni Garrn oder Behati Prinsloo bei der Festsetzung ästhetischer Maßstäbe sicherlich herzlich wenig mitzureden hatten, verfehlt die #ImNoAngel-Kampagne auch ihren Zweck. Das Marketing-Konzept sei darauf ausgerichtet, "alle Frauen darin zu bestärken, jeden Teil von sich zu lieben", zitiert das Portal "Metro" Lane-Bryant-Chefin Lina Heasley. Doch genauso wie die angeprangerte "Victoria's Secret"-Werbung versagt auch ihr Unternehmen darin, die tatsächliche Vielfalt des weiblichen Körpers abzubilden.

Nicht perfekt, aber glücklich

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Müssen es denn immer Gerippe oder Wuchtbrummen sein? Mit den angepriesenen "echten" Körpern dazwischen lässt sich ganz offensichtlich nicht das ausreichende Maß an Aufmerksamkeit generieren. Anders lässt es sich kaum erklären, dass die "The Perfect Body"-Parodie des britischen Dessous-Labels "Curvy Kate" auf wesentlich weniger Unterstützer im Netz kommt. Dabei zeigt das Unternehmen tatsächlich Frauen in verschiedenen Formen - kaum retuschiert, nicht perfekt frisiert, aber glücklich.

Plus-Size ist Trend. Deswegen dürfen kurvige Frauen aufs Cover der Modebibel "Vogue" und bekommen ein eigenes Motiv im Pirelli-Kalender. Doch sie sind nicht per se besser, gesünder oder "sexier" als die Gazellen der großen Laufstege. Kaum eine Frau kennt keine Unsicherheiten beim Blick in den Spiegel. Wer Makel entdeckt, muss sie auch nicht lieben - wie Lane Bryants Lina Heasley suggeriert. Man kann Makel korrigieren oder lernen, mit ihnen zu leben. Akzeptanz ist hier das Stichwort.

Kilo-Druck trifft alle Frauen

"Ich mache Hintern wieder zum Trend, geh', sag' das den dünnen Schlampen", singt Popsternchen Meghan Trainor in ihrer ach so Körper-positiven Hymne "All About That Bass". Das nachgeschobene "Ich mache nur Spaß" hilft da auch nicht mehr: Lastete der Rechtfertigungsdruck bezüglich der Kilos bislang bei den kurvigen Ladies, haben ihn nun die dünnen Damen am Bein. Das muss doch nicht sein.

Würden Werber und Unternehmen endlich mal aus ihren Schubladen herauskriechen, könnten sie vielleicht tatsächlich etwas entwickeln, das alle - oder wenigstens doch viele - Frauen anspricht, ohne einzuschüchtern. "Body Shaming", jemanden aufgrund seiner Figur zu verurteilen, funktioniert in beide Richtungen - keine davon ist in Ordnung.

Quelle: n-tv.de