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Großer Tag für die Raumfahrt Europa probt die Mars-Landung

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Sorgen heute für aufregende Momente: der Mars-Orbiter TGO und das Landegerät Schiaparelli.

(Foto: ESA/ATG medialab )

Die Mission ExoMars ist am Ziel, der Rote Planet ist erreicht. Jetzt stehen dem Raumflugkontrollzentrum der Esa in Darmstadt dramatische Stunden bevor. Was es heute so spannend macht und worum es bei ExoMars geht, hier im Überblick:

Die aufregendsten Minuten des Tages: Um 16.42 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit tritt die Esa-Sonde Schiaparelli in die Mars-Atmosphäre ein. Ihre Geschwindigkeit beträgt zu diesem Zeitpunkt mehr als 20.000 km/h. Nur sechs Minuten später, um 16.48 Uhr, soll die Sonde weich auf der Oberfläche des Roten Planeten aufsetzen. Läuft alles nach Plan, wäre es das erste Mal, dass einer europäischen Sonde die Landung auf dem Mars gelingt. Bis die Meldung über Erfolg oder Misserfolg auf der Erde ankommt, können allerdings etwa zwei Stunden vergehen. So lange dauert es, bis verschiedene Mars-Orbiter Schiaparellis Signale eingefangen und zur Bodenstation geschickt haben.

Das wichtigste Manöver des Tages: Die Schiaparelli-Landung ist technologisch von großer Bedeutung. Doch womit die ExoMars-Mission letztlich steht und fällt, ist der TGO, der Trace Gas Orbiter. Er soll jahrelang um den Roten Planeten kreisen und Forschungsarbeit leisten. Unabdingbare Voraussetzung: Der TGO muss in die Mars-Umlaufbahn einschwenken. Das geschieht durch ein schwieriges und komplexes Bremsmanöver, bei dem der Kontakt von der Erde zur Sonde zeitweise unterbrochen ist. Das Manöver beginnt um 15.04 Uhr und dauert mehrere Stunden. Der TGO ist also auch dann noch mit dem Eintritt in den Mars-Orbit beschäftigt, wenn Schiaparelli landet.

Was Schiaparelli nach der Landung macht: Das Gerät hat keine wissenschaftlichen Aufgaben. Mit Schiaparelli werden die Technologien für eine Mars-Landung getestet, sodass man für den Rover, der 2020 folgen soll, Bescheid weiß. Setzt Schiaparelli unversehrt auf dem Roten Planeten auf, nimmt er zwar einige Messungen vor (etwa Temperatur, Druck und Elektrizität in der Atmosphäre), doch auch das sind vor allem technologische Tests. Sie sollen zeigen, dass die Kommunikation über den Orbiter mit der Erde funktioniert. Schiaparelli wird nur wenige Tage überleben.

Wie es mit dem Orbiter weitergeht: Ist der TGO erfolgreich in die Mars-Umlaufbahn eingeschwenkt, muss er nach und nach in einen niedrigeren Orbit gebracht werden. Das geschieht abermals durch Bremsmanöver und nimmt viel Zeit in Anspruch: etwa ein Jahr. Ende 2017 kann der TGO dann seine wissenschaftliche Arbeit aufnehmen.

Die Aufgaben des TGO: Er soll die Zusammensetzung der Mars-Atmosphäre untersuchen. Das Hauptaugenmerk der Wissenschaftler liegt dabei auf Methan. Auf der Erde stammen nur 10 Prozent des Methans aus geologischen Prozessen, 90 Prozent werden von Bakterien erzeugt. Methan kann daher ein Hinweis auf einfache Lebensformen sein. Die Daten des TGO sollen verraten, aus welchen Quellen das Methan in der Mars-Atmosphäre stammt. Der Orbiter hat hochempfindliche Instrumente an Bord, mit denen sich bereits kleinste Konzentrationen messen lassen und mit denen sich genau nachweisen lässt, wann und wo Methan auftaucht. In gut vier Jahren soll der TGO dann außerdem die Kommunikation mit dem Rover sicherstellen.

Was es mit dem Rover auf sich hat: Er soll 2020 zum Mars starten und hat nach seiner Ankunft die Aufgabe, im Marsboden nach Leben zu suchen. Anders als bisherige Mars-Roboter kann er zwei Meter tief bohren. Während die Mars-Oberfläche keine guten Bedingungen für Mikroorganismen bietet, könnte es ein Stück tiefer ganz anders aussehen. Die Bohrungen gelten daher als beste Möglichkeit, Hinweise auf Leben zu finden.

ExoMars in aller Kürze: Für die Mission arbeiten die Europäische Weltraumorganisation Esa und das russische Pendant Roskomos zusammen. Nach 15-jähriger Vorbereitungszeit war ExoMars im März 2016 zum Mars gestartet. Ziel ist es, nach vergangenem oder gar aktuellem Leben auf dem Nachbarplaneten zu suchen. Zunächst besteht die Mission aus dem Orbiter TGO und dem Test-Landegerät Schiaparelli, bis 2020 der Rover folgen soll. Nach den USA wäre dann auch Europa mit einem Fahrzeug auf dem Mars vertreten. Denn auch das ist ein Ziel von ExoMars: zu zeigen, dass Europa alle nötigen Technologien beherrscht, um bei der Exploration des Sonnensystems ganz vorne mit dabei zu sein.

Quelle: n-tv.de

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