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Künstlerische Darstellung einer Dyson-Sphäre, wie sie beim Stern KIC 846285 vermutet wurde.
Künstlerische Darstellung einer Dyson-Sphäre, wie sie beim Stern KIC 846285 vermutet wurde.(Foto: Danielle Futselaar/SETI International)
Freitag, 25. Dezember 2015

Keine Radiosignale entdeckt: Rückschlag bei Erforschung von "Alien-Stern"

Von Kai Stoppel

Seltsame Beobachtungen beim Stern KIC 8462852 verleiten Forscher zu der Annahme, dort könnte eine Alien-Zivilisation gigantische Strukturen im All errichtet haben. Doch die jüngsten Untersuchungen enttäuschen.

Für viel Aufsehen sorgte im Oktober 2015 die Entdeckung seltsamer Helligkeitsschwankungen des Sterns KIC 8462852. In unregelmäßigen Abständen verdunkelt sich das Licht des Sterns unerwartet stark. Die Entdeckung wurde 2011 vom Weltraumteleskop Kepler gemacht. Über mehr als drei Jahre hinweg hatte das Teleskop bei der Suche nach fernen Planeten rund 150.000 Sterne untersucht. Jedes Mal, wenn ein Exoplanet vor einem der Sterne vorbeiflog, gab es eine kleine Helligkeitsschwankung.

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Doch bei dem rund 1480 Lichtjahre entfernten Stern KIC 8462852 war das anders. Ganz anders. Nur zum Vergleich: Der größte Planet unseres Sonnensystems, Jupiter, würde einen Rückgang der Helligkeit unserer Sonne von gerade mal einem Prozent verursachen. Der bei KIC 8462852 beobachtete Rückgang betrug jedoch bis zu 22 Prozent. Dafür müsste das entsprechende Objekt etwa den halben Durchmesser des Sterns haben. Jupiter - um bei dem Beispiel zu bleiben - kommt jedoch nur auf ein Zehntel des Sonnendurchmessers.

Ein Planet kommt für die seltsame Beobachtung damit nicht infrage. Auch viele andere bekannte Phänomene wurden ausgeschlossen. Wissenschaftler äußerten daher die Vermutung, dass eine gigantische künstliche Struktur den Stern umkreist - erbaut von einer technisch hochentwickelten Alien-Zivilisation. Ein Beispiel für so eine gewaltige Konstruktion wäre etwa eine sogenannte Dyson-Sphäre, eine gigantische Kugel mit hunderten Millionen Kilometern Durchmesser, die den Stern zumindest zum Teil umschließt und mit riesige Solarpanelen dessen Energie absorbiert. Als weitere Möglichkeiten wurden ein Dyson-Schwarm - eine Vielzahl von einzelnen Solarpanelen, die um den Stern kreisen -, bewohnte Habitate oder eine Art okkultes Objekt in Betracht gezogen, das über einen langen Zeitraum den Bewohnern anderer Sternensysteme Signale und Zeichen übermitteln soll.

Untersuchung auf gezielte Nachrichten an uns

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Nach der Entdeckung war daher der nächste logische Schritt herauszufinden, ob sich noch weitere Hinweise für eine Alien-Zivilisation in der Nähe des Sterns finden lassen. Etwa künstliche Radiowellen, wie sie auch von der Menschheit verwendet werden. Oder, dachten sich die Wissenschaftler, vielleicht haben die Aliens auch uns bereits entdeckt und versuchen nun, mit einem auf die Erde gerichteten Laserstrahl auf sich aufmerksam zu machen.

Daher wurde das Seti-Institut (Search for Extraterrestrial Intelligence) hinzugezogen, ein astronomisches Projekt zur Suche nach technischen Zivilisationen im All. Zuerst suchte man nach möglichen Laserstrahl-Signalen von KIC 8462852. Zwischen Ende Oktober und Ende November untersuchte das Boquete Optical Seti Observatorium in Panama den seltsamen Stern. Das Resultat: ernüchternd. Douglas Vakoch, Präsident von Seti International, fasste es in einem Bericht so zusammen: "Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, dass eine fortschrittliche Zivilisation absichtlich Laser-Signale in Richtung Erde sendet." Ein erster Rückschlag.

Als Nächstes wurde nach Radiowellen gesucht, die ebenfalls bei technischen Zivilisationen als vorhanden angenommen werden. Bei der Untersuchung mit dem Allen Telescope Array in Kalifornien nahm man sich laut eines Berichts von Seti-Astronom Seth Shostak zwei Bandbreiten vor. Bei der einen geht man davon aus, dass Außerirdische sie als Signal für gezielte Botschaften an andere Bewohner der Milchstraße ins All senden würden. Die andere Bandbreite wird als eine Art Abfall-Produkt von Raumschiffantrieben für möglich gehalten.

Zerbrochener Komet die wahre Ursache?

Das Ergebnis: nichts. Zwar schreibt Shostak, dass damit die Verwendung von Radiowellen nicht ausgeschlossen werden könne. Aber sie sei damit sehr unwahrscheinlich. Er schloss: "Die Geschichte der Astronomie lehrt uns, dass, immer wenn wir glaubten, ein Phänomen beobachtet zu haben, das auf die Aktivitäten von Außerirdischen hindeutet, wir damit falsch lagen." Sein Seti-Kollege Vakoch wurde noch deutlicher: "Die Hypthose einer gigantischen, von Außerirdischen gebauten Struktur bricht in sich zusammen."

Bleibt die Frage: Was verursacht dann die beobachteten Verdunkelungen des Sterns? Vakoch schreibt, die derzeit wahrscheinlichste Ursache seien Fragmente eines zerbrochenen Kometen. Diese könnten in einer extrem elliptischen Bahn um das Zentralgestirn kreisen und so die unregelmäßigen Verdunkelungen verursachen. Allerdings gilt dies unter Forscher als großer kosmischer Zufall, da diese stark elliptischen Bahnen nur für kurze Zeit existieren. Was die Suche nach der Ursache für das merkwürdige Verhalten von KIC 8462852 angeht, kann man wohl festhalten: Es bleibt spannend.

Quelle: n-tv.de