Leben

Aus der Schmoll-Ecke Da lag Grinse-Höcke total daneben

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Das Rechen-Genie Björn Höcke freut sich manchmal über unbekannte Dinge.

(Foto: imago images/Jacob Schröter)

Der Anstieg wilder Prognosen und Warnungen aus Politikermündern ist nach wie vor exponentiell. Zum Glück ist mit Armin Laschet nun ein visionärer Realist CDU-Oberhirte. Während Björn Höcke beim Versuch, sich an Verquerte ranzuwanzen, krass scheitert.

Ein Visionär! Endlich hat Deutschland wieder einen Visionär!!! Am liebsten würde ich hier 500.000 Ausrufezeichen setzen und dann diese Kolumne nur noch mit dem Namen enden lassen: Armin Laschet. Das wäre die allererste schwafelfreie Schmoll-Ecke. Geht leider nicht. Dann würde mich ntv.de fragen, ob ich jetzt völlig durchgeknallt sei und dafür wirklich Kohle wolle. Also schreibe ich weiter. Denn: Sie kennen mich. Ich bin Thomas Schmoll und darauf können Sie sich verlassen. Ich habe noch immer die blecherne Hundemarke des Pudels meiner Oma, die sie mir auf dem Sterbebett mit den Worten überreichte: "Schreib den Leuten, sie können dir vertrauen." Also: Vertrauen Sie mir. Ich weiß, was ich schreibe.

Armin Laschet, ein Christ und Demokrat, kurzum: ein Christdemokrat. Armin der Lasche besiegte mit Gottes Hilfe Norbert den Belanglosen und Friedrich III., den König der Hybris, der den Volkshochschulkurs "Entwicklung politischer Strategien" geschwänzt hat. Armin der Lasche ist es, der nun kühne Pläne für die Zeit nach Angela der Ewigen und der Pandemie hat, die er mit seinem Ministranten Jens der Ungeimpfte umsetzen will. So sprach Armin der Lasche nach seiner Kür zum Oberhaupt der Christdemokraten zum ARD-Volke: "Das, was jetzt ansteht, ist die Zeit danach." Grandios! Einfach nur grandios! Eine Million Ausrufenzeichen. "Ich hab ja mit Jens Spahn den Vorschlag gemacht: Wir brauchen ein Modernisierungsjahrzehnt." Auch wenn Armin der Lasche zum Inhalt Nullkommanix sagte, kann ich nur rufen: Genial! 70 Millionen Ausrufezeichen. Kein CEO, hier ist ein Berufschrist am Werk, der die Ärmelschoner hochkrempelt. Großartig! Ein Modernisierungsjahrzehnt. Ganz ohne Inhalt. Das wird was. Ich freu mich drauf.

Über die CDU darf man Witze machen

Haha, hoho, sehr lustig. Und erlaubt. Denn die CDU gehört zu den Bösen, über die man Witze machen darf. Die Chinesen, dieses rechtschaffene Volk, das von einer tadellosen Regierung geführt wird, die die Menschenrechte achtet, die sind gut, weshalb man sich nicht über sie lustig machen darf. Denn wenn sich viele Betroffene betroffen fühlen oder auch nur fühlen könnten, dann ist das kein Witz, sondern Rassismus. Martin Sonneborn, ein alter weißer Mann wie ich, wagte es, China in den Mittelpunkt einer Albernheit zu stellen. Er twitterte ein T-Shirt mit der Aufschrift "AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA! abem Sie Guter FrLug runtel! Printed in China für Die PARTEI". Das sollte ein Haha-Hoho-Verweis darauf sein, dass der Merchandising-Plunder für Donald Trumps Wahlkampf aus China kam. Gähn.

Was Sonneborn zum Syrien-Krieg im EU-Parlament in Richtung von Alexander Sebastian Léonce Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff, Künstlername Alexander Graf Lambsdorff, sagte, darüber darf natürlich gelacht werden: "Lieber Graf, wenn Sie unbedingt in den Krieg ziehen wollen, niemand hindert Sie. Fallschirmspringen hat ja eine gewisse Tradition in der FDP." Hahaha. Hohoho. Das brachte Sonneborn bei Twitter mehr als 15.000 Herzileins. Denn Mitglieder*innen und Wähler*innen der FDP zählen nicht zu den "Betroffenen", da ist Zynismus ein erlaubtes Mittel im Kampf um und für das Gute.

Beim Geld hört der Spaß auf

Saukomisch und ebenfalls bisher nicht auf dem Index sind auch diese Sätze: "Das schreckliche Mandat im EU-Parlament werde ich als PARTEI-Loser bis zum bitteren Ende ausführen. Ich könnte das Leid nicht verantworten, das ein*e Nachrücker*in statt meiner ertragen müsste." So sagte es ein mir bis dato unbekannter Spaßmacher namens Nico Semsrott, der aus "Protest" gegen Rassist Sonneborn aus irgendeiner Partei ausgetreten ist, aber auf all die Vergütungen, die der Sitz in einem kuscheligen Parlament mit sich bringt, nicht verzichten will. Verlogene Selbstlosigkeit als Wortspiel getarnt. Bei der Kohle hört der Spaß eben auf. Hahaha. Hohoho.

Das Lustigste dieser Wochen und Monate ist, dass man Satire von der Realität nicht mehr unterscheiden kann. Es ist putzig, wenn Maybrit Illner in der x-ten Sendung zum fiesen Virus fragt: "Was macht das mit den Bürgern?" Die lachen sich schlapp. Haha. Hoho. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen möchte eine "Schweigepflicht" im öffentlichen Nahverkehr, was die gruselige Atmosphäre, die das Land seit Monaten einhüllt wie die Folie die Gurke, nicht besser machen würde. Und was, wenn das Gesundheitsamt gerade anruft und mitteilen will: Sie hatten gestern Kontakt mit einem Corona-Infizierten, gehen Sie sofort nach Hause? Haha. Hoho.

"Halbtotalitäre Fantasie"

Köstlich ist auch, dass das Bündnis "ZeroCovid" einen "solidarischen europäischen Shutdown" befürwortet und ernsthaft fordert, "Impfstoffe sollten der privaten Profiterzielung entzogen werden" sowie "die Einführung einer europaweiten Covid-Solidaritätsabgabe auf hohe Vermögen, Unternehmensgewinne, Finanztransaktionen und die höchsten Einkommen". Erst stecken die Geldgeber von Biontech mehr als ein Jahrzehnt lang zig Millionen in das Unternehmen, das einen der Impfstoffe entwickelt hat, der die Welt rettet, dann sollen sie ihn verschenken und obendrein auch noch blechen. Da wundert es nicht, wenn selbst die Taz von einer "halbtotalitären Fantasie" redet. Hahaha. Hoho.

Wenn Sie sich einmal schlapplachen wollen, dann schauen Sie sich das MDR-Sommerinterview mit Björn Höcke von der AfD an, in dem er sich an Besorgte, Verquerte und Verirrte ranwanzte. Natürlich fand er den Begriff Corona-Leugner "stigmatisierend" - ganz anders als "Kopftuchmädchen" und "Messermänner". Der MDR-Journalist Lars Sänger, der Höcke Ende August (!) befragte, verwies auf den steten Anstieg der Infektionen schon im Spätsommer. "Die Zahlen steigen nicht weiter an, Herr Sänger. Ich muss Sie korrigieren", sagte Höcke unter mehrfacher Anwendung seines süffisanten Grinsens, bei dem ich mich immer frage, woraus sich das eigentlich speist. Weil er zwei Meter groß, kräftig und naturblond und deshalb überlegen ist? Weil er an seine Frau denkt? Oder an einen Auftritt im wiederaufgebauten Sportpalast?

"Corona ist vorbei"

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So fuhr der grinsende Höcke fort: "Also Zahlen sind ja viel im Umlauf. Und wenn man den Faktencheck macht, dann wird man erkennen, dass wir im Augenblick etwa 100.000 Testungen am Tag haben. 100.000 Testungen. Der Standardtest, der durchgeführt wird, hat eine Falsch-Positiv-Meldung von zwei Prozent. Zwei Prozent von 100.000 sind?" Damit Sänger gar nicht erst nachdenken und Grinsebacke Höcke glänzen konnte, wartete der Interviewte nur ein Sekündlein, ehe er mit den Fingern schnipste und sagte: "2000. Wie sind die Zahlen des RKI im Augenblick? 1000." So schnell konnte ich gar nicht denken, wie das grinsende Zahlen-Genie rechnete. Da hat sich das Üben daheim vor dem "Spiegel" oder der "Gala" oder der "Bunte" gelohnt. "Wir haben wahrscheinlich statistisch nur den Ausfluss von positiv falsch getesteten Menschen." Überlegenheitsgrinsen. "Corona ist vorbei. Corona wird auch nicht wiederkommen."

Was für eine Prognose! Fünf Milliarden Ausrufezeichen. Da wundert es nicht wirklich, dass Thüringen und Sachsen, die Hochburgen von Höckes Bruderschaft, Hotspots des fiesen Virus sind und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer beim Schneeschippen Besuch von Verquerten bekommt. Ich muss sagen: Da sind mir die Visionen des Armin Laschet dann doch lieber.

Quelle: ntv.de