Ratgeber

Zaster in Not Was bringt der "Weltuntergangsfonds"?

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Wann es wieder mal zu einem wie immer gearteten Crash kommt, kann niemand wirklich wissen ...

(Foto: imago/Xinhua)

Mit der Voraussage der finanziellen Apokalypse lässt sich trefflich Geld verdienen. Zum Beispiel mit einem passenden Finanzprodukt, der das Ersparte vor der Kernschmelze rettet. Auch die Autoren Friedrich und Weik sorgen sich um das Wohl der Bürger. Und helfen mit dem Wertefonds aus. Warentest gibt eine Bewertung ab.

Die Autoren, Ökonomen und Gründer einer Honorarberatung, für Privatpersonen und Unternehmen, Marc Weik und Matthias Friedrich, sind dem einen oder anderen schon untergekommen. Beschwören die beiden doch seit einigen Jahren bei ihren Vorträgen und ihren Büchern den finanziellen Weltuntergang. Letztere sind absolute Bestseller. Tenor: Der Euro kann nicht funktionieren, der Währungscrash wird kommen und mit ihm wird sich sogenanntes Papiergeld mehr oder weniger in Luft auflösen.

Aber auch für die vollkommen überbewerteten Aktien- und Immobilienmärkte sehen die beiden Schwaben schwarz. Sprich, das Ersparte ist in Gefahr und wer auf herkömmliche Anlageformen (Festgeld, Lebensversicherungen, Standardaktienfonds oder die überteuerte eigene Immobilie) setzt, ist dem monetären Untergang geweiht. Wie gut, dass Weik und Friedrich gleich dem derart bedrohten Bürger zur Seite stehen und das für die große Krise passende Finanzprodukt anbieten. Nämlich den Friedrich & Weik Wertefonds.  

Crash bis spätestens 2023?

Und der kommt gerade recht, zumindest wenn man den beiden Crash-Propheten glauben schenken mag. Denn die sagen voraus, dass das Finanzsystem bis spätestens 2023 vollends vor die Wand gefahren sein wird. Was an dieser Stelle von unserer Seite keinesfalls prognostiziert sein soll. Zwar verfügt auch die Stiftung Warentest über keine Glaskugel, aber die Experten haben sich zumindest mal angeschaut, wie sich der Weltuntergangsfonds seit seiner Auflegung im Januar 2017 bisher so geschlagen hat. Und stellen zunächst mal fest, dass es sich bei dem Produkt um einen Mischfonds handelt, der die Anlageklassen Gold, Minen­aktien, ­Aktien, Sach­werte und Barvermögen beinhaltet. Zu den Sach­werten zählt unter anderem ein Silber-ETF, perspektivisch strebt der Fonds auch Anlagen in Diamanten, Wald und Acker­land an. Die Bargeldquote liegt aktuell bei rund 20 Prozent.

Mit diesem Mix soll der Wertefonds "reale Vermögens­sicherung in Zeiten über­bordender Schulden und historischen Nied­rigzinsen" bieten. Und weiter heißt es laut Werbung, der Fonds sei "einzig­artig, werterhaltend, breit gestreut, frei handel­bar, voll­kommen trans­parent, ehrlich" und "faire Kosten" haben. In einigen Punkten meldet Finanztest dann aber doch Wider­spruch an.

Bescheidene Wertentwicklung

Zum Beispiel bei der Wertentwicklung. Seit Januar 2017 bis zum Stichtag 8. Januar 2020 hat der Fonds gerade einmal 4,4 Prozent Rendite erzielt. Was nicht so viel ist, wenn man bedenkt das der globale Aktienmarkt im gleichen Zeitraum um 38 Prozent und der Gold­preis um fast 29 Prozent gestiegen ist. Weik, Friedrich und ihre Anhänger würden jetzt vermutlich anführen, dass der Wertefonds vor allem für den Worst Case konzipiert ist und es ja bis 2023 noch ein Weilchen hin ist und insofern die Performance nicht mit den genannten Wertentwicklungen vergleichbar sind. Womit sie dann wohl auch recht hätten.

Aber weiter im Text. Auch die Kosten von 1,94 Prozent pro Jahr sind Warentest zufolge selbst für einen aktiv gemanagten Fonds relativ teuer. Hinzu kommt dann noch aber eine eigenwil­lige Erfolgs­gebühr. Liegt die Wert­entwick­lung über dem harmonisierten Verbraucher­preis­index plus 3 Prozent­punkte pro Jahr, gehen von dem Über­schuss 7,5 Prozent für die Gebühr ab. Nur zum Trost, bisher musste die Gebühr von den Anliegern nicht berappt werden.

Moral, ­Anstand und Ethik?

Und auch wie die für den Fonds propagierte Idee von "Moral, ­Anstand und Ethik" zur Anlage in Gold­minen­konzernen oder Diamanten passt, bleibt den Testern schleierhaft. Denn die Gold­förderung steht ja bekannterweise in einem gewissen Konflikt mit dem Umwelt­schutz. Aber auch der Besitz von Gold­barren und -münzen ist ethisch-ökologisch als zumindest problematisch zu bewerten.

Abschließend gibt Warentest Anlegern die Empfehlung, ihr Vermögen am besten auf eigene Faust kostengünstig zu streuen. Zum Beispiel durch eine Teilinvestition in einen kostengünstigen weltweitanlegenden ETF. Gold könne derart beispielsweise in einem börsen­gehandelten Gold-ETC erworben werden.

Übrigens, mit dem Tagesgeschäft des Fonds haben Friedrich und Weik selbst nichts zu tun, hierfür gibt es ein eigenes Management. Hinter dem Wertefonds steht die Solit Fonds GmbH. Ein Unternehmen, welches ansonsten vor allem im Vertrieb von Edel­metallen aktiv ist. 

Quelle: ntv.de