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Zweite multiresistente Variante Mann infiziert sich mit "Super-Tripper"

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Die Darstellung von Neisseria gonorrhoeae.

(Foto: imago images/Kateryna_Kon)

In Österreich weisen Forschende einen Bakterienstamm nach, der Gonorrhoe verursacht und gegen viele verschiedene Antibiotika resistent ist. Ein Mann hatte sich beim ungeschützten Sex in Kambodscha damit infiziert.

Bereits zum zweiten Mal weisen weltweit Forschende einen vielfach resistenten Gonokokken-Stamm nach. Die Bakterien führen zur sogenannten Gonorrhoe, einer Geschlechtskrankheit, die umgangssprachlich auch als "Tripper" bezeichnet wird. Die im April nachgewiesene Variante stammt von einem Reiserückkehrer aus Kambodscha, schreibt das Forschungsteam um Sonja Pleininger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in der Veröffentlichung im Fachblatt "Eurosurveillance". Der Mann habe fünf Tage vor Beginn der Symptome in Kambodscha kondomlosen Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten gehabt.

Die Infektion wird durch die Bakterien ausgelöst. Die Erreger Neisseria gonorrhoeae befallen vor allem die Schleimhäute. Bei Männern kommt es dann zu Juckreiz und zum Ausfluss von eitrigem Sekret aus der Harnröhre. Zudem verspüren sie Schmerzen beim Wasserlassen, ein asymptomatischer oder milder Verlauf, wie bei vielen infizierten Frauen, ist dagegen bei Männern sehr selten.

Dennoch sollte jede Infektion unbedingt behandelt werden, denn sonst können Folgeschäden wie Entzündungen der Gelenke, Veränderungen der Haut oder sogar Herzklappen- oder Hirnhautentzündungen entstehen. Bei Frauen sind zudem Unfruchtbarkeit oder lebensbedrohliche Entzündungen im Becken als Folgeschäden möglich. Bei Schwangeren kann es zu Fehlbildungen bei den ungeborenen Kindern führen. Wird die Krankheit nicht behandelt, kann sie sich zudem weiter ausbreiten.

Normalerweise ist die bakterielle Infektion gut mit bestimmten Antibiotika behandelbar. Im aktuellen Fall versagte zunächst die Standardtherapie. Dem Mann ging es zwar besser, jedoch blieben die Tests weiterhin positiv.

Sechs Stoffe wirken nicht mehr

Daraufhin wurde der Erreger Neisseria gonorrhoeae genauer untersucht. Er zeigte sich im Labor mit hoher Resistenz gegen Azithromycin. Zudem wurden Resistenzen gegen Ceftriaxon, Cefixim, Cefotaxim, Ciprofloxacin und Tetracyclin festgestellt, alles antibiotische Wirkstoffe, die bei Gonorrhoe eingesetzt werden. Die vielfachen Resistenzen erschwerten nicht nur die Behandlung des Patienten, sie machen den Erreger auch zum gefährlichen "Super-Tripper".

Bereits in der Vergangenheit zeigte sich der Erreger als wandelbar. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Mutationen, die resistent gegen viele der bislang erfolgreich eingesetzte Medikamente sind. Bei der Behandlung setzen Mediziner derzeit vor allem auf die Gabe von Ceftriaxon, das oft in Kombination mit Azithromycin verordnet wird. In den letzten Jahren habe in Europa die Resistenz gegenüber Azithromycin rasch zugenommen. Außerdem wurden in mehreren europäischen Ländern mehrere Ceftriaxon-resistente Stämme identifiziert, betonten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Wenn jetzt neue Abkömmlinge kursieren, die möglicherweise gegen alle verfügbaren Therapieoptionen besser geschützt sind, seien diese als größere Gefahr für die öffentliche Gesundheit anzusehen, betonen die Forschenden. Im schlimmsten Fall kann die Infektion in Zukunft gar nicht mehr behandelt werden. Dieser Gefahr müsse mit Maßnahmen, wie der Verwendung von Kondomen, raschen Diagnosen und leicht zugänglichen, wirksamen sowie günstigen Behandlungsmöglichkeiten begegnet werden.

Bessere Überwachung gefordert

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Der Mann wurde schließlich mit einer antibiotischen Kombinationsbehandlung geheilt, die er eine Woche lang zweimal täglich bekam. Die kambodschanische Sexarbeiterin konnte jedoch nicht ausfindig gemacht werden. So könnten sich weitere Personen mit dem resistenten Erreger infizieren, befürchten die Experten.

Um weitere Ansteckungen und die Bildung von multiresistenten Erregern zu verhindern, rufen die Experten die Behörden vor allem in Asien dazu auf, die Überwachungssysteme zu aktivieren und zu intensivieren. Der erste multiresistente Gonorrhoe-Erreger wurde 2018 bei einem Mann in Großbritannien nachgewiesen. Auch er hatte sich damit höchstwahrscheinlich bei einem Aufenthalt in Asien infiziert. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat als Reaktion auf die wachsende Anzahl resistenter Neisseria gonorrhoeae-Erreger bereits 2020 eine Labor-Meldepflicht für resistente Erreger eingeführt.

Quelle: ntv.de, jaz

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