Fußball

So läuft der 15. Spieltag Deshalb wird der FC Bayern nicht Meister

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Zuletzt war der FC Bayern in der Spielzeit 1994/95 vor dem 15. Spieltag schlechter platziert als in diesem Jahr. Damals wechselte vor der Saison Oliver Kahn von Karlsruhe nach München. Entsprechend groß war die Freude seines Dann-Ex-Coaches Winfried Schäfer, der ihn als Torhüter des Jahres auszeichnete.

(Foto: imago images/WEREK)

Es sieht nicht gut aus für den FC Bayern. Die achte Meisterschaft in Serie scheint unerreichbar - und das schon vor Beginn des 15. Spieltags der Fußball-Bundesliga. Sagt die Statistik. Und die lügt doch nicht, oder? Wobei Julian Nagelsmann gern eine Negativserie brechen würde.

Was macht der Tabellenführer?

Konzentriert sich seit Donnerstag voll und ganz auf die Fußball-Bundesliga. So lässt sich das späte und durchaus vermeidbare Ausscheiden in der Europaliga zumindest positiv umdeuten. Am finalen Gruppenspieltag kassierte Borussia Mönchengladbach erst in der Nachspielzeit das entscheidende 1:2, statt den Fohlen steht Basaksehir Istanbul um die Ex-Bundesliga-Kicker Eljero Elia und Demba Ba in der Runde der letzten 32 Mannschaften. Trainer Marco Rose sagte: "Einen Tag wird die Stimmung geknickt sein, dann kommt Wolfsburg." Also Freitag schlechte Laune, Samstag Anreise, Sonntag um 15.30 Uhr (wie alle Spiele im Liveticker bei n-tv.de) Anstoß in Wolfsburg am 15. Spieltag.

Dort herrscht besseres Betriebsklima, denn Paulo Otavio hat sich beim Spiel gegen AS St. Etienne einen Traum erfüllt, wie er sagte. Der 25 Jahre alte Außenverteidiger traf bei seinem Europapokaldebüt gleich mal zum Sieg. Außerdem hat Stammtorwart Koen Casteels sein Vertrag bis 2024 verlängert. Weniger gut ist allerdings die jüngere Wolfsburger Bundesligabilanz. Vier von fünf Spielen verloren - mit 5:15 Toren. Das also meinte Casteels wohl nicht, als er beim NDR sein neues Arbeitspapier mit den Worten "ich freue mich sehr, dass ich den eingeschlagenen Weg mit dem VfL weiter gehen und meinen Teil dazu beitragen kann" kommentierte. Tipp: In der Bundesliga läuft's bei der Borussia besser. In Wolfsburg gewinnt Gladbach mit 2:0 und bleibt Tabellenführer.

Wo ist der FC Bayern unterwegs?

Wenn es nach Joshua Kimmich geht, überall. Der Außenverteidiger/Sechser/Mahner ist zusätzlich auch noch Dauerläufer. Laut offizieller Bundesliga-Statistik ist niemand mehr gelaufen als die 170,3 Kilometer, die Kimmich, der mit Zweitnamen übrigens Walter heißt, zurückgelegt hat. Am Samstag nun trifft er ab 15.30 Uhr auf seinen ärgsten Verfolger, der allerdings schon ganze 4000 Meter zurückliegt: Davy Klaassen reist mit dem SV Werder nach München. Was eigentlich ganz gut ist, auswärts holten die Bremer in dieser Saison schon zwei Siege. Schon zwei, weil es zu Hause nur ein einziger war. Deshalb steckt der SV Werder im Abstiegskampf, ob er will oder nicht. Die Bremer Bilanz in München ist allerdings düster. Als Werder zuletzt beim FC Bayern gewann, stand Tim Wiese noch im Tor, das zwischenzeitliche 3:0 erzielte Mesut Özil nach Vorlage von Diego. Damals, im September 2008, stand es am Ende 5:2. Seitdem? 1:1, 0:0, 1:4, 1:6, 2:5, 0:6, 0:5, 0:6, 2:4 und 0:1.

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Als Werder letztmals beim FC Bayern gewann, trug der heutige Sportchef Frank Baumann noch die Kapitänsbinde. Und grätschte gegen Bastian Schweinsteiger, beobachtet von Mesut Özil.

(Foto: imago/Avanti)

Aus Bayern-Perspektive: Im Schnitt erzielte der Tabellensiebte in den vergangenen zehn Duellen 3,8 Tore gegen die Bremer. Das wären 0,8 Treffer mehr als am Mittwoch beim 3:1 gegen Tottenham, das sich trotz eines neuen Rekordes nicht wie ein Grund zum Feiern anfühlte. Sechs Siege in sechs Vorrundenspielen gelangen den Münchnern als erstes deutsche Team. Allerdings verletzte sich Kingsley Coman auf den ersten Blick schwer, die erste Diagnose fiel dann immerhin glimpflich aus, zur Rückrunde soll der Außenspieler wieder fit sein.

Eine weitere schlechte Nachricht: Der FC Bayern wird in dieser Saison nicht Deutscher Meister, nichts wird's mit dem achten Titel in Serie. Darauf deutet zumindest die Statistik hin. Denn vor Beginn des 15. Spieltages ist der FCB nur Tabellensiebter, stand zu diesem Saisonzeitpunkt nur viermal schlechter da und beendete diese Spielzeiten - 1974/75, 1977/78, 1991/92 und 1994/95 - nie besser als auf Platz sechs. Damals spielte der FC Bayern am 14. Spieltag übrigens gegen den Karlsruher SC, dessen Torwart Oliver Kahn die Münchner vor der Saison geholt hatten. Die erste Saison des späteren "Titans" beendeten die Münchner als Sechster gerade noch so mit der Qualifikation für den Uefa-Cup. Wenn sie herausfinden möchten, was die bislang schlechteste Position nach 14 Spielen war, die doch noch zum Titel reichte, sollten Sie hier klicken. Tipp: Der SV Werder unterliegt dem FC Bayern und die Münchner gewinnen mit 3:0.

Wie geht's dem BVB?

Besser als vor zwei Wochen. Da drohte nach dem 1:3 beim FC Barcelona das Aus in der Champions League, das nur dank gütiger Mithilfe eben dieses FC Barcelona und eines herausragenden Roman Bürki gerade noch abgewendet werden konnte. Überzeugend war es nicht, was der BVB gegen Slavia Prag spielte. Der 2:1-Erfolg war eher dem Prager Unvermögen geschuldet, den Ball am phasenweise unüberwindbar scheinenden Bürki vorbeizubringen. Aber Sieg ist eben Sieg, und nach dem 2:1 bei Hertha BSC und dem 5:0 gegen Düsseldorf war das schon der dritte nacheinander. Was dem Team von Trainer Lucien Favre noch immer fehlt, ist ein Strafraumstürmer.

Paco Alcácer ist zu oft verletzt, eine Alternative gibt es nicht. Noch nicht. Denn am Mittwoch erhielt der BVB Besuch von Erling Haaland. Der 19-jährige Norweger reiste mit der Empfehlung an, in 22 Spielen dieser Saison 28 Mal getroffen haben. Der BVB soll geneigt sein, Haaland zeitnah zu verpflichten. Einziges Problem: Das Sturmtalent steht bei Red Bull Salzburg unter Vertrag. Und vor seinem Abstecher nach Dortmund landete Haalands Charterflieger in Leipzig.

Sicher, rechtlich gesehen, sagt die Uefa, sind RB und RB unterschiedliche Klubs, als Organisation voneinander unabhängig. Was zum Beispiel der Fall Marcel Sabitzer zeigt: Der wechselte von Rapid Wien nach Leipzig und wurde dann flugs nach Salzburg ausgeliehen, weil RB (suchen Sie sich aus, welches) so viel an Ablöse sparte. Sabitzers Ausstiegsklausel galt nur für ausländische Vereine. Und wechselte später von RB (Salzburg) zu RB (Leipzig). Aber wir schweifen ab. Zurück nach Dortmund, also nach Mainz. Dort tritt der BVB am Samstag um 15.30 Uhr an, beim wiedererstarkten 1. FSV, der darauf setzt, dass der Achim-Beierlorzer-Effekt mit zwei Siegen aus drei Spielen anhält. Tipp: Der Effekt wird sichtbar, das Spiel endet 1:1.

Und sonst so?

TSG Hoffenheim - FC Augsburg (Freitag, 20.30 Uhr): Ein Augsburger Sieg käme einer Sensation gleich. Denn in Sinsheim gewann der FCA zuletzt am 21. Oktober 2005, damals gab's ein 3:1. Das ist zum einen lange her und war zum anderen der zwölfte Spieltag der seinerzeit noch drittklassigen Regionalliga Süd. Hoffenheims Trainer war übrigens Hansi Flick. Augsburg stieg am Saisonende in die Zweite Bundesliga auf, Hoffenheim folgte ein Jahr darauf. Seitdem gab es acht Duelle in Sinsheim, keines ging an den FCA.

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Na, erkennen Sie ihn?

(Foto: imago images)

Genug der Vergangenheit, zurück in den Dezember 2019: So sensationell der Sieg statistisch wäre, so gut stehen die Chancen angesichts der Augsburger Formkurve. Zehn Punkte aus vier Spielen holte der FCA, während Hoffenheims Zwischenhoch schon wieder vorbei ist. Auf fünf Liga-Siege nacheinander folgte nur ein magerer Punkt aus drei Spielen. Tipp: Augsburg bricht den Bann und gewinnt mit 2:1.

1. FC Köln - Bayer 04 Leverkusen: Derbyzeit am Rhein, Tabellenletzter trifft auf Tabellenführer. Zumindest, was die Laufleistung betrifft, kein Team reißt mehr Kilometer ab als Bayer 04 Leverkusen. Und keines weniger als der 1. FC Köln. Was sicher nicht der einzige, aber schon einer der Gründe ist, warum der Effzeh auch in der nach Punkten geführten Tabelle auf Platz 18 von 18 steht und gegen den Abstieg kämpft. Ein weiterer Grund ist, dass Köln nur zwölf Tore erzielt hat - eine Zahl, die so klein ist, dass sie noch ausgeschrieben wird. "Wir agieren ohne Überzeugung", bemängelte Sportchef Horst Heldt. Die Leverkusener sind bereits abgestiegen - aus der Champions League in die Europaliga. "Natürlich ist die Enttäuschung groß", sagte Kai Havertz nach dem 0:2 gegen Juventus und dessen hadernden Superstar Cristiano Ronaldo. In der Bundesliga gab es da mehr Grund zum Jubeln bei den Siegen in München und gegen Schalke. Tipp: Den gibt's auch am Samstag, Leverkusen gewinnt mit 3:0.

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Hertha BSC - SC Freiburg: Jürgen Klinsmann wartet noch auf den ersten Sieg als Hertha-Trainer. Was ihn nicht davon abhielt, Berlin in Sachen fußballerischer Identifikation mit Barcelona oder Liverpool zu vergleichen. Darauf folgte trotz 2:0-Führung nur ein 2:2 in Frankfurt. Zuvor hatte Klinsmann gemahnt: "Uns stehen arbeitsreiche Wochen bevor." Das heißt nun offenbar, dass die Hertha-Profis bereits am 29. Dezember statt wie zuvor geplant am 2. Januar die Vorbereitung auf die Rückrunde aufnehmen. Nun kommt ein Top-Team ins Olympiastadion. Der SC Freiburg ist Fünfter und hat mehr als doppelt so viele Punkte wie Hertha BSC. Was auch daran liegen könnte, dass laut bundesliga.de die Berliner so selten aufs Tor schießen wie kein anderes Team. Die Lücke zu Platz 17 in der Torschusstabelle ist dabei so groß wie die von Platz 17 zu Platz zehn. Sicher ein Gebiet, auf dem der ehemalige Weltklassestürmer Klinsmann in den "arbeitsreichen Wochen" helfen kann. Tipp: Freiburg holt sich drei Punkte, 1:0.

SC Paderborn - 1. FC Union Berlin (alle Samstag, 15.30 Uhr): Es läuft beim 1. FC Union, und das schon seit Wochen. Vier der jüngsten fünf Partien gewannen die Eisernen und punkteten dabei vor allem gegen die Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg. 1:0 im Berliner Stadtduell, 3:2 in Mainz, 2:0 gegen Köln. Dazu das ebenso überraschende wie verdiente 2:0 gegen Gladbach. Mann der Stunde ist Sebastian Andersson. Den Sieg gegen Köln schoss er mit zwei Toren alleine heraus, es waren seine Saisontore sieben und acht. Der schwedische Nationalspieler hat offiziell noch einen Vertrag bis zum Juni 2020, verriet dem "Kicker" aber: "Es ist nicht sicher, dass er im Sommer ausläuft." Und darüber hinaus? "Ich habe jetzt nichts dazu zu sagen." Lassen wir einfach mal so stehen. Erst mal geht's nach Paderborn, zum Duell der Aufsteiger. Tipp: Paderborn setzt sich mit 2:1 durch.

Fortuna Düsseldorf - RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr): Die Fortuna ist so etwas wie der Angstgegner von Julian Nagelsmann. Laut "Kicker" traf Leipzigs Trainer in seiner zugegeben noch nicht ausufernd langen Karriere auf bislang 24 Mannschaften in der Bundesliga. Gegen 23 davon gab es zumindest einen Sieg. Nur nicht gegen Düsseldorf. Das dürfte sich am Samstagabend allerdings ändern. Denn in der Liga gewann Leipzig zuletzt fünf Mal nacheinander, und das mit 22:6 Toren. Dazu der souveräne Einzug ins Champions-League-Achtelfinale als Gruppensieger. Ein modernes Fußballmärchen, sagen zumindest die Leipziger. Vor zehn Jahren noch Herbstmeister der Oberliga Nordost, heute im Konzert der Großen dabei. Damals übrigens noch ohne offizielles Vereinslogo, weil der sächsische Fußballverband den Vorschlag wegen zu großer Ähnlichkeit zum Logo des Brausekonzerns ablehnte und das neu gegründete Vereinskonstrukt erst kurz zuvor die Lizenz des SSV Markranstädt gekauft hatte. Ein modernes Fußballmärchen eben. Tipp: Leipzig gewinnt mit 3:1.

FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 18 Uhr): Die Flankenkönige der Liga sind zu Gast bei Königsblau. Ernsthaft: SGE-Außenspieler Filip Kostic hat in dieser Saison laut offizieller Zählung bislang 80-mal aus dem Spiel heraus versucht, den Ball von seiner Position aus an einen Mitspieler im Zentrum zu bringen. Spitzenwert in der Bundesliga. Der FC Schalke 04 kommt als Mannschaft auf 112 Flanken, Frankfurt führt die Rangliste mit 249 Flanken an, 60 mehr als der Zweitplatzierte FC Bayern. Außerdem schoss Frankfurt 237 Mal aufs gegnerische Tor, die Schalker nur 164 Mal. Allerdings wesentlich präziser offenbar, denn S04 hat einen Treffer mehr erzielt und außerdem sieben Punkte mehr. Weshalb Schalke als Vierter auf einem Europapokal-Platz liegt, während der Elfte Frankfurt zwar bereits vor der Winterpause heftig gezittert hat, aber dennoch international überwintern darf. Tipp: Frankfurt flankt fleißig, aber Schalke siegt souverän mit 2:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Da wir fast gleich alt sind, habe ich ihm viele Jahre im Fernsehen beim Fußballspielen zugeschaut." Freiburgs Trainer Christian Streich über Herthas ein Jahr älteren Coach Jürgen Klinsmann, den er beim Spiel seines SC beim BSC erstmals persönlich trifft.

Zur Tabelle: Mit einem Torverhältnis von 30:16 führt Borussia Mönchengladbach die Tabelle an. Der Vorsprung auf den Zweitplatzierten RB Leipzig ist allerdings schmal. Auf Platz drei folgt Borussia Dortmund mit 26 Punkten. Der FC Bayern liegt nach dem 14. Spieltag mit sieben Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen auf Platz sieben.

Quelle: ntv.de