Fußball

So läuft der vierte Spieltag Kovac topt Guardiola, Neuer reizt Schalke

Mit dem FC Bayern eilt Niko Kovac von Sieg zu Sieg, die Frage ist nur, wie die Schalker Fans Leon Goretzka empfangen. Der BVB sucht noch ein System, das Spitzenspiel des vierten Spieltags der Fußball-Bundesliga steigt in Berlin.

Was machen die Bayern?

Wenn wir das alles richtig verstanden haben, hat der FC Bayern am Mittwoch in Lissabon die Champions League gewonnen. Renato Sanches steht kurz davor, zum Weltfußballer gekürt zu werden, und Niko Kovac zum Trainer des Jahres. Und auch, wenn das vielleicht nicht ganz der Wahrheit entspricht, so läuft es doch rund bei den Münchnern. Sechs Mal haben sie in dieser noch jungen Saison gespielt, sechs Mal haben sie gewonnen: die Partie um den Supercup, eine im DFB-Pokal, eine in der Königsklasse und auch die drei Spiele in der Bundesliga.

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Gelernt hat er ja alles beim VfL Bochum: Leon Goretzka, demnächst zu Gast auf Schalke.

(Foto: dpa)

Kovac ist damit erfolgreicher bei seinem neuen Arbeitgeber gestartet als vor fünf Jahren der große Josep Guardiola. Das lässt sich gut an. Nun geht es am vierten Ligaspieltag nach Gelsenkirchen, wo am Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der FC Schalke 04 wartet. Für den und Übungsleiter Domenico Tedesco läuft es nicht ganz so gut, das 2:0 beim Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 war der bisher einzige Sieg. In der Champions League reichte es am Dienstag zu einem 1:1 gegen den FC Porto. In der Liga aber haben die Schalker, in der vergangenen Saison das beste Team hinter dem FC Bayern, alle drei Spiele verloren. Das hat sonst nur Leverkusen geschafft. Tedesco sagt: "Die Jungs sind sehr gefasst und fokussiert, haben einen gewissen Respekt vor der aktuellen Situation. Sie wissen, dass 98 Prozent nicht reichen. Die reichen gegen keinen Gegner, auch gegen die Bayern nicht." Das stimmt, wird aber wenig helfen.

Ansonsten sind alle gespannt, wie die Fans seines ehemaligen Klubs den Nun-Münchner Leon Goretzka empfangen. Die Schalker sind traditionell eher angefressen, wenn einer der ihren zum FC Bayern geht. Manuel Neuer weiß das. Als der Nationaltorhüter im Sommer 2011 die Seiten wechselte, hatte er es doppelt schwer. In Gelsenkirchen waren sie sauer, in München wollten sie ihn nicht haben. Vielleicht war er deshalb so beeindruckt, dass Benficas Anhänger aufstanden und applaudierten, nachdem besagter Sanches in der Champions League gegen seinen ehemaligen Verein das 2:0 für die Bayern erzielt hatte. Neuer: "Ich bin gespannt, ob die Schalker da mit den Fans von Benfica mithalten können." Unser Tipp: Die Frage ist doch, ob sie das wollen. Abgesehen davon: 0:2.

Wo steigt das Spitzenspiel?

Das könnte ein Rekord sein: Zum zweiten Mal ist es die Hertha, die am Topspiel beteiligt ist. In der vergangenen Woche gab's ein aufregendes 2:2 beim VfL Wolfsburg, am Samstag zur besten Fußballzeit kommt die Mönchengladbacher Borussia nach Berlin ins Olympiastadion. Beide Teams haben sieben Punkte, fünf Tore geschossen und zwei kassiert, stehen also gemeinsam auf Platz vier der Tabelle und sind mit ihrem Saisonstart zufrieden. Pal Dardai, Trainer der Gastgeber, sagt: "Es treffen sich zwei gute Mannschaften, von den Punkten und von der Spielweise her. Bei beiden Mannschaften herrscht positive Stimmung. Aber ich glaube, der Vorteil liegt bei uns, denn wir spielen vor unseren Fans in unserem Stadion." Etwas mehr als 50.000 Zuschauer werden erwartet. Sein Kollege Dieter Hecking weiß, dass die Gladbacher in den vergangenen vier Jahren dreimal in Berlin gewonnen haben, sagt aber klugerweise: "Für die Vergangenheit können wir uns nichts kaufen. Es wird ein neues Spiel, und wir werden versuchen, unsere Spielidee durchzubringen. Bestenfalls holen wir drei Punkte." Tipp: 2:2.

Welcher Verfolger fällt zurück?

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Trainer mit System: Lucien Favre.

(Foto: REUTERS)

TSG Hoffenheim - Borussia Dortmund: Nach dem außerordentlich glücklichen Sieg in der Champions League beim FC Brügge geht es für die Dortmunder nach Sinsheim. Dort hat Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp Anzeige gegen mehr als 30 Fans des BVB gestellt, weil die ihn beleidigt haben sollen. Abgesehen davon gehören die Gäste zu den fünf Mannschaften, die in der Tabelle zwei Punkte hinter dem FC Bayern stehen. Spielerisch aber haben die Dortmunder bisher eher nicht überzeugt, Trainer Lucien Favre sucht noch das richtige System. Allerdings: "Wir brauchen nicht nur ein System, es braucht Zeit, die richtige Mischung zu finden, wer sich am besten versteht." Ob Mario Götze zu dieser Mischung gehört, sagte er nicht. Die Hoffenheimer und ihr Trainer Julian Nagelsmann sicherten sich am Mittwoch mit dem 2:2 in Charkiw gegen Donezk immerhin den ersten Champions-League-Punkt der Vereinsgeschichte, hinken in der Liga mit drei Punkten auf Platz elf aber hinterher. Tipp: 1:1.

VfL Wolfsburg  - SC Freiburg (beide Samstag, 15.30 Uhr): Apropos sieben Punkte, auch die Wolfsburger sind überraschend in der Verlosung. Trainer Bruno Labbadia erklärt das so: "Das ist wie beim Hausbau: Ohne Fundament kann ich kein stabiles erstes und zweites Stockwerk errichten." Und gelingt gegen die Freiburger, die erst einen Punkt haben, ein Sieg, wäre der beste Start der Klubgeschichte perfekt. Labbadia will sein Team weiter offensiv spielen lassen: "Wenn nicht jetzt, wann dann? Was uns zuletzt Freude bereitet hat ist, dass wir die Grundlagen gut umgesetzt haben. Aber wir haben auch guten Fußball gespielt." Tipp: 2:1.

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Jung kickt gut: Kai Havertz.

(Foto: dpa)

Bayer 04 Leverkusen - FSV Mainz 05 (Sonntag, 15.30 Uhr): Dass die Leverkusener zur Gruppe der Verfolger gehören, ist bei dem vielen guten Spielern keine Überraschung. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Kai Havertz zum Beispiel ist nicht nur seit elf Tagen und seinem Debüt für die DFB-Elf beim mühsamen Sieg gegen Peru deutscher Nationalspieler. Er trug auch am Donnerstag mit zwei Toren in der Europaliga maßgeblich dazu bei, dass Bayer nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 beim bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad gewann. Oh, Moment. So gut sieht es nun auch wieder nicht aus. Die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich hat ja in der Liga alle drei Spiele verloren. Und die Mainzer sind die, die mit sieben Punkten auf Rang sechs des Klassements stehen. Tipp: 3:1.

Was steht sonst noch an?

VfB Stuttgart - Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr): Heimspiel gegen einen Aufsteiger? Das sollte der Gastgeber doch gewinnen, zumal der VfB in der Rückrunde der vergangenen Saison das zweiterfolgreichste Team der Liga stellte. Das Problem ist nur, dass die Stuttgarter in dieser Saison noch kein Spiel gewonnen haben, selbst im DFB-Pokal verloren sie beim Drittligisten in Rostock. Den ersten Punkt gab's am vergangen Wochenende beim 3:3 in Freiburg. Also weiß Trainer Tayfun Korkut: Gewinnt er auch gegen die Fortuna nicht, könnte es ungemütlich werden. Die Düsseldorfer und ihr Übungsleiter Friedhelm Funkel haben hingegen schon alles durch: eine Niederlage gegen Augsburg zum Auftakt, ein Remis gegen Leipzig und jüngst ein Sieg gegen Hoffenheim. Gar nicht so schlecht. Tipp: 1:1.

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Mind the gap: Max Kruse.

(Foto: imago/Nordphoto)

FC Augsburg - SV Werder Bremen: Also sprach Max Kruse: "Man muss ganz ehrlich sagen, dass zwischen Anspruch und Realität bei uns im Moment noch eine zu große Lücke klafft." Wenn der Kapitän des SV Werder das sagt, wird es stimmen. Dabei sind fünf Punkte aus drei Partien nicht so schlecht, aber Bremen möchte sich für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren, das meint Kruse mit Anspruch. Den haben die Augsburger auch, ihr Ziel ist es, nicht abzusteigen. Präsident Klaus Hofmann verkündete: "Wir machen uns nicht zum Selbstbedienungsladen für Teams aus dem Norden, die Punkte bleiben hier." Tipp: 2:1.

1. FC Nürnberg - Hannover 96 (beide Samstag, 15.30 Uhr): Apropos Verkünden, in Nürnberg können sie das auch. Trainer Michael Köllner sagt: "Wir wollen zeigen, dass wir Herr im Hause sind." Die Hannoveraner haben in dieser Saison auch noch nicht gewonnen, ebenfalls zwei Punkte auf dem Konto und auch einen Trainer, André Breitenreiter. Der wiederum sagt: "So wie man das aus Nürnberg vernimmt, haben sie sich nicht ausreichend belohnt für die Leistungen. Das nehmen sie sich für das Wochenende gegen uns vor. Da haben wir sicher eine Parallele." Und wie endet das Duell der Unbelohnten? Tipp: 1:1.

SG Eintracht Frankfurt - RB Leipzig (Sonntag, 18 Uhr): Nach dem 2:3 im europäischen Red-Bull-Duell gegen die Filiale aus Salzburg gehen wir eigentlich davon aus, dass Konzernchef Dietrich Mateschitz die Leipziger unverzüglich aus der Bundesliga abmeldet. Falls das wider Erwarten nicht geschehen sollte, treffen Trainersportdirektor Ralf Rangnick und seinen Toten Dosen in Frankfurt auf eine Mannschaft, die ganz ohne Unterstützung der Zuschauer und in Unterzahl beim Geisterspiel in Marseille ihr erstes Saisonspiel in der Europaliga gewonnen hat. Tipp gegen den Trend: 1:2.

Wer liefert die besten Zitate?

"Ich habe zwar einen deutschen Pass, aber ich fühle mich nicht als Deutscher. Ich bin ein Mensch, der einen Pass hat, in dem deutsch drin steht." Freiburgs Trainer Christian Streich stellt sich gegen Rassismus: "Ich würde es sinnvoll finden, wenn wir in der Bundesliga an manchen Wochenenden gemeinsame Aktionen starten, Videos aufnehmen und uns klar positionieren. Es ist immer gut, wenn man sich in Gruppierungen klar zu gewissen Vorkommnissen in der Gesellschaft äußert. Es ist absolut notwendig, dass man zeigt, wo man hingehört." Und er ist nicht alleine. Nach Präsident Peter Fischer von Eintracht Frankfurt hat sich auch Werder Bremens Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald eindeutig positioniert. "Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen."

Quelle: n-tv.de

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