Fußball

So läuft der 2. Spieltag Rudy ist schon blau, Ribéry jubiliert dreifach

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Die Zeit vergeht wie im Flug: Robbery spielen seit 2009 miteinander.

(Foto: imago sportfotodienst)

Bayern-Oldie Franck Ribéry kann gegen Stuttgart feiern, wenn ihn sein Trainer denn lässt. Herthas Trainer träumt von einer Torflut und in Hannover treffen zwei Torgranaten aufeinander. Derweil hoffen alle auf wenig Funkverkehr mit Köln.

Was macht der FC Bayern?

Der schwelgt dieser Tage in Erinnerungen. Erst am Dienstag beging der Münchner Fußball-Klub mit dem abermals unverschämten Losglück in der Champions League das emotionale Abschiedsspiel für Ex-Spieler "Basti" Schweinsteiger, einen Tag später dann das neunjährige Jubiläum von Robbery. Ja, es ist tatsächlich schon neun Spielzeiten her, dass Arjen Robben und Franck Ribéry erstmals gemeinsam im Bayern-Dress die Gegner schwindlig spielten. Beim 3:0 gegen den VfL Wolfsburg fabrizierten die heutigen Greise im Kader der Münchner prompt zwei Tore. Und nun? Sind Robben und Ribéry, 34 und 35 Jahre alt, immer noch dabei. Und wie das Schicksal und Nico Schulz so wollten, ist die Flügelzange nach der Verletzung von Kingsley Coman am Samstag in der Partie beim VfB Stuttgart (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) wieder gefragt. Auch, um dem 1,70-Meter-Franzosen Froonck ein paar Ego-Boosts zu verschaffen. Sollte Ribéry spielen, kommt er auf 250 Bundesligaeinsätze. Mit bisher 183 Siegen wäre er der erfolgreichste Kicker im 250er-Klub der Ligageschichte. Darf's noch etwas sein, Monsieur Ribéry? Bien sûr. Wenn's gegen den VfB aus Bayern-Sicht ganz fabelhaft läuft, sackt Ribéry auch noch seinen 200. Scorerpunkt ein. Bisher kommt er auf 80 Tore und 118 Vorlagen.

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Will Ribéry dem Schiedsrichter seine Hilfe anbieten?

(Foto: imago/MIS)

Alles gut also beim FC Bayern? Nicht ganz. Ribérys Flügelzangenpartner Robben maulte nach der "Servus Basti"-Gala: "Alter spielt für mich keine Rolle. Dieses Wort Umbruch kann ich auch nicht mehr hören." Das sind Probleme. Wir in der Redaktion von n-tv.de sind ein anderes Thema leid - wie FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz-Rummenigge offenbar auch. "Eine Taskforce sollte gebildet werden, die sich darum kümmert, dass hier nun endlich professionell gearbeitet wird", sagte er nach dem Auftaktsieg gegen Hoffenheim. Nein, diese Attacke betrifft nicht den deutschen Rekordmeister, sondern den Videobeweis. Der sollte den VAR-Kellerkindern in Köln veranschaulichen, wie schön Ribéry fliegen kann - tat es aber nicht. Es liegt wieder einiges im Argen mit der Technik.

Doch eine Taskforce ist nicht in Sicht, und so bleibt nach dem chaotischen Auftaktspieltag nur die Hoffnung auf wenig Funkverkehr. Und auf Besserung - wie beim VfB Stuttgart. Der wurde erst von der Hansa-Kogge aus dem DFB-Pokal gerammt und hat dann vor heimischen Publikum gegen Mainz den Ligastart verpatzt. Heidanei! Das haben sie sich aber ganz anders vorgestellt. Der Fehlstart ist perfekt und nicht nur Trainer Tayfun Korkut weiß: "Dass wir jetzt gegen die Bayern spielen, macht es nicht einfacher." Dabei wissen die Stuttgarter, wie die Bayern zu knacken sind. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison fegten sie die Münchner 4:1 weg und vermiesten ihnen so die Heim-Sause zur Meisterschaft. Mit 36 Gegentoren trumpfte beim VfB zudem die zweitbeste Abwehr der vergangenen Saison auf. Nach dem FC Bayern. Allein, auch mit Weltmeister Benjamin Pavard im Cannstatter Abwehrriegel wird's schwer gegen den Meister - erst recht bei Rib & Rob in Topform. Tipp: 2:3

Kreisliga-Joker trifft auf Schwarz-Gelbe Torversicherung

Zum Spieltagsauftakt ist Tabellenführer Borussia Dortmund zu Gast beim Neunten Hannover 96 (20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker) - wow, wie aussagekräftig nach einem Spieltag. Allerdings könnte das ein Fakt sein, der den Hannoveranern zumindest Bauchschmerzen bereitet, schließlich verloren sie elf der jüngsten zwölf Duelle mit einem Tabellenführer. Einzige Ausnahme: In der Vorsaison besiegten sie am zehnten Spieltag den BVB. So viel also zu Phantombauchschmerzen, die vielleicht eher BVB-Trainer Lucien Favre quälen. Weil er nämlich seinen Kader-Koloss noch kräftig ausdünnen muss. 29 Mann (Nuri Sahin hat kurz vor Transferschluss den Absprung nach Bremen gewagt) warten hoffnungsfroh auf Einsatzzeiten. Darunter Neuzugang Paco Alcacér, der aus Barcelona eingeflogen ist. Der 25-Jährige muss sich allerdings noch etwas gedulden, Favre findet, er "muss sich erst eingewöhnen". Selbstverständlich mit dabei ist Marco Reus, der offenbar eine Torversicherung für den BVB abgeschlossen hat: In den jüngsten sechs Spielen traf er sechs Mal.

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Kann sein Glück kaum fassen: Hendrik Weydandt

(Foto: imago/Sven Simon)

Auch die Hannoverander haben ja neuerdings eine "Tormaschine". Hendrik Weydandt spielte noch vor vier Jahren beim Kreisligisten TSV Groß Munzel. Nun erzielte der 23-Jährige im DFB-Pokal beim Karlsruher SC zwei Treffer und schoss als Joker beim Liga-Auftakt in Bremen 77 Sekunden nach seiner Einwechslung den Ausgleich. "Eine wunderbare Geschichte. Jeder würde sich das wünschen", lobt Altbundeskanzler und Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Schröder. Schön, dass es diese Fußballmärchen à la Miroslav Klose trotz aller Leistungszentren und Auswahlteams noch gibt. Tipp: 2:4 (Weydandt und Reus treffen)

Wrestling-Rentner vermiest Werders Europa-Laune

In Bremen gibt es diesen einen Ex-Spieler, der Böses unkt. Er ist breitschultrig, war in seiner kurzen Zweitkarriere als Wrestler wenig erfolgreich, kloppt dafür umso lautere Sprüche - Torwart Tim Wiese. "Die Qualität des Kaders ist nicht gut genug", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Warum Claudio Pizarro mit seinen fast 40 Jahren nicht aufgehört hat, ist mir ein Rätsel. Er ist ein alter Mann." Ja, der selbst auch schon 36-Jährige weiß noch immer, wie man Aufmerksamkeit erhält. Dass Werder das Ziel Europa League ausgegeben hat, findet Wiese zwar gut - schaffen aber wird es sein Ex-Klub wohl nicht, lässt sich zwischen den Zeile herauslesen.

Wie gut, dass bei den Grün-Weißen ruhigere Akteure am Werk sind: Trainer Florian Kohfeldt etwa, den Pizarro schon mit Trainer-Star Josep Guardiola vergleicht. Sicher, das von Kohfeldt und der Werder-Führung ausgegebene Ziel ist nach durchschnittlichen Saisons ambitioniert, wie das 1:1 zum Auftakt gegen Hannover vermuten lässt. Werders nächster Gegner Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr) hat jüngst aber bewiesen, dass es klappen kann. Als Underdog feierte die Eintracht den DFB-Pokal-Sieg. Gut, der Klub musste anschließend Trainer Niko Kovac zu den Bayern ziehen lassen, bekam im Supercup gegen eben jene Münchner eine 1:5-Klatsche und flog im DFB-Pokal-Auftakt gegen den SSV Ulm raus. Aber sie spielen international. In die Liga sind die Frankfurter von Coach Adi Hütter mit einem Sieg in Freiburg gestartet. Die Statistik spricht auch gegen Werder für sie - die jüngsten acht Gastspiele in Frankfurt hat Bremen nicht gewonnen. Tipp: 1:2 (verwegen: Pizarro trifft)

Dardai träumt von Torflut

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Der neue "Bruder" ist endlich da: Sebastian Rudy wurde von den Schalker Fans unter der Woche frenetisch empfangen. Der 28-Jährige soll ein "Stabilisator" im Mittelfeld sein, hat ihm Trainer Domenico Tedesco im Schnelldurchlauf eingeimpft. In dieser Rolle wird Rudy wohl auch gleich am Sonntag gegen Hertha BSC (18 Uhr) spielen dürfen. Schließlich soll der besser laufen als das erste Spiel, das unglücklich mit einer 1:2-Niederlage in Wolfsburg endete. Denn "Schalke ist in meinen Augen einer der besten Klubs Deutschlands", sagt der Neuzugang, der - siehe Twitter - schon voll auf Königsblau geeicht ist. Was gegen Hertha zu beweisen wäre. Tedesco und sein Kapitän Ralf Fährmann setzen im ersten Heimspiel auf "Charakter". Und vermutlich auf die glänzende Statistik ihres Teams: Zehn Heimsiege gab es für die Königsblauen gegen Hertha in Folge. Mehr noch: Die Berliner trafen dabei nur ein lausiges Mal das Tor.

Ein Tor war auch die Hertha-Ausbeute beim Auftakt gegen Nürnberg - das reichte allerdings zu drei Punkten. Schütze Vedad Ibisevic ist auf Schalke erneut in der Pflicht. Gegen die Torflaute hat Trainer Pal Dardai gleich noch eine Idee. Er möchte größere Tore einführen: "Ein schönes 4:4 oder ein 5:3", wünscht sich der Berliner nämlich. Darüber hinaus tut er auch etwas für die Optik der Bundesliga - hat nun "zwei Top-Models" im Kader. Innenverteidiger-Neuzugang Derrick Luckassen habe "einen Oberkörper wie Salomin Kalou", sagte Dardai. Ist das Bewunderung oder gar Neid? Vorerst versteckt er den Niederländer jedoch noch vor den gierigen Blicken und verzichtet voraussichtlich gegen Schalke auf ihn. Also stehen "nur" vier Innenverteidiger im Kader der Berliner - die Königsblauen können dagegen nach der Rotsperre von Matija Nastasic nur auf zwei setzen: Salif Sané und Naldo. Apropos: Sollte es für Schalke nicht reichen, wäre es die 100. Niederlage in der Bundesliga für Naldo. Da würde der 35-Jährige doch sicherlich ein Veltins ausgeben - Prost! Tipp: 2:1 (und die Schalker bleiben nüchtern)

Was passiert sonst noch?

1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05: Rouven Schröder kehrt zurück. Von 2010 bis 2012 arbeitete der heutige Mainzer Sportvorstand als Scout und Videoanalyst beim "Glubb". Hat sein Team die Aufsteiger dank seiner Expertise also voll im Griff? Trainer Sandro Schwarz jedenfalls sagt: "Wir fahren mit dem klaren Ziel hin, dort einen Auswärtssieg zu landen." Tipp: 2:2

FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach: Kaum ist Stürmer André Hahn zurück in seiner alten Heimat, bekommt er auch schon Besuch von seinem Ex-Team. Gastgeschenke hat er sicherlich nicht übrig. In seinen ersten beiden Spielen traf er jeweils zum 2:1-Endstand. Zudem hat Gladbach noch nie ein Bundesligaspiel beim FCA gewonnen - drei Augsburger Siegen stehen vier Unentschieden gegenüber. Gibt es diesmal den Premieren-Sieg für die Fohlen? Tipp: Ja, 1:2

TSG Hoffenheim - SC Freiburg: Der neuerdings augenbrauentechnisch stark verschlankte Julian Nagelsmann hat wohl Hunger: "In den letzten Spielen haben wir uns zu oft die Butter vom Brot nehmen lassen", ärgerte sich Hoffenheims Trainer. Aber gut, der letzte Gegner hieß FC Bayern - und die Partie wurde vom Videobeweis um Ribérys Flugeinlage stark beeinflusst (siehe Bayern). Freiburg muss sich vor einer angeschossenen Mannschaft, die um die Meisterschaft mitspielen will, in Acht nehmen. Tipp: 3:1

Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Verkehrte Welt - während Leverkusen den Saisonauftakt gegen Gladbach verliert, gewinnt der Platz-16-Warmhalter der vergangenen beiden Spielzeiten aus Wolfsburg gegen den FC Schalke 04, den Tabellenzweiten der vergangenen Saison. Vermeintlich haben die Niedersachsen dennoch keine Chance im direkten Duell. Allein schon, weil Mittelfeld-Youngster Kai Havertz von der Nominierung fürs DFB-Team enorm beflügelt sein dürfte. Sein Trainer Heiko Herrlich lobte: Der 19-Jährige sei "das größte Talent, das ich seit Toni Kroos gesehen habe." Tipp: 3:0

RB Leipzig - Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 15.30 Uhr): Dieses Spiel hat es in der Bundesliga noch nie gegeben. Gut, dass die Partie erst am Sonntag stattfindet, da können die Sachsen ihren Puls aus dem Europa-League-Zitterspiel gegen Luhansk noch runterfahren. Und Fortuna kann derweil einstudieren, wie das die Ukrainer mit dem Kontern gemacht haben. Ihre Ultras können sie damit nicht beglücken. Die boykottieren das Spiel gegen den ihrer Meinung nach durchkommerzialisierten Klub aus Leipzig. Tipp: 2:0

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Bitte entscheidet das an den sieben Screens und schaut nicht so viel Fernsehen im Stadion!" Hoffenheims Trainer Nagelsmann appelliert an die Verantwortlichen, die Entscheidungen beim Video Assistant Referee künftig final im Kölner Video-Center zu treffen.

Quelle: n-tv.de

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