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Studie gibt ermutigende Prognose Mehrheit könnte bis Ende Juli geimpft sein

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Laut den Verfassern der Studie müssen Hausärzte und Betriebsärzte großer Unternehmen stärker in die Impfkampagne einbezogen werden.

(Foto: imago images/Leonhard Simon)

Wann kann Deutschland allen impfbereiten Erwachsenen ein Angebot mit einem Vakzin gegen das Coronavirus machen? Einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge könnten Ende Juli schon mehr als 50 Millionen Menschen immun sein - dafür muss die Taktung der Impfungen allerdings hochgefahren werden.

Trotz aller Probleme bei der Impfstoff-Versorgung wäre es nach Berechnungen von Wissenschaftlern möglich, bis Ende Juli alle impfwilligen Erwachsenen in Deutschland mit einem vollständigen Impfschutz zu versehen. Dazu reichten rechnerisch sowohl die in den kommenden Wochen von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Impfdosen als auch die Kapazitäten in Impfzentren, Hausarztpraxen und bei Betriebsärzten, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Wenn die Impfstoffe in dem derzeit vorgesehenen Tempo geliefert und sofort vollständig verabreicht würden, könnten die mutmaßlich knapp 53 Millionen impfwilligen Erwachsenen rechnerisch sogar bis Ende Juni vollständig immunisiert werden.

"Der aktuelle Ärger über knappe Impfstoffe, überlastete Terminportale und kurzfristig nicht verimpfte Dosen ist nachvollziehbar und Fehler müssen natürlich aufgearbeitet werden. Aber das sollte den Blick nach vorne nicht verstellen", sagt Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. "Die Lieferungen nehmen Fahrt auf. Die Verfügbarkeit der Vakzine ist in wenigen Wochen kein Engpass mehr."

Dullien und sein Forscherkollege Andrew Watt stützen ihre Berechnungen auf die aktuellen Statistiken der Bundesregierung, die angeben, wann wie viele der bestellten Impfdosen gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen sollen, auf Umfragen zur Impfbereitschaft, die Angaben von Ärzteverbänden zu den Kapazitäten in niedergelassenen Praxen sowie Erfahrungen mit den jährlichen Grippeschutzimpfungen.

Auf dieser Basis haben die Forscher folgende Projektion entworfen: Angekündigt seien bis Ende Juli knapp 137 Millionen Dosen der Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca sowie Johnson & Johnson, das kürzlich in der EU zugelassen wurde und nur einmal injiziert werden muss. Damit könnten rein rechnerisch 77,6 Millionen Erwachsene vollständig immunisiert werden. Jüngsten Umfragen zufolge liege die Impfbereitschaft bei etwa 75 Prozent der Erwachsenen, was 52,5 Millionen Personen entspreche. Lege man diese Zahl über den Regierungs-Fahrplan zu den Vakzin-Lieferungen, könnten theoretisch sogar bis Ende Juni alle Impfwilligen vollständig immunisiert werden, schreiben die Wissenschaftler.

Mindestens 670.000 Impfungen täglich

Diese Daten machen nach Analyse von Dullien und Watt deutlich, dass ab Anfang des zweiten Quartals nicht mehr die Verfügbarkeit der Impfstoffe, sondern vor allem die Kapazitäten der Impfeinrichtungen das Immunisierungstempo bestimmen werden. Um den Bedarf abzuschätzen, berechneten die Wissenschaftler einen sogenannten "Impfpfad", der verfolgt werden müsse, um das Ziel zu erreichen.

Aktuell würden an starken Tagen bundesweit rund 200.000 Menschen geimpft - eine Verdopplung innerhalb der vergangenen Wochen. Bis Anfang April müsse die Zahl der täglichen Impfungen auf durchschnittlich 275.000 steigen. Das ginge wahrscheinlich mit den bestehenden Impfzentren, die beim bisherigen Impftempo nur zum Teil ausgelastet seien. Ab April wäre dann ein großer Sprung nötig, um mit den verfügbaren Vakzinmengen Schritt zu halten: Die Zahl der täglichen Impfungen müsste auf durchschnittlich gut 670.000 steigen und sogar Höchstwerte von 800.000 erreichen, um den normalerweise geringeren Betrieb am Wochenende auszugleichen, heißt es in der Studie.

Diese Beschleunigung sei zwar ambitioniert, aber nicht illusorisch, so Dullien und Watt. Voraussetzung dafür sei, dass die Hausärzte bis dahin flächendeckend gegen Corona impfen können und große Unternehmen ihre Betriebsärzte in die Impfkampagne einbeziehen. Damit kämen ausreichend große Kapazitäten ins Spiel, um die Aufgabe zu meistern, rechnen die Ökonomen vor: So könnten nach Einschätzung des Hausärzteverbandes allein in den niedergelassenen Praxen im Wochendurchschnitt relativ problemlos 2,5 Millionen Patienten immunisiert werden. Und in der relativ kurzen Saison der Grippeschutzimpfungen erhalten jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Menschen eine schützende Spritze.

Das System der Anmeldung zur Impfung müsse dafür deutlich verbessert werden, analysieren die Forscher. Aber auch das sei machbar, zumal die Terminvergabe flexibler gehandhabt werden könne, nachdem die höheren Risikogruppen in der Bevölkerung bis Ende April durchgeimpft seien. Sehr wichtig sei dabei, dass bei Impfangeboten in Unternehmen kein Druck entstehe, das Angebot auch anzunehmen. Sich impfen zu lassen oder nicht, müsse immer eine freiwillige Entscheidung sein. "Jeder Impfzwang erhöht die Gefahr, dass die öffentliche Akzeptanz der so wichtigen Impfkampagne beschädigt wird", sind sich die Autoren sicher.

Quelle: ntv.de, hek/rts

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