Leben

Eine für alle Rosi, Tatjana und Lisa: Gone too soon

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Tatjana Patitz, Rosi Mittermaier und Lisa Marie Presley (v.l.) werden fehlen.

(Foto: Reuters/ imago sportfotodienst/ dpa)

Drei wunderbare Frauen sind gestorben, alle viel zu früh. Überraschend ist ihr Ableben wahrscheinlich eher nicht, also kein Grund für Geschwurbel, aber es ist verstörend. Dennoch: Wenn du mich fragst, wird alles gut, mein Kind.

Natürlich sterben jeden Tag Menschen, aus vielen Gründen. Menschen sind alt, krank, ihre Zeit ist abgelaufen, und nichts kann ihre Liebsten trösten. So ist das Leben, wir sind geboren, um zu sterben, die einen früher, die anderen später. Und trotzdem habe ich schon eine gewisse Angst entwickelt, morgens mein Handy anzumachen, weil mich Nachrichten, die den viel zu frühen Tod einer Person, die man aus irgendwelchen Gründen gut fand, ereilen könnten. Quasi alle vier Tage hat dieses Jahr bereits für einen solchen Moment gesorgt, ich hoffe, es reicht jetzt. Mit dem Tod von Jeff Beck sind es sogar alle drei Tage ein prominenter Toter.

Das erinnert mich an das Jahr 2016, als David Bowie, Prince und George Michael starben. Drei musikalische Helden, und einige werden nun aufschreien, dass man das doch nicht vergleichen könne. Auch Götz George und Roger Willemsen starben in dem Jahr. Und das sind lange nicht alle. Als ob man beim Sterben irgendetwas vergleichen kann. Mit Rosi Mittermaier aber, Tatjana Patitz und Lisa Marie Presley sind drei Frauen gestorben, von denen man - ich - noch viel mehr hören und lesen wollte, denen man mehr Leben gegönnt hätte. Eine sympathische, auf dem Boden gebliebenen Ski-Heldin, ein wunderschönes, mysteriöses Model, und die Tochter des King of Rock'n'Roll.

Darauf eingehen, ob der Suizid ihres Sohnes vor nur zwei Jahren zu Lisa Marie Presleys Tod beigetragen haben könnte, vermag ich nicht. Dass eine Mutter gebrochen ist, wenn ihr Kind stirbt, steht außer Frage, die Frage danach, wie man weitermachen kann, außer natürlich, und so war es wohl auch bei Lisa Marie, für die anderen Kinder da sein zu wollen, ist außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Dass alle drei Frauen ein außergewöhnliches Leben geführt haben, jede auf ihre eigene Art, ist tröstlich, tröstet aber nicht darüber hinweg, dass ihr Tod zu früh kam. Mit 54, 56 und 72.

Sorry, ihr Kleinkinder

Ich sitze heute, an einem Freitag den 13., mit Blick auf einen bayerischen See, schreibe und weiß, dass ich ein Glückskind bin. Ich genieße jeden Augenblick, nehme nichts für selbstverständlich. Ich habe gelernt, dass Zeit kostbar ist. Ich habe schon viel zu viel Zeit verschwendet, früher. Aber das ist auch okay, denn wenn man jung ist, denkt man im besten Fall nicht an den Tod, das soll so sein. Mit 20 ist Mitte 50 so weit weg, Anfang 70 kaum vorstellbar. Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir, auch wenn wir sehr traurig sind, den Tod unserer Großeltern irgendwie verstoffwechseln können.

Den der Eltern dann später - wir sind hoffentlich schon erwachsen und selbst reif, haben eine Menge Zeit mit ihnen verleben dürfen - ebenso, auch wenn es schwerer wird, dann akzeptieren zu müssen, dass wir nun "die Ältesten" sind. Wenn es gut läuft, haben wir alle Unklarheiten beseitigt, alte Wunden geschlossen, Verständnis für die anderen, Älteren aufbringen können und das verziehen, was zu verzeihen war. Im allerbesten Fall wurde auch uns verziehen - Dummheit, Arroganz, Überheblichkeit, Sprachlosigkeit.

Was mich zum größten Aufreger bringt, wenn man von den wirklichen Problemen dieser Welt wie Krieg in Europa, Klimakatastrophen und politischem Unvermögen à la Lambrecht im eigenen Land mal absieht: Harry. Ich frage mich ernsthaft, ob der junge Mann fremdgesteuert ist. Und doch möchte ich mir nicht anmaßen, wirklich über die Gründe zu urteilen, die ihn zu seinem Kleinkindverhalten (sorry an alle Kleinkinder!) gebracht haben müssen.

Aber: Mein Bruder kann sicher auch ein Lied darüber singen, der Zweitgeborene zu sein. Denn ich bin die Erste. Zumindest kalendarisch. Ob ich danach immer wie die Nummer 1 agiert habe, wage ich mal zu bezweifeln. Fest steht, dass mein Bruder vieles besser, richtiger gemacht hat als ich. Das ist logisch, denn er konnte mir von Anbeginn ja beim Scheitern zusehen. Konnte lernen, wie man die Eltern um den Finger wickelt, wie man mit Mädchen spricht, wie man es schafft, dass Mama die Hausaufgaben mitmacht. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meinen kleinen Bruder, der zum Glück größer ist als ich, sehr. Aber natürlich hat jeder seiner Rolle.

Streit gehört dazu

Ich nun mal die der Ersten, er der Zweite, da kann man nix dran rütteln. Er musste sich psychische und physische Grausamkeiten meinerseits gefallen lassen. Zum Beispiel, als er mal fragte, ob ich denke, dass er noch wachsen würde, da war er 12, ich 15, und ich eiskalt sagte: "Ich fürchte, nicht." Ich wurde gerade konfirmiert, war riesig, alle Jungs waren kleiner, es waren Teenager-Jahre, da ist das so, da wächst auch ein Arm schneller als der andere und vor allem schneller als das Gehirn, aber da müssen wir durch. Auch mein Bruder wurde dann rasch ein Teenager, er wurde riesig, also normal groß, und alles war gut. Gekratzt, geschubst, gebissen, gerauft haben wir ständig. Aber uns auch immer wieder vertragen, vor allem, wenn wir gegen unsere Eltern ankommen wollten. Zwei gegen zwei. Niemand durfte und darf schlecht über meinen Bruder sprechen, außer ich, und immer haben wir seitdem zusammengehalten.

Ich bin wirklich froh, dass er nicht der Typ für Memoiren ist, in denen er mir jetzt etwas vorwerfen kann, denn weder müssen wir uns um eine Krone noch Schlösser noch um ein unmenschliches Vermögen streiten, ich habe noch heute den Eindruck, dass wir alles ganz prima miteinander teilen. Auch die nicht so schönen Dinge im Leben. Wir versuchen, uns dann gegenseitig zu entlasten und das zu erledigen, was der andere nicht so gerne macht oder kann. Wir verbringen Weihnachten und auch freiwillig Zeit miteinander, unsere Kinder haben zusammen gespielt, gehen gemeinsam zur Schule oder miteinander aus.

Habe ich Blessuren davongetragen? Geringfügig. Die Erkenntnis, dass mein Bruder das Auto meiner Mutter einfach nahm und wegfuhr, während ich zwei Wochen vorher einen schriftlichen Antrag stellen, jeden Kratzer erklären musste. Hat mir das geschadet? Nein? Hat mein Bruder irgendeinen Schaden davongetragen? Nicht sichtbar. Und er würde, auf Anfrage, natürlich sagen, ja klar, ich habe so gelitten unter dir, aber er würde lachen und es wäre klar: Alles in Ordnung. Und spätestens, wenn ich vor ihm 60 werde, ist die Welt sowieso wieder zurechtgerückt ...

Familien, die sich streiten, haben wir als kaputt und unattraktiv wahrgenommen. In unserer Familie stritt man sich auch, aber man vertrug sich eben wieder. Ein Jahr sprachen meine Eltern mal nicht mit mir, aber dieser Zustand wurde zum Glück von meiner Mutter beendet. Wir haben uns alle beieinander entschuldigt, die Emotionen waren hochgekocht. Emotionen eben - es gibt sie in schlecht und in gut.

Danke, Charlotte!

Zurück zu Henry Charles Albert David. Ja, er hat seine Mutter verloren. Das ist furchtbar und lebensverändernd wie nichts anderes auf der Welt. Es ist über 25 Jahre her. Es wäre so wünschenswert gewesen, dass er sich in der Zwischenzeit hätte finden können, und es sah auch lange danach aus. Nach all den Eskapaden, die sich bei Royals nur Nicht-Thronfolger erlauben können - wilde Saufereien, Raufereien, Knutschereien - hatte man doch den Eindruck, dass es eine Zeit gab, in der er mit seinem Bruder und seiner Schwägerin ein ganz formidables Trio bildete. Bis Meghan kam.

Sie brachte alles aus dem Gefüge. Wenn mir damals nicht jemand gesagt hätte, dass sie PoC ist, ich hätte es gar nicht gleich bemerkt. Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass sie eine besonders begnadete Schauspielerin ist - auch das hätte ich nicht bemerkt, denn ihre einzige nennenswerte Rolle in der TV-Serie "Suits" ist an mir vorübergegangen. Und wenn sie selbst nicht ständig darüber reden würde, was für eine eifrige Feministin sie ist - auch das wäre an mir vorbeigegangen.

Egal, das Paar ist nun reich, eine Versöhnung mit der restlichen Familie scheint außer Sicht, sie haben alles verspielt, was es zu verspielen gilt. Ihre Kinder werden nicht mit ihren Cousins und ihrer Cousine aufwachsen, nicht mit Opa und seiner Frau, und einige werden das okay finden, weil die alle einen an der royalen Marmel haben, aber Gnade Gott diesen Kindern, wenn sie eines Tages die Memoiren ihres Vaters lesen: Von abgefrorenen Penissen, Sex-Eskapaden, Bitterkeit und einer Mutter, die ihren Ruhm auf dem Mitleid der anderen aufzubauen versuchte. Das tut niemand, der einigermaßen bei Verstand ist, seinen Kindern an.

Letzte Woche habe ich durch eine göttliche Fügung kurz Charlotte Knobloch treffen dürfen, der ich einfach sagen musste, dass ich sie bewundere. Sie sah sehr gut aus mit ihren 90 Jahren, klein, aber aufrecht, sehr chic, die Rede, die sie kurz zuvor gehalten hatte, war voller Leidenschaft, Witz, Stärke und Hoffnung. Sie war äußerst freundlich zu mir und ich fühlte mich fast so, als hätte ein Pfarrer mir auf den Kopf getätschelt und gesagt: "Wenn du mich fragst, wird alles gut, mein Kind." Diese Textzeile hatte sie ganz sicher nicht von Peter Fox geklaut, sie sprach aus Überzeugung. Ich gehe nun jeden Abend mit diesem Mantra ins Bett und freu mich, wenn ich morgens wieder wach und noch da bin. Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende mit Ihren Liebsten.

Quelle: ntv.de

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