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Wieso Feminismus jetzt Spaß macht Amy Schumer, schmutziges All-American-Girl

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Amy Schumer verzaubert als All-American-Girl, doch dahinter verbirgt sich eine feministische Botschaft.

Youtube/Comedy Central

Sie ist ein viraler Alptraum. Amy Schumer twerkt, stolpert in Kimyes Foto - und ganz nebenbei klärt sie noch fix über sexistische Alltagsfallen und Rape Culture auf. In den USA ist sie bereits ein Star, hier wird sie einer werden.

Wenn Frauen witzig sind, wird das nicht unbedingt gern gesehen - erst recht nicht, wenn sie Witze über Männer machen. Trotzdem lieben alle Amy Schumer. Sie hat über Rape Culture gesprochen, über gleiche Gehälter für Männer und Frauen und über das Recht auf selbstbestimmte Fortpflanzung. Während Feministen häufig vorgeworfen wird, nicht einmal ein kleines bisschen Spaß zu verstehen, bejubeln Amy Schumer auch die, die sich sonst lieber nicht zum F-Wort bekennen.

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Seltsame Erwartungen ans Sexleben? Kennt Amy Schumer - und macht sich darüber lustig.

(Foto: Youtube/Comedy Central)

Dabei ist es nicht nur in Sachen Frauenrechte, sondern ganz allgemein besonders schwierig, eine Botschaft in Comedy zu verpacken und nicht als Meinungsdiktator dazustehen. Kollegin Lena Dunham beispielsweise lässt in ihrem Fernsehformat "Girls" als Hannah Horvath ihre Bühnenpersönlichkeit mit privater Identität verschmelzen und macht sich so auch als Privatperson angreifbar.

Amy Schumer hingegen hat unter ihrem eigenen Namen eine derart überzeichnete Kunstfigur geschaffen, dass sich ihre Arbeit einer Debatte um die Künstlerin dahinter weitgehend verwehrt. Damit könnte sie dem branchentypischen Problem entkommen, als Frau zunächst einmal gefallen zu müssen.

In High Heels und knappem Kleidchen

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"Inside Amy Schumer" läuft in den USA bei Comedy Central. Die meisten Zuschauer des Senders sind männlich. Deswegen hilft es sicher, dass sie als flirty "All-American-Girl" durch die Welt geht - obwohl sie konstant darauf besteht, keinem Hollywood-Schönheitsideal zu entsprechen. In ihrem Sketch "12 Angry Men" wird minutenlang debattiert, ob Schumer überhaupt "heiß genug ist, um im Fernsehen zu sein".

Doch Schumer hat verstanden, wie sie nicht nur den Fuß in die Tür setzt, sondern sich mit ihrer geballten Großartigkeit dauerhaft im Raum platziert: Für ihre Stand-Up-Show "Mostly Sexy Stuff" erscheint sie in High Heels und knappem Kleidchen. Mit adretter Optik hofft Schumer, auch Zuschauer für sich zu interessieren, die sich für gewöhnlich weniger für ihre Inhalte begeistert hätten. Vielleicht warten sie ab, was das hübsche Ding zu sagen hat. Und zu sagen hat Schumer viel.

"Last Fuckable Day"

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Über 3,7 Millionen Views hat ihr Sketch "Girl You Don't Need Makeup" auf Youtube. Einzigartig herablassend trällern die Mitglieder einer Boygroup davon, dass sie die Einzigen sind, die die wahre Amy zu würdigen wissen - bis sie sich abschminkt. Angenehmes Gegengift übrigens zum One-Direction-Hit "You Don't Know You're Beautiful", auf den junge Mädchen besser pfeifen sollten. Genauso übrigens wie auf die Prinzessinnen-Geschichten. Die adligen Damen werden vielleicht wachgeküsst, "Princess Amy" aber illustriert hervorragend, wieso ein Palast-Leben so gar nicht Disney oder Buckingham ist.

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Wie Frauen aussehen sollen, wie sie sich verhalten und denken sollen, ist eines von Schumers großen Themen. Gemeinsam mit den feministischen Ikonen Tina Fey, Julia Louis-Dreyfus (genau, Elaine Benes aus "Seinfeld") und Patricia Arquette (die Frau hinter der flammenden Oscar-Rede zu gerechten Löhnen) markiert Schumer ein Ablaufdatum von Frauen im Filmgeschäft als "Last Fuckable Day". An der Seite von Popo-Wunder Amber Rose fängt sie mit "Milk, milk, lemonade" zunächst Blicke mit prallen Hinterteilen, erinnert Gaffer dann aber ganz schnell daran, wozu auch Frauen ihr Gesäß nach dem Sitzen am meisten gebrauchen - die Antwort ist nicht Twerken.

Wie einvernehmlich muss Sex sein?

Amy Schumer macht politische Witze, die das Publikum nicht gerade zum Brüllen bringen, die jedoch schmunzelnden Beifall ernten, weil die Applaudierenden den Inhalten zustimmen. "Football Town Nights" zum Beispiel ist zunächst eine Parodie der Drama-Serie "Friday Night Lights", die rund um ein Highshool-Football-Team kulturkritisch Südstaaten-Gewohnheiten portraitiert.

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Dann aber ist der Sketch eine prägnante Darstellung davon, wie verdreht die Idee von einvernehmlichem Sex sich im US-amerikanischen Bildungssystem spiegelt. Der Coach im Clip muss sein Team daran erinnern, dass ein aufreizendes Outfit keine Vergewaltigung rechtfertigt und man eine Frau auch nicht gegen deren Willen anfasst, weil sie früher einmal Ja gesagt hat oder weil man sich sicher ist, die Tat vertuschen zu können.

All diese kleinen Schnipsel aus "Inside Amy Schumer" sind auf Youtube abrufbar. Sie sind lustig und zitierfähig - wie dafür gemacht, online geteilt, besprochen und gefeiert zu werden. Genauso wie Schumers Auftritte abseits der Bühne. An ihr kommt man nicht vorbei.

"Ein Schwanz, wann immer ich möchte!"

Als eine der laut "Time Magazine" einflussreichsten 100 Personen der Welt fällt sie vor zwei anderen mit Listenplätzen - Kim Kardashian und Kanye West - auf dem roten Teppich hin. Sie lässt sich halb nackt mit Star-Wars-Figuren ablichten, schmuggelt sich ins Verlobungsfoto eines schwulen Paars oder ruft bei der Preisverleihung eines Frauenmagazins: "Ich wiege 160 Pfund und ich kriege einen Schwanz ab, wann immer ich möchte!"

Vielleicht ist es einfach der klassische Cocktail aus clever und versaut, der Amy Schumer zu einer Frau macht, auf die sich alle einigen können. Statt sich in die Tomboy-Nische einer Sarah Silverman zu drängen, zelebriert Schumer Mädchenhaftigkeit - allerdings eine selbstbestimmte. Ihre Witze sind derb, höhnisch und provokativ. Sie sind überzeichnet, ja, doch immer so nüchtern in der Lebensrealität verankert, dass sie betroffen machen - im guten wie im schlechten Sinne.

Quelle: n-tv.de

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