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Dienstag, 15. Mai 2018

Löws Kader für die WM: Heldengrätscher und ein bayerischer Patient

Von Stefan Giannakoulis und Tobias Nordmann

Die übliche Überraschung ist dabei, die üblichen Verdächtigen sind es auch, nur Dortmunds Mario Götze ist raus. Der Mann, der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Turnier in Brasilien vor vier Jahren in Rio de Janeiro zum Titelgewinn schoss, muss zu Hause bleiben. Darauf hat sich Bundestrainer Joachim Löw vorläufig festgelegt und sich eine Kombo zusammengestellt, die bei der Weltmeisterschaft in Russland von 14. Juni bis möglichst zum 15. Juli mitspielt - und am besten auch gewinnt. Ob's für den Titel reicht? Die 27 Nominierten im Kurzporträt - und nicht vergessen: Vier von ihnen fallen noch raus.

DIE TORHÜTER

Manuel Neuer (FC Bayern, 32 Jahre alt, 74 Länderspiele): Einst hat der Bayern-Keeper die internationale Fußball-Offensive traumatisiert, nun traumatisiert ihn sein Fuß. Drei Brüche, zuletzt acht Monate Pause. Solche Heildimensionen erreichen sonst nur Marco Reus und die Bender-Zwillinge Lars und Sven. Löw hat Neuer ohne Spielpraxis nominiert, weil der Bundestrainer halt an Wunder glaubt. Ein bisschen jedenfalls: "Wir haben scho au eine Verantwortung der Mannschaft gegenüber." Was heißt: Bloß kein Unsicherheits-Risiko. Prompt erreicht uns aus München die Kunde, der bajuwarische Patient habe erstmals eine komplette Trainingseinheit mit der Mannschaft absolviert. Aber: Wackelt Neuer au nur ein bisschen, wird ihn Löw offen und ehrlich wieder ausladen. Sein Ersatz ist schließlich ein guter Mann.

Bilderserie

Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona, 26 Jahre alt, 19 Länderspiele): Wie gesagt, ein guter Mann, und mittlerweile unumstrittene Nummer eins beim spanischen Meister. Die Sporttageszeitung "Marca" adelte ihn als "Lionel Messi mit Handschuhen". Das bezieht sich mutmaßlich eher weniger auf seine Körpergröße als vielmehr darauf, dass er Außergewöhnliches zu leisten imstande ist. Vor der Europameisterschaft 2016 in Frankreich hieß es, er habe gefühlt noch nie ein gutes Spiel für die Nationalelf absolviert. Das hat sich grundlegend geändert, mit ihm im Tor gewann die DFB-Elf im Sommer des vergangenen Jahres den Confed Cup. Und im Grunde ist er eh längst der Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft. Zur Erinnerung: Der malade Kollege Neuer absolvierte sein bisher letztes Länderspiel im Oktober 2016.

Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen, 26 Jahre alt, sechs Länderspiele): Nach sieben Jahren unter dem Bayer-Kreuz gilt es als ausgemacht, das er Leverkusen verlässt. Wohin? Das ist unklar, im Gespräch sind unter anderem Atlético Madrid und der FC Arsenal. Aber wie dem auch sei: Er wird in Russland auf der Bank sitzen. Mehr ist für ihn nicht drin.

Kevin Trapp (Paris Saint-Germain, 27 Jahre alt, drei Länderspiele): Apropos Bank: Beim französischen Meister in Paris sitzt er zwar meist eben dort, aber wenn er gefragt ist, ist er zur Stelle. So auch beim 2:2 im Testspiel gegen Frankreich Mitte November in Köln. Bleibt Neuer dahoam, ist er dabei - auf der Bank.

DIE ABWEHR

Seinerzeit in Lille: Jérôme Boateng.
Seinerzeit in Lille: Jérôme Boateng.(Foto: dpa)

Jérôme Boateng (FC Bayern, 29 Jahre alt, 70 Länderspiele, ein Tor): Wenn es mit der erfolgreichen Titelverteidigung klappen soll, dann ist er einer, auf den der Bundestrainer nicht verzichten kann. Da passt es nicht so gut, dass Boateng seit dem Halbfinalhinspiel in der Champions League gegen Real Madrid verletzt ist. Dabei hatte der Abwehrchef just zu alter Stärke gefunden und seinen Ruf als coolster Innenverteidiger in der Geschichte des DFB aufpoliert. Klar, er kann mit seinen diagonalen Pässen ein Spiel famos aufbauen, wir aber freuen uns vor allem auf seine Monstergrätschen und spektakulären Rettungsaktionen auf der Torlinie - wie weiland 2016 beim 2:0 gegen die Ukraine im ersten EM-Spiel. Sein Trainer Jupp Heynckes sagt: "Nur mit solchen Spielern können wir was gewinnen." Und was sagt Boateng? "Der Bundestrainer hat mit unserem Doktor gesprochen. Er weiß ganz genau, dass ich das Ziel WM habe und es absolut realistisch ist, dass ich da mitfahre."

Mats Hummels (FC Bayern, 29 Jahre alt, 63 Länderspiele, fünf Tore): Boatengs kongenialer Partner hat sich just fit gemeldet, einem Einsatz im Pokalfinale am Samstag (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Frankfurt stehe nichts im Weg. Und einem Einsatz bei der WM erst recht nicht. Auch er kann das Spiel seines Teams nach vorne ankurbeln - und auch er gilt als Spezialist für Heldengrätschen, wie weiland 2016 beim 0:0 gegen Polen im zweiten EM-Spiel. Will meinen: Boateng und Hummels als Bollwerk, das ist schon nicht schlecht.

Niklas Süle (FC Bayern, 22 Jahre alt, neun Länderspiele): Falls es doch nichts wird mit Boateng, zumindest nicht bis zum ersten WM-Spiel der deutschen Mannschaft am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko, drängt sich der um einiges jüngere Süle geradezu auf - schließlich springt er auch beim FC Bayern ein, wenn Not in der Innenverteidigung ist.

Furchtlos: Antonio Rüdiger.
Furchtlos: Antonio Rüdiger.(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Antonio Rüdiger (FC Chelsea, 25 Jahre alt, 23 Länderspiele, ein Tor): Wenn alle Stricke reißen, gibt es noch einen Kandidaten. Rüdiger gibt sich auf seiner Homepage furchtlos: "Wer Angst hat, verliert! Das ist nicht nur eine Parole - das ist wirklich so. Nur mit Furchtlosigkeit kann man im Leben vorwärts kommen." Seit seinem Debüt im Mai 2014 sei Rüdiger fester Bestandteil des Kaders, ließ Rüdiger dort schreiben. Panini sieht das ähnlich. Beim italienischen Klebebildchenhersteller gehört er zu den 18 Auserwählten, die es ins Album geschafft haben. Und ihm ist etwas gelungen, was in Europa in dieser Saison noch keinem gelungen ist. Rüdiger hat Jürgen Klopps immer heißer gelaufene Liverpooler Fußball-Sensation Mo Salah vor zwei Wochen vorübergehend auf Mitläuferstatus abgekühlt. Einfach so, ganz lässig. Weil Salahs Ägypter bei der WM auch dabei sind, muss Rüdiger mit. Hat diese exklusive Fachkompetenz auch ausgebildet, weil er die Ausschläge seiner Leistungen zwischen Heldengrätscher und Huiuiui-Verteidiger hochwertig stabilisiert hat.

Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach, 24 Jahre alt, 17 Länderspiele): Der Wechsel vor dieser Saison von Borussia Dortmund zur Namenscousine an den Niederrhein hat sich für ihn durchaus gelohnt. Er ist einer der Fittesten, hat alle 34 Bundesligaspiele absolviert. Seine Maxime: "Man muss als Profi alles dafür tun, um gesund zu bleiben." Der Innenverteidiger schießt neuerdings Tore, fünf in dieser Saison. Und: Zur Not kann er es auch am rechten Ende der Viererkette - und da hat Löw sonst nur Joshua Kimmich. Apropos:

Joshua Kimmich (FC Bayern, 23 Jahre alt, 27 Länderspiele, drei Tore): Dass er bis auf absehbare Zeit den Job am rechten Ende der Viererkette übernimmt, ist seit der EM 2016 keine ernsthafte Frage mehr. Und an den FC Bayern hat sich der 23 Jahre alte Abwehrspieler bis 2023 gebunden, wenn man davon ausgeht, dass Verträge im Profifußball noch in irgendeiner Weise verbindlich sind. Der Mann hat also vorgesorgt. Und kann sich nun in Ruhe darauf konzentrieren, die ihm zugedachte Rolle als einzig legitimer Nachfolger Philipp Lahms mehr und mehr auszufüllen. Er ist auf einem sehr guten Weg.

Kölner: Jonas Hector.
Kölner: Jonas Hector.(Foto: imago/DeFodi)

Jonas Hector (1. FC Köln, 27 Jahre alt, 36 Länderspiele, drei Tore): Der designierte Zweitligaspieler hat den Job am linken Ende der Viererkette in der Tasche und gilt, seit er trotz des Abstiegs der Kölner seinen Vertrag verlängerte, als letzter Romantiker im kalten Fußballgeschäft, als der Uwe Seeler vom Rhein. Bleibt die Frage, wie und ob es dann für ihn nach der WM in der DFB-Elf weitergeht, wenn er gegen Darmstadt, Regensburg und Sandhausen kickt, während viele seiner Kollegen sich mit ihren Topklubs in der Champions League vergnügen. Wie er berichtete, sei Löws Reaktion "nicht negativ" gewesen. Aber wohl auch nicht explizit positiv.

Marvin Plattenhardt (Hertha BSC, 26 Jahre alt, sechs Länderspiele): Er wird definitiv auch in der kommenden Saison nicht in Europas Königsklasse spielen, Hertha halt. Aber angesichts der Tatsache, dass er auf der linken Seite der Abwehr derzeit der einzige ist, der den Kollegen Hector ersetzen könnte, ist es wenig überraschend, dass er es in den vorläufigen Kader geschafft hat - und auch in Russland dabei sein wird.

Die DFB-Elf vor der WM

seit Mittwoch, 23. Mai
Trainingslager in Südtirol (bis 7. Juni)

Samstag, 2. Juni, 18 Uhr
Österreich - Deutschland in Klagenfurt

Montag, 4. Juni
DFB meldet Fifa endgültigen WM-Kader

Freitag, 8. Juni, 19.30 Uhr
Deutschland - Saudi-Arabien in Leverkusen

Dienstag, 12. Juni: Abflug nach Moskau

WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli

Sonntag, 17. Juni
Deutschland - Mexiko in Moskau, 17 Uhr

Samstag, 23. Juni
Deutschland - Schweden in Sotschi, 20 Uhr

Mittwoch, 27. Juni
Deutschland - Südkorea in Kasan, 16 Uhr

Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen, 22 Jahre alt, drei Länderspiele): Er ist - neben Freiburgs Nils Petersen - so etwas wie das Überraschungsei im Löw'schen Kader. Zuletzt spielte er im November 2016 für die Nationalmannschaft. Und er ist Innenverteidiger Nummer fünf. Nun gut. Wir werden sehen, ob Tah es tatsächlich zur WM schafft. Die Hoffnung jedenfalls hatte er nie aufgegeben. Schon vor der Nominierung verkündete er im "Kicker": Nein, ich habe keinen Urlaub gebucht. Ich bin immer bereit."

DAS MITTELFELD

Toni Kroos (Real Madrid, 28 Jahre alt, 82 Länderspiele, zwölf Tore): Im Grunde hat er alles erreicht: Er ist Weltmeister, hat mit Real Madrid 2016 und 2017 die Champions League gewonnen und steht mit den Königlichen am 19. Mai gegen den FC Liverpool in Kiew schon wieder im Endspiel. Nicht nur deshalb zählt die lebende Passmaschine aus Greifswald mit den beiden Monstergrätschern im Rücken zu den Unantastbaren der Löw'schen Eleven.

Sami Khedira (Juventus Turin, 31 Jahre alt, 73 Länderspiele, sieben Tore): Er ist hinter dem ein Jahr älteren Mario Gomez der Methusalem im Team - und gehört seit jeher zu den selbstbewussteren Profis, was ja nicht schlecht sein muss. Schon vor der Nominierung hatte er angekündigt: "Ich bin überzeugt davon, dass ich von Beginn an auf dem Platz stehen werde."

Verdammt ballsicher: Ilkay Gündoğan.
Verdammt ballsicher: Ilkay Gündoğan.(Foto: dpa)

Ilkay Gündoğan (Manchester City, 27 Jahre alt, dennoch erst 24 Länderspiele, vier Tore): Hat zwei gesunde Füße, bewegt sich auf ihnen auf Rasen sehr elegant. Ziemlich unrund wird der Gang, wenn der Profi von Manchester City die politische Bühne betritt. Hat er selbst bemerkt und sich die Liebeserklärung auf dem verschenkten Trikot und das breite Grinsen an der Seite des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan irgendwie als nicht so schlimm und nicht so gemeint gerade gebogen. So richtig überzeugend klang das nicht, ein Grund ihn aus der Nationalmannschaft zu verbannen war's aber auch nicht. Ist halt verdammt ballsicher, spielintelligent und die einzige Alternative, sollte Mittelfeldperfektionist Kroos mal ausfallen - oder Khedira doch nicht in der Startelf stehen.

Sebastian Rudy (FC Bayern, 28 Jahre alt, 24 Länderspiele, ein Tor): Er drängt sich jetzt nicht gerade auf - aber das hat er nie getan. Sein Vorteil könnte sein, dass die Luxus-Ergänzungskraft des FC Bayern als defensiver Mittelfeldspieler zur Not auch als rechter Außenverteidiger einspringen könnte - falls der Vereinskollege Kimmich mal ausfällt. Er möchte vielleicht auch deshalb nicht weg aus München. Dass die Konkurrenz beim FC Bayern - unter anderem durch den Bochumer DFB-Spieler Leon Goretzka - immer größer wird, egal. Mit der Einstellung ist er auch in der Nationalelf sehr willkommen. Würde nie mosern, wenn er nicht spielt. Würde aber wohl nie einen Fehler machen, wenn er spielt.

Leon Goretzka (FC Schalke 04, 23 Jahre alt, 14 Länderspiele, sechs Tore): Der beim VfL ausgebildete gebürtige Bochumer und designierte Angestellte des FC Bayern galt ja als Wackelkandidat in Sachen WM-Kader. Auch, weil er häufig verletzt ist. Aber er ist halt ein sehr feiner Fußballer. Sein Talent beeindruckt offenbar auch den Bundestrainer - und die Tatsache, dass Goretzka im Mittelfeld vielseitig einsetzbar ist.

WM-Jahre sind Müller-Jahre
WM-Jahre sind Müller-Jahre(Foto: imago/Moritz Müller)

Thomas Müller (FC Bayern, 28 Jahre alt, 90 Länderspiele, 38 Tore): Ach ja, der Thomas. Seine Karriere als unverzichtbarer Raumdeuter war im vergangenen Oktober ja im Prinzip beendet. Bei Ex-Bayern-Coach Carlo Ancelotti war er so beliebt, wie Horst Seehofer bei den Linken. Schmollte immer schmolliger auf der Bank, bis Jupp Heynckes ihn erlöste. Seither scharwenzelt er wieder so staksig und unangepasst in Räume die es gar nicht gibt. Wer ihn dort findet, wird meist mit einer furiosen Idee belohnt. Ist tatsächlich wieder unverzichtbar, zumal er ja auch wieder Tore schießt - wie jüngst beim 1:1 im Testspiel gegen die Spanier. Kurzum: WM-Jahre sind Müller-Jahre.

Mesut Özil (FC Arsenal, 29 Jahre alt, 89 Länderspiele, 22 Tore): Kann wirklich spitzenmäßig vorbereiten. Kann einen aber auch spitzenmäßig zur Verzweiflung bringen. Wirkt trotz aller Versuche seine stets leicht verhuschte Körpersprache positiv zu deuten, auf dem Feld öfter mal ein wenig übermüdet. Der Bundestrainer aber ist fasziniert von der Technik und Passgenialität des Spielmachers - 22 Tore und 40 Torvorlagen in 89 Länderspielen sind tatsächlich nicht sooo schlecht. Für Starcoach José Mourinho ist er die "beste Nummer zehn der Welt" - und für den türkischen Präsidenten Erdogan neuerdings ein Foto-Buddy.

Julian Draxler (Paris Saint-Germain, 24 Jahre alt, 42 Länderspiele, sechs Tore): Läuft für ihn. Mit der DFB-Elf hat er als Kapitän im Sommer vergangenen Jahres den Confed Cup gewonnen. Und die Modefirma Boss hat ihn als Duftbotschafter angeheuert. Draxler werde "in einem exklusiven Kreis inspirierender Männer an der Spitze der Fußballkampagne" der Marke agieren. Er sieht auch schon so aus, als rieche er gut, sagt die Kollegin. Da passt es doch hervorragend, dass das Beauty-Magazin "Gala" just Draxler zum Thema zitiert: "Ich nehme immer drei Spritzer Parfum, bevor ich die Kabine verlasse!" Hauptsache, das Zeug ist glutenfrei - sein neuer Trainer in Paris heißt nach der WM schließlich Thomas Tuchel.

Dabei: Marco Reus.
Dabei: Marco Reus.(Foto: dpa)

Marco Reus (Borussia Dortmund, 28 Jahre alt, dennoch erst 29 Länderspiele, neun Tore): Wir haben uns kurz die Mühe gemacht, seine Ausfalltage als Erstliga-Profi zusammenzurechnen. Marco Reus kommt auf 828 seit seinem Debüt für die Mönchengladbacher Borussia in der Saison 2009/2010. Das macht, haben wir auch nachgerechnet, zwei Jahre und 97 Tage (vielleicht haben wir ein Schaltjahr vergessen, dann 98 Tage). Wenn es sich also einer verdient hat, endlich mal 'ne WM zu spielen, dann er. Aber weil Fairness nur ein moralisch hehreres Nominierungskriterium ist, belegen wir gerne auch die sportlichen Verdienste: In Dortmunds Hui-bis-Pfui-Truppe war er noch der Beste, traf sieben Mal in elf Spielen. Löw schwärmt: "Er hat eine besondere Gabe und ist eine außergewöhnliche Waffe."

Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen, 22 Jahre alt, 14 Länderspiele, ein Tor): Sein Spiel ist an guten Tagen eine Verheißung. An schlechten etwas zum Akkord-Raunen. Hat Talent, Mut, Technik, aber Leistungsausschläge wie einst Antonio Rüdiger in Italien - zumindest behauptete das damals die Presse. Brandt beherrscht diese Ausschläge nicht nur im Wochenrhythmus, sondern auch während eines Spiels. Ganz sicher ein Wackelkandidat.

Leroy Sané (Manchester City, 22 Jahre alt, elf Länderspiele): Tattoos haben, sagen tätowierte Menschen, stets eine Geschichte, mindestens aber eine Botschaft. Auch Sané hat ein Tattoo. Ein ziemlich großes sogar. Sich selbst. Er trägt sich auf dem Rücken. Das klingt, jaja, ziemlich bescheuert und natürlich sehr selbstverliebt. Aber, was sollen wir sagen, man kann sich wirklich schnell in den Burschen vergucken, so schnell, so trickreich, so überrascht spielt er. Bringt mit seinem Duell-Geschick den so schmerzlich vermisste Straßenkicker-Mut ins deutsche Spiel.

DER ANGRIFF

Timo Werner (RB Leipzig, 22 Jahre alt, zwölf Länderspiele, sieben Tore): Der einzige Rasenballsportler im Kader gilt dann auch gleich als gesetzt, jung, schnell und torgefährlich wie er ist. Vor einem Jahr feierte Timo Werner mit Deutschland in Russland den Gewinn des Confed Cups und erhielt als mit drei Treffern bester Torschütze des Turniers den "Goldenen Schuh". Klare Vorstellungen davon, was auf ihn und seine Kollegen auf dem Weg zur möglichst erfolgreichen Titelverteidigung zukommt, hat er auch: "Natürlich will man Weltmeister werden, das ist das Ziel." Und sein persönliches Ziel, nachdem er in der gerade geendeten Saison 13 Mal in der Liga getroffen hat? "Noch torgeiler werden."

Mario Gomez (VfB Stuttgart, 32 Jahre alt, 73 Länderspiele, 31 Tore): Zehn Jahre nach seinem phänomenal-katastrophalen Wie-kann-er-nur-Stümper-Lupfer im EM-Spiel gegen Österreich ist Mario Gomez das Attribut "Sturm-Löffel" endgültig los. Vernatzte am 33. Spieltag den Hoffenheimer Kevin Akpoguma im Vollsprint so zauberhaft, wie man es sich einst über Pelé erzählte. Hat zur Zusatzqualifikation "feines Füßchen" aber das wuchtige büffeln nicht verlernt. Seit mindestens zwei Jahren wieder eine gute Idee, falls Kimmich mal 'ne hohe Flanke in den Strafraum bringt.

Nils Petersen (SC Freiburg, 29 Jahre alt, kein Länderspiel): Jetzt wissen wir auch, warum sich der Bundestrainer am letzten Spieltag der Bundesliga die Partie des SC Freiburg gegen den FC Augsburg im Schwarzwaldstadion angesehen hat. Petersen jedenfalls, mit seinen 15 Treffern bester deutscher Torschütze der Bundesliga, ist entzückt, dass er nun mit ins Trainingslager nach Südtirol darf. "Die Nominierung ist eine sehr große Ehre für mich. Ich habe damit nicht wirklich gerechnet. Die Chance dabei sein zu können, ist die Krönung der Saison." Was er nicht sagte: Er hat tatsächlich den Münchner Sandro Wagner verdrängt. Aber das dürfte nicht Petersens Problem sein. Und was sagt der Bundestrainer? "Nils hat bei einer Mannschaft, die jetzt wahrlich nicht in jedem Spiel wahnsinnig viele Torchancen herausspielt, 15 Tore erzielt." Und: "Er hat immer einen sehr, sehr guten, sehr, sehr fitten Eindruck gemacht. Er ist außerdem ein sehr guter Joker. Wenn er reinkommt, ist er sofort da. Mein Gefühl sagt mir, dass er mit der Aufgabe wächst. Von ihm verspreche ich mir einiges."

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Quelle: n-tv.de