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"Tatort" und "Polizeiruf 110" So lief die Sonntagskrimi-Saison 2021/22

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Borowski (Axel Milberg) und Kai Korthals (Lars Eidinger) in "Die Rückkehr des stillen Gastes".

(Foto: NDR/Philip Peschlow)

Mit dem "Polizeiruf 110" aus Magdeburg verabschiedet sich der Sonntagskrimi im Ersten in die Sommerpause. Die Saison bot ein illustres Wechselspiel zwischen zuweilen spannungsarmem Gefühlskino und hochspannendem Entertainment. Wir blicken zurück.

Zahlen first

36 "Tatort"-Fälle gab es in der Saison 2021/2022 zu verbuchen, angefangen hatte es mit "Wer zögert, ist tot", "Frankfurt absurd" titelte Kollege Julian Vetten und vergab 7 von 10 Punkten. Auf sechs Folgen brachte es der "Polizeiruf 110", mit "Bis Mitternacht" startete die Serie im September, im Fokus dabei die wohl prägendste Figur der "110"-Saison, Bessie Eyckhoff, gespielt von Shooting-Star Verena Altenberger. 9 von 10 Punkten, das ergab die Wertung für "Bessie und der alte Sack".

Die Zuschauerzahl im Kalenderjahr 2021 lag bei durchschnittlich 9,2 Millionen, was die höchste Zahl seit fünf Jahren bedeutete. Die Quotenkönige aus Münster verbuchten dabei mit "Propheteus" (11,03 Millionen/34,5 Prozent) ihre schwächste Quote seit zehn Jahren, in Zürich wäre man im Falle von "Schattenkinder" (6,85 Millionen/22,3 Prozent) über solche Zahlen sicher froh gewesen. Aber auch am oberen Ende der Skala punkteten Boerne und Thiel. Die Jubiläums-Episode "Des Teufels langer Atem" (14,16 Millionen/41,6 Prozent), der 40. gemeinsame Fall der beiden, sorgte für eine absolute Traumquote.

Time To Say Goodbye

Es war ein Jahr der Abschiede. Sascha Bukow alias Charly Hübner nahm in Rostock seinen Hut. Mit viel Geheimhaltungswirbel war die "Polizeiruf 110"-Folge "Keiner von uns" angekündigt worden. Am Ende gab es einiges an Tränen, bis Bukow einigermaßen unspektakulär vom Hof ritt. Ungleich beeindruckender, um nicht zu sagen schockierender: der Tod von Martina Bönisch (Anna Schudt), die nach 22 Fällen in zehn Jahren in "Liebe mich" einer Kugel zum Opfer fiel und einen völlig zerstörten Faber (Jörg Hartmann) zurückließ. Und auch in Berlin gab es einen traurigen Abschied. Mit "Das Mädchen, das allein nach Haus' geht" ereilte Nina Rubin (Meret Becker) das gleiche Schicksal.

Die Neue

Wo etwas endet, dort beginnt zumeist etwas Neues, das gilt auch für den "Tatort" und den "Polizeiruf". In Rostock blieb es da gewissermaßen in der Familie, Bukows Nachfolge geriet zur gewitzten Personal-Rochade. Charly Hübners Lebensgefährtin Lina Beckmann übernahm und lieferte in "Seine Familie kann man sich nicht aussuchen" ein überzeugendes "Polizeiruf"-Debüt mit einer "erstaunlichen Selbstverständlichkeit".

German Psychos

Die Saison 2021/22 liefert fulminante Finsterlinge, Fälle, die dem Psycho- und Horror-Zossen einiges mehr an Sporen gaben als sonst. Uwe Preuss etwa, als bieder-böser Killer im Frankfurter Fall "Finsternis". Oder "Borowski und der Schatten des Mondes", ein "bildgewaltiger und stark erzählter Film", der an die Tramper-Morde der 70er-Jahre gemahnte. Zuletzt erhitzte die Bremer "Liebeswut" mit seiner knalligen, an Effekten und kruden Typen so reichen Ausstattung die Gemüter.

Und sonst?

"Dreams"mit Batic und Leitmayr hatte als eine der ganz wenigen "Tatort"-Folgen keinen Todesfall zu bieten, dafür aber einiges an luziden Träumen. Traumhaft auch der prominente Gast in Charlotte Lindholms "Alles kommt zurück", unter der Regie von Detlev Buck: Kein Geringerer als Titelmelodie-Trommler Udo Lindenberg ließ sich samt unverzichtbarem Hut blicken.

Weniger sympathisch Borowskis "stiller Gast" von einst und heute: Zum dritten - und leider letzten Mal - hypnotisierte Lars Eidinger als Kai Korthals die Zuschauer. An anderer Stelle tauchte er dafür gleich wieder auf: in der "wunderbar versponnenen Familienaufstellung" mit Felix Murot (Ulrich Tukur), "Das Prinzip Hoffnung". Die perfekte Überleitung zum Schlusssatz: Hoffen wir, dass es in der kommenden Krimi-Saison in der ARD, mit "Tatort" und "Polizeiruf 110", wieder spannend, intensiv und kurzweilig zugeht. Wir wünschen Ihnen einen kriminell schönen Sommer.

Quelle: ntv.de

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