Fußball

So läuft der Bundesliga-Auftakt Willkommen bei den Fußball-Absteigern

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Ach ja: Den Supercup hat der FC Bayern schon gewonnen.

imago/ActionPictures

Das mit der Weltmeisterliga ist nach dem Desaster der DFB-Elf bei der WM in Russland Geschichte, auch mit ihren Klubs hinkt die höchste deutsche Fußballklasse hinterher. Und Meister wird eh wieder der FC Bayern. Gibt es da noch Hoffnung?

Was macht die Liga?

Der FC Bayern, der heute zum Auftakt der Bundesligasaison (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen die TSG Hoffenheim spielt, wird deutscher Fußballmeister, wie schon in der Saison 2017/2018, in der Saison 2016/2017, in der Saison 2015/2016, in der Saison 2014/2015, in der Saison 2013/2014 und in der Saison 2012/2013. So weit, so vohersehbar langweilig. Die Frage ist nur, was das noch wert ist? Mit der Weltmeisterliga ist es vorbei, seit Bundestrainer Joachim Löw bei der WM in Russland mit der DFB-Elf erstmals in der Geschichte in der Vorrunde ausgeschieden ist. Und scheitert die Nationalmannschaft in der von Europas Verband Uefa neu installierten Nations League am neuen Weltmeister Frankreich und an den Niederlanden, dann könnten die Marketingexperten der DFL ihr Premiumprodukt zur Rückrunde dieser 56. Spielzeit, der ersten ohne den ruhmreichen Hamburger SV, mit dem Claim "Absteigerliga" bewerben.

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Demnächst in der Bundesliga? Erst einmal ist Cristiano Ronaldo, 33 Jahre alt, für 117 Millionen Euro von Real Madrid zu Juventus Turin gewechselt.

(Foto: AP)

Den Anschluss an die Topligen des Kontinents hat die Bundesliga verloren. Die Primera División in Spanien hat die Weltklubs FC Barcelona und Real Madrid, die englische Premier League spielt finanziell in ihrer eigenen Dimension, die italienische Serie A kann sich immerhin einen alternden Star wie den Portugiesen Cristiano Ronaldo leisten. Und die Weltmeisterliga ist jetzt die französische Ligue 1. "Der von immer massiveren Investitionen geprägte internationale Top-Fußball hat sich an der Spitze an Deutschland vorbei entwickelt", sagte Axel Hellmann, der im Vorstand der Frankfurter Eintracht sitzt, dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Hannovers Klubpräsident Martin Kind konstatierte: "Die Bundesliga hat international an Bedeutung verloren, besonders auch in der Europa League und in der Champions League". Und der "Bild"-Zeitung sagte er: "Der immer schneller rasende Fußball-Zug rauscht an Deutschland vorbei."

50+1-Regel - Fluch oder Segen?

So richtig diese Aussagen sind, so sehr dienen sie argumentativ dem Ansinnen, die europaweit einzigartige 50+1-Regel zu reformieren oder gar abzuschaffen. Die DFL verbietet Investoren, die Stimmenmehrheit in den Klubs zu übernehmen. Eine Spiellizenz bekommt eine Mannschaft nur, wenn der Mutterverein mindestens "50 Prozent zuzüglich eines weiteren Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner" innehat. So soll der Einfluss von Großunternehmen oder Kapitalgebern auf den Profifußball begrenzt werden. Kind ist mehrfach mit dem Versuch gescheitert, Mehrheitseigner bei Hannover 96 zu werden. Mitte Juli hat die Liga eine Sondergenehmigung abgelehnt. Das Kriterium der "erheblichen Förderung" als Voraussetzung für eine Ausnahme sei nicht erfüllt. Kind sieht das anders, sagt, die Regel sei ausgehöhlt, hat beim Ständigen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen Klage eingereicht und angekündigt, vor das Landgericht Frankfurt zu ziehen. Fortsetzung folgt.

Die 50+1-Regel besagt nämlich auch, dass Investoren die Mehrheit an einem Verein halten dürfen, wenn sie diesen mehr als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert haben. Und so gibt es der Tat eine Reihe von Ausnahmen. Dazu gehören die Werksklubs Bayer 04 Leverkusen, der VfL Wolfsburg, der dem Autobauer VW gehört, und die TSG Hoffenheim, bei der Mäzen Joachim Hopp zu 96 Prozent die Anteile hält. Beim Konstrukt RB Leipzig ist es so, dass die Red Bull GmbH zu 99 Prozent Gesellschafter der RB Leipzig GmbH ist. Offiziell aber hält der Stammverein seit der Ausgliederung der GmbH im Dezember 2014 exakt 50 Prozent der Stimmanteile plus eine weitere Stimme. Trainer und Sportdirektor Ralph Rangnick ätzte jüngst in der "Süddeutschen Zeitung": "Die grundsätzliche Frage ist: Was wollen wir? Weiter unsere Tradition pflegen? Dann werden wir als Liga irgendwann dort landen, wo der eine oder andere Traditionsklub leider schon gelandet ist: auf dem Friedhof der Erinnerung." Er sagt: "Wer mitmachen will im Konzert der Großen, darf nicht Lichtjahre von den Spielregeln des internationalen Marktes entfernt sein und nur seinen alten Werten treu bleiben. Denn dann darfst du dich nicht darüber beklagen, wenn die Stars gehen."

Und doch gibt es die 50+1-Regel aus gutem Grund. Der britische Geschäftsmann Mike Ashley zum Beispiel hat vor elf Jahren den englischen Erstligisten Newcastle United gekauft. Er hat das getan, um in der reichsten Liga der Welt Geld zu verdienen. Dann merkte er, dass der Klub verschuldet war. Seitdem ist ihm der sportliche Erfolg egal. "Um seine Millionen halbwegs zu retten, investiert er seit Jahren nur noch so viel, wie gerade nötig ist, um Newcastle in der lukrativen Premier League zu halten" schrieb der "Kicker" jüngst. "Und so kommt es, dass ein einziger Mann einen Verein, der selbst im Zweitligajahr im Schnitt vor mehr als 50.000 Zuschauern spielte, seit einem Jahrzehnt lähmt, den Riesen nicht aufweckte, sondern ausknockte und die Fans in den Wahnsinn treibt." Schalkes Manager Christian Heidel will genau das vermeiden: Die Probleme des deutschen Fußballs würden nicht gelöst, indem Investoren eine Mehrheit an Profiklubs übernehmen könnten, sagte er im Deutschlandfunk.

Gibt es nicht doch noch Hoffnung?

Wenn das Titelrennen in der Bundesliga nun ähnlich fade wird wie in den vergangenen sechs Spielzeiten, was bleibt dann noch? Geht es wieder nur darum, wer Zweiter wird? Im Grunde ja. Aber immerhin sind ja noch drei weitere Plätze in der Champions League zu vergeben, zwei in der Europaliga. Und wieder werden mindestens zwei Mannschaften absteigen. Also Vereinsbrille auf und durch. Die Liga besteht ja nicht nur aus dem FC Bayern. Doch es ist bezeichnend für die Lage, welches Echo alleine die Ankündigung des Hoffenheimer Trainers Julian Nagelsmann hatte, er wolle, bevor er in der kommenden Saison dann RB Leipzig trainiert, mit seiner Mannschaft um den Titel mitspielen. Endlich mal einer, der nicht schon vorher aufgibt, hieß es. Dabei ist es doch nur eine Absichtserklärung. Für die Partie heute gelte: "Die Bayern sind schwer zu knacken, aber wir sind optimistisch. Wir haben uns ein paar Ideen überlegt. Ein Sieg ist im Bereich des Möglichen." Sein Kollege Niko Kovac, seit diesem Sommer in München, nimmt's gelassen: "Konkurrenz belebt das Geschäft. Das kann uns nur helfen." Unser Tipp: 3:1

Und sonst so?

VfL Wolfsburg (Saisonvorschau) - FC Schalke 04 (Saisonvorschau), Samstag, 15.30 Uhr. Tipp: 1:1

Hertha BSC (Saisonvorschau) - 1. FC Nürnberg (Saisonvorschau), Samstag, 15.30 Uhr. Tipp: 2:1

SV Werder Bremen (Saisonvorschau) - Hannover 96 (Saisonvorschau), Samstag, 15.30 Uhr. Tipp: 2:1

SC Freiburg (Saisonvorschau) - Eintracht Frankfurt (Saisonvorschau), Samstag, 15.30 Uhr. Tipp: 1:1

Fortuna Düsseldorf (Saisonvorschau) - FC Augsburg (Saisonvorschau), Samstag, 15.30 Uhr, Tipp: 2:1

Bor. Mönchengladbach (Saisonvorschau) - Bayer Leverkusen (Vorschau), Sa., 18.30 Uhr. Tipp: 1:2

1. FSV Mainz 05 (Saisonvorschau) - VfB Stuttgart (Saisonvorschau), Sonntag, 15.30 Uhr. Tipp: 1:0

Borussia Dortmund (Saisonvorschau) - RB Leipzig (Saisonvorschau), Sonntag, 18 Uhr. Tipp: 2:1

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Die, die spielen, sind Superstars. Die, die auf der Bank sitzen, sind Superstars. Und die, die auf die Tribüne müssen, sind auch Superstars." Münchens Trainer Niko Kovac vor dem Eröffnungsspiel seines FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim.

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Quelle: n-tv.de

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